> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 19. Oktober 2001
 

Schüler machten den Weg frei

Berufsvorbereitungsjahr lehrt vielerlei Erfahrungen

Überlingen (hpw) Auf soziale Integration und berufliche Orientierung gleichermaßen ausgerichtet sind praktische Projekte, mit denen die Jörg-Zürn-Gewerbeschule seit einigen Jahren den schulischen Unterricht im Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) flankiert. In Zusammenarbeit mit der Stadtgärtnerei oder dem Forstrevier übernehmen die Schüler Tätigkeiten, bei denen sie auch mal kräftig zupacken können. In den letzten Wochen sorgten sie nun für die Instandsetzung eines Wanderweges bei Brachenreute.

Das Berufsvorbereitungsjahr besuchen meist Hauptschulabgänger, die entweder noch keinen Ausbildungsplatz gefunden oder noch keine konkrete Vorstellung von ihrem künftigen Beruf haben. In der Regel ist es eine bunt zusammengewürfelte Gruppe, in der nicht jeder unbedingt große Lust verspürt, weiter die Schulbank zu drücken. "Bei der Projektarbeit lernen sich die Schüler besser kennen und haben konkrete praktische Aufgaben", erklärt Klassenlehrer Hansjörg Straub, der in den letzten Jahren positive Erfahrungen mit dem Konzept machte.

Zudem lernen die Schüler schon mal einen Arbeitsalltag kennen und haben zumindest eine bessere Vorstellung von dem, was sie im späteren Berufsleben erwartet. Für Straub ist es jedoch in erster Linie ein "soziales Praktikum", das seine Schützlinge hier absolvieren. So haben Gruppen des BVJ unter anderem schon im Stadtgarten mitgearbeitet oder die "Teufelstreppe" wieder instand gesetzt.

Ein sinnvolles Objekt für die Arbeit hatte in diesem Jahr Forstrevierleiter Rolf Geiger den Jugendlichen zu bieten. Im Wald über Brachenreute hatten die Aufräumarbeiten nach den Sturmschäden, die Orkan "Lothar" hinterlassen hatte, einen beliebten Wanderweg nahezu unbegehbar gemacht. Die schweren forstwirtschaftlichen Fahrzeuge hatten dem Waldboden mächtig zugesetzt und den Weg stark beschädigt. Jeweils an zwei Tagen in der Woche machten sich die Schüler an die Arbeit, um unter der Aufsicht eines Waldarbeiters die Schäden wieder zu beseitigen.

Einmal kräftig zupacken konnten Schüler des Berufsvorbereitungsjahres an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule: In einem sozialen Projekt zum Auftakt des Schuljahres machten sie einen Wanderweg bei Brachenreute wieder begehbar.
Bild: Walter

Zunächst galt es kleine Gräben zu ziehen, damit das Wasser wieder abfließen konnte, und den  entstandenen Wildwuchs der Pflanzen zu beseitigen. Dann musste ein Unterbau aus grobem Schotter auf dem rund 400 Meter langen Wegstück aufgebracht werden. Zum Abschluss galt es, einen feineren Kiesbelag aufzubringen und mit dem Rüttler zu befestigen. An Schaufel und Schubkarre mussten die Schüler hier kräftig zupacken. Inzwischen sind die Arbeiten nahezu abgeschlossen und der Weg ist wieder begehbar.

"Wir machen den Weg frei", hatte Klassenlehrer Hansjörg Sträub die Aufgabenstellung für die Schüler überschrieben - und dabei unweigerlich an den Werbespruch der Volks- und Raiffeisenbanken gedacht. Dies brachte ihn auf die Idee, doch mal bei der Volksbank Überlingen anzuklopfen und um eine kleine Unterstützung für die Arbeit zu bitten. Prompt erklärte sich die Bank auch bereit, in diesen Wochen das tägliche Vesper für die schaffenden Schüler zu finanzieren.

Auch die Heimsonderschule, die den nahen Weg gerne nutzt, zeigte sich erkenntlich und versorgte die Jugendlichen mit Getränken. So erfuhren die Schüler nicht nur eine Wertschätzung ihrer Arbeit, sondern waren auch noch rundum versorgt.

 
 
 

Hanspeter Walter, Südkurier Überlingen, 19.10.2001

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