> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 03. März 2007
 

Bundesverdienstkreuz für Burger

    SPD-Stadtrat und Lehrer Oswald Burger geehrt: Goldbacher Stollen zu Gedenkstätte gemacht

Für sein ausdauerndes Engagement bei der Aufarbeitung der Überlinger Zeitgeschichte und die Arbeit im Verein "Dokumentationsstätte Goldbacher Stollen und KZ Aufkirch" wurde Oswald Burger gestern mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Staatssekretär Rudolf Köberle nahm die Ehrung vor und würdigte das Engagement mit einer Begründung des ehemaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel.

Überlingen - "Ihnen ist es zu verdanken, dass die Geschichte des Goldbacher Stollens wieder zu Tage kam", erklärte Köberle in der Würdigung der Verdienste Oswald Burgers. Auch am Bodensee habe die Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus ihre Spuren hinterlassen und "für Leid und Tod gesorgt". Diese Geschichte aufgearbeitet zu haben, um sie der Gesellschaft und kommenden Generationen bewusst zu machen, bezeichnete Köberle als "das Lebenswerk von Herrn Burger". Gerade der Bundespräsident schätze das hartnäckige Engagement, mit der sich der Überlinger auf die Suche nach den Überlebenden gemacht habe - und den Namen der Toten, die diese "menschenverachtende Arbeit" nicht überlebt hatten.

"Man muss von den Gräueltaten wissen, um die Welt zu verstehen und dem Frieden zu dienen", hatte Oberbürgermeister Volkmar Weber Arbeit von Oswald Burger kommentiert. Die Stadt habe sich nicht in der Lage gesehen, eine Gedenkstätte einzurichten, was der Zeitgeschichtsforscher mit seinem Verein 1996 realisiert habe. Vor allem die Kontaktpflege sei Burger stets ein großes Anliegen gewesen, sagte Weber. Nicht nur zu den Leidtragenden im Goldbacher Stollen, sondern auch in der Begleitung von internationalen Workcamps mit Jugendlichen aus aller Welt. Für ihn persönlich seien die "Goldbacher Variationen" im Rahmen des Sommertheaters 2004 besonders eindrucksvoll gewesen, erklärte Weber. Burger sei dabei Ideengeber für die Örtlichkeit wie für die Inszenierung gewesen. Doch auch sonst sei er als Kulturschaffender stets präsent. Weber: "Ich bin stolz, Sie als Bürger in der Stadt zu haben."

Anton Jez, letzter Überlebender der KZ-Häftlinge im Goldbacher Stollen, war trotz seiner 82 Jahre aus Ljubljana in Slowenien angereist, um bei der Ehrung Burgers dabei zu sein. Er erinnere sich noch heute, wie der Überlinger 1985 mit Rucksack und "seinem legendären Hut" bei ihm aufgetaucht

"Ich bin stolz, Sie als Bürger in der Stadt zu haben", sagte Oberbürgermeister Volkmar Weber, als er Oswald Burger nach der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gratulierte. Vorne rechts Eva Burger-Weiß und Tochter Julia.
Bild: Walter

sei. 1995 war der einstige Maschinenbauingenieur mit vier weiteren Slowenen erstmals an den Bodensee gereist, ein Jahr bevor Burger den Verein für die Dokumentationsstätte gründete. Längst ist eine ganz enge Freundschaft zwischen den Familien entstanden und Jez dankte dem Überlinger für die Aufarbeitung der Vergangenheit und die stets große Gastfreundschaft.

Er habe gestern ganz bewusst weniger von den Dingen, sondern von den Menschen gesprochen, die er im Lauf der Jahre getroffen habe und die ihn bei der Arbeit unterstützt hätten, schloss Oswald Burger seinen abschließenden Rückblick. "Denn die Begegnungen und Freundschaften waren das Schönste an dem Engagement", betonte er, und nur damit lasse sich auf Dauer Frieden schaffen.

Oswald Burger

Geboren 1949 in Meersburg, aufgewachsen in Bermatingen. Abitur 1968 am Gymnasium in Konstanz. Nach dem Studium (Uni Konstanz und Marburg) legte er das Staatsexamen für das höhere Lehramt in Germanistik und Geschichte, Politik und Philosophie ab. Seit 1977 unterrichtet Burger an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule die Fächer Deutsch, Geschichte, Gemeinschaftskunde und Ethik. Von 1984 bis 1989 war und seit 1994 ist er Stadtrat für die SPD im Überlinger Gemeinderat. Seit 1991 leitet er das Literarische Forum Oberschwaben. Er ist verheiratet und hat eine 28-jährige Tochter. (hpw)

 
 
 

HANSPETER WALTER, Südkurier Überlingen, 03.03.07

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