> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 14. Februar 2001
 

Bioinformatik als neue Fachrichtung

Schwerpunkt für Biologisch-Technische Assistenten an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule

Überlingen - Schon seit 1978 gibt es an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule das Berufskolleg für Biologisch-Technische Assistenten (BTA), das die derzeit 48 Absolventen pro Jahr mit besten Aussichten ins Berufsleben entlässt. Vom kommenden Schuljahr an bietet die Schule nun zusätzlich eine zweijährige spezialisierte Ausbildung mit der Fachrichtung "Bioinformatik und Molekularbiologie" an.

Die neue Fachrichtung soll vertiefte Kenntnisse in der EDV in Verbindung mit molekularbiologischen Fertigkeiten vermitteln. Ein neues Berufsbild, das auf dem Niveau eines Technischen Assistenten bundesweit erstmals angeboten wird und angesichts des wachsenden Bedarfs in Forschung und Industrie gute Zukunftschancen haben sollte.

Bestärkt wurden die Verantwortlichen des Berufskollegs in ihrem Konzept von Universitäten und Firmen, die auf dem Gebiet der Gentechnik und Molekularbiologie tätig sind. Auf akademischem Niveau ist es um die Bioinformatik in Deutschland nicht schlecht bestellt, auch immer mehr junge Firmen konnten sich auf diesem noch relativ jungen Zweig etablieren. Dünn gesät sind derzeit jedoch technische Fachkräfte, die wichtige biologische Grundkenntnisse haben, sich bei der Anwendung moderner Software im Labor und der Nutzung wissenschaftlicher Datenbanken auskennen. Genau diesen Brückenschlag will die neue Ausbildung am Berufskolleg für biologisch-technische Assistenten schaffen.

Bisher werden dort pro Jahrgang zwei Klassen mit je 24 Schülern ausgebildet. Zu den 96 angehenden BTAs soll nach den derzeitigen Vorstellungen zunächst mit 12 Schülern eine halbe Klasse für die neue Fachrichtung "Bioinformatik" aufgenommen werden. "Das hängt auch etwas von der Nachfrage ab", sagt Schulleiter Kurt Boch. Und: "Wenn sie sehr groß ist, könnten wir auch die anderen beiden allgemeinen Klassen verkleinern." Ins Konzept passt es auf jeden Fall, dass der Bodenseekreis als Schulträger gerade in diesem Jahr noch einmal 400.000 Mark an Investitionen eingeplant hat. Die Computer- und Softwareausstattung soll für rund 100.000 Mark modernisiert werden, weitere 300.000 Mark werden in Umbaumaßnahmen im alten Schulgebäude gesteckt. Nachdem der Neubau bezogen worden ist, können hier in den Sommerferien einige Klassenzimmer zu Labors umgebaut werden.

Molekularbiologische Techniken und neueste Computeranwendungen wird die neue Fachrichtung "Bioinformatik und Molekularbiologie" am Berufskolleg für Biologisch-Technische Assistenten an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule Überlingen verbinden. Der Ausbildungsgang wird vom kommenden Schuljahr an erstmals angeboten.

Gute Bedingungen also auch für das neue Angebot am Berufskolleg. Voraussetzung für den zweijährigen Ausbildungsgang ist ein mittlerer Bildungsabschluss. Auf dem Lehrplan stehen neben den theoretischen naturwissenschaftlichen Grundlagen vor allem die Fachpraxis - in der Versuchstechnik und am Computer. Zu den Grundlagen der Datenerfassung und Dokumentation kommen im speziellen Bereich Bioinformatik Datenbank-Recherchen im Internet, DNA-Analysen, Strukturvorhersagen von Proteinen und virtuelles Klonieren.

Flankiert werden diese Inhalte von grundlegenden biotechnologischen und biochemischen Analysetechniken. Mit Zusatzunterricht kann auch die Fachhochschulreife erworben werden. Doch schon für den so ausgebildeten Biologisch- Technischen Assistenten neuen Zuschnitts sieht die Schule beste Berufschancen. Arbeitsmöglichkeiten finden sich unter anderem in biochemischen, molekularbiologischen und medizinischen Forschungs- und Untersuchungslabors. Aber auch viele neu gegründete Firmen benötigen in diesem Bereich zunehmend Arbeitskräfte.

Kontakt:
Jörg-Zürn-Gewerbeschule
Rauensteinstraße 17
D-88662 Überlingen,
Tel. 07551/809230, 809232

 
 
 

Hanspeter Walter, Südkurier, 14.02.2001

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