> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 07. Februar 2001
 

Blitzableiter und Zauberer

Maskenbildner Harald Klute plaudert in der Jörg-Zürn-Schule aus dem Nähkästchen

Harald Klute schreckt die rund 50 Schülerinnen und zwei Schüler in der Jörg-Zürn-Schule erst  einmal ab. „Der Job ist immer Nummer eins, das Privatleben ist immer Nummer zwei“, sagt der Chefmaskenbildner der Städtischen Bühnen Freiburg. Immer erreichbar sein, arbeiten gehen wenn andere zur Party pilgern, am Wochenende und an jedem Freitag abends um 18 Uhr in der Maske des Theaters aus schön hässlich und aus Jung Alt machen.

„Aber wenn Sie das akzeptieren, haben Sie einen der schönsten Berufe der Welt“, sagt Klute, der aus einer Maskenbildnerfamilie kommt. Schon als keiner Junge habe er nach der Schule Haare für Haarteile aufgefädelt, die seine Mutter am nächsten Morgen mit in das eigene Friseurgeschäft genommen habe.

Der Freiburger Chefmaskenbildner plaudert aus dem Nähkästchen, gibt Einblicke in einen spannenden Beruf, der oft genug Berufung sei. Einmal habe das Team nur zehn Sekunden gehabt, um eine Dame von der Bühne zu lassen, sie auszukleiden, neu anzuziehen, einen Schleier zu befestigen und wieder auf die Bühne zu bringen. „Die Stoppuhr wird ab der ersten Hauptprobe zum festen Begleiter“, erzählt er.

„Sie sind Seelentröster und Blitzableiter für die Schauspieler“, sagt er. In den haarigsten Situationen die Nerven zu behalten und dabei professionell bleiben sei die Kunst in diesem Job. „Schönschminken ist das langweiligste“, meint Klute. Vor allem beim Musiktheater müsse er aber oft aus einem 50-Jährigen Tenor einen jugendlichen Liebhaber machen. „Erst wenn der Schauspieler innen fühlt wer er außen aussieht, haben wir gute Arbeit geleistet und vielleicht ein bisschen gezaubert“, erklärt er.

Gleich nach der ersten Abschreckung in Klutes umfassender Einführung in den Beruf Maskenbildner stehen gute Zukunftsaussichten: „In Deutschland sind gut 90 Stellen frei.“ Die im Schnitt dreijährige Ausbildung zum Maskenbildner, die 2002 staatlich anerkannt werde, sei zeitintensiv die Theater und werde daher auf Sparflamme gefahren. „Jede freie Minute wird genutzt. Was wir an die Azubis vermitteln müssen, bedeutet Überstunden“, weiß Klute. Und die seien für viele verständlich Last.

„Pflicht ist die vorherige Ausbildung zum Friseur nicht. Was sie für das Theater davon brauchen,

Chefmaskenbildner Harald Klute zeigt seine Kunst: Der Kopf des Johannes, mit dem Salomé auf der Bühne gehässig spielt.

Bild: Stadtmüller

lernen sie bei uns in einer Woche“, meint der Freiburger. Für ihn seien persönlicher Eindruck und die Ahnung von Talent bei einem Bewerbungsgespräch viel wichtiger, antwortet Klute auf die Frage nach den Noten und der Bewertung. „Ich habe mal eine Frau eingestellt, die mir statt eines Gesichts ein Strichmännchen gemalt hat“, erinnert er sich. Sie sei eine seiner besten Schülerinnen gewesen.

„Lassen Sie sich vor allem nicht von fragwürdigen Maskenbildnerschulen ködern“, rät Klute. Bis 40.000 Mark würden die den Schülern aus der Tasche ziehen und das Diplom sei nicht das Papier wert, auf dem es geschrieben steht.

Mitgebracht hat Harald Klute so einige spannende Utensilien aus einem Maskenfundus. Haare aus China, Indien und Europa – von günstig bis fast unbezahlbar – werden Perücken verarbeitet. Aus flüssigem Gummi formen die Kreativen Masken und ganze Köpfe, wie den des Täufers in der Oper "Salomé".Selbst in die Töpfe greifen und bei einer solchen Verwandlung zusehen war der Höhepunkt der Einführung in einem wirklich zauberhaften und fantasievoller Beruf.

 
 
 

Südkurier, 07.02.2001

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