> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER; 23. Dezember  2000
 

Eine Basis für die Zukunft geben

Jörg-Zürn-Gewerbeschule verabschiedete Schüler -
Schulleiter spricht Weihnachten an

Überlingen (hk) 16 Industriemechaniker, 14 Kraftfahrzeugmechaniker sieben Elektroinstallateure und ein Tischler haben die Abschlussprüfung der Jörg-Züm-Gewerbe bestanden sechs von ihnen erhielten Preise und Belobigungen. Schulleiter Kurt Boch würdigte die Leistungen der Lehrlinge gestern während der für diese Schule schon traditionellen Abschluss- und Weihnachtsfeier im Dorfgemeinschaftshaus Nußdorf, die von der dreizehnköpfigen Schulband musikalisch umrahmt wurde. Dabei ging Schulleiter Boch auch auf das Weihnachtsfest ein.

Mit dem gestrigen Tag haben die Lehrlinge, wie es Boch ausdrückte, "eine wichtige erste Hürde auf dem Weg zum Berufsabschluss genommen". Nach der fachtheoretischen folge jetzt noch die fachpraktische Prüfung. "Mit den erworbenen Kenntnissen", so wandte sich der Schulleiter an die Schüler, "hoffen wir, ihnen eine Basis für ihre Zukunft gegeben zu haben." Und: "Dieses Basiswissen werden sie sehr bald benötigen."

Boch beschäftigte sich in seiner Ansprache unter anderem mit dem Sinn des Weihnachtsfestes. Die Dominanz des Christentums sei in Deutschland nicht mehr ungebrochen. Freidenkertum und Atheismus er freuten sich steigender Beliebtheit. Die Gesellschaft werde zunehmend multikulturell. "Vielleicht", so mutmaßte Boch, "feiern die verschiedenen Kulturen eines Tages gemeinsam Weihnachten." Das gute alte deutsche Weihnachtsfest scheine nicht mehr das zu sein, was es einmal war. Trotzdem bestehe kein Grund, das Fest abzuschaffen. "Selbst die überzeugtesten Atheisten feiern es schließlich", betonte Boch.

Preisträger

Folgende Schüler sind die diesjährigen Preisträger der Jörg-Zürn-Gewerbeschule Überlingen:

Florian Junior (Industriemechaniker), Adriano Bonafede (Industriemechaniker), Markus Schatz (Elektromechaniker), Thomas Huber (Kfz-Mechaniker).
Belobigungen erhielten:
Amor Ben (Industriemechaniker) und Jürgen Fassot (Kfz-Mechaniker)

Schulleiter Kurt Boch zeichnete gestern während der Entlass- und Weihnachtsfeier der Jörg-Zürn- Gewerbeschule Überlingen (von links) Florian Junior, Adriano Bonafede, Markus Schatz, Thomas Huber, Amor Ben und Jürgen Fassot aus.

Mit der Weihnachtsbotschaft habe das Fest heutzutage allerdings kaum noch was zu tun. Zunehmend sei es vom "wahnwitzigen Konsumtaumel" überlagert. "Weihnachten ist längst zu einem Wettkampf des Schenkens geworden, den die Erfolgreichen und die, die dazu gehören wollen, unter sich austragen ", stellte der Schulleiter fest. Er stellte allerdings in Frage, ob das Fest tatsächlich zu einer riesigen Selbstdarstellungskampagne der Erfolgreichen geworden sei. "Anzeichen dafür gibt es jede Menge", meinte Boch Denn über weniger erfolgreiche Menschen werde seltener geschrieben und gesprochen, die Gesellschaft vergesse sie schnell, vor allem an Weihnachten. "Leider zählt heute nur noch der materielle Erfolg", bedauerte Boch.

 "Sicherlich", so der Redner weiter, habe in der heutigen Gesellschaft je der die Chance, erfolgreich zu sein. Auf den vorderen Plätzen könnten aber nur die wenigsten stehen, in der zweiten und dritten Reihe seien noch genügend Plätze vorhanden für die überwiegende Mehrheit der Menschen, "für Menschen wie du und ich."

Der Schulleiter spannte auch den Bogen zu den Ereignissen vor rund 2 000 Jahren: "Viele sind heute durch das Raster des sozialen gefallen, haben einfach den gefallen, haben einfach den Kürzeren gezogen." Diese sozial Schwächeren könne man mit den Hirten von seinerzeit vergleichen, die in der Gesellschaft "noch tiefer standen als Sklaven."

Großen Wert legte Boch abschließend darauf, den einzelnen Menschen  nicht an seinem Erfolg zu messen. "Das gilt insbesondere an Weihnachten", unterstrich er und fügte hinzu, dass als Empfänger der Weihnachtsbotschaft die gesamte Menschheit gelte. Boch: "Der Friedenswunsch der Weihnachtsbotschaft schließt alle Menschen ein. Frieden gibt es für alle Menschen oder gar nicht."

 
 
 

Holger Kleinstück, Südkurier Überlingen, Samstag, 23.12.2000

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