> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 29. Dezember 2001
 

Zwischen Himmel und Erde

Schüler des Berufsvorbereitungsjahres bei pädagogischem Erlebnisprogramm

Überlingen - In zehn Metern Höhe braucht man für jeden Schritt mehr Mut als auf dem Boden. Dies durften Schüler des Berufsvorbereitungsjahres an der Jörg-Zürn- Gewerbeschule erfahren, die an einem erlebnispädagogischen Programm in einem Hochseilgarten in Scheidegg im Allgäu teilnahmen.

Zunächst wurden spezielle Schutzvorkehrungen getroffen und Sicherheitsregeln geübt. Dann musste jeder fünf Meter nach oben steigen. Auf einem abwechslungsreichen Parcours waren Wege zurückzulegen, auf dem schmalen Drahtseil konnte man entweder balancieren oder man musste sich an losen Seilen entlanghangeln. In zehn Metern Höhe waren ein Balken und eine Hängebrücke mit unterschiedlichen Tritten zu überqueren, oder man schwankte in den Seilschlaufen der "Affenschaukel" in schwindelnder Höhe. Das Abgeseiltwerden und langsame Niedergleiten war ein besonderes Erlebnis. Der absolute Höhepunkt aller Extremerlebnisse war der "Swing" - man musste sich zunächst in die Tiefe fallen lassen, wurde dann vom Fangseil aufgefangen und schwang in großen Bögen aus, bis einem die Kameraden wieder auf den Boden halfen. Bei diesen Erlebnissen kam es auf Mut und Vertrauen an, und auf Zuverlässigkeit beim gegenseitigen Absichern. Das schaffte ein außergewöhnliches Erlebnis, ein schönes Zusammengehörigkeitsgefühl in der Gruppe und gab Anlass für viele stolze, betroffene und kleinlaute Nachgespräche.

Die BVJ-Klasse wurde angeleitet von zwei Erlebnispädagogen und begleitet vom Jugendberufshelfer Dominik Erdinger und zwei Lehrkräften. Der Jugendberufshelfer beim CJD Bodensee-Oberschwaben hatte auch die übrigen Programmteile des Schullandheimaufenthaltes in Bühl am Alpsee vorbereitet. Er arrangierte für die bevorstehenden Bewerbungsgespräche der 

Auf einem dünnen Seil über die Erde hangeln - das erfordert Mut, Geschicklichkeit und Vertrauen, erfuhren die Schüler der Jörg-Zürn-Gewerbeschule.

Schüler ein Bewerbungstraining vor der Videokamera. Auch für diese Auftritte bedurfte es einiges Mutes. Im gemeinsamen Gespräch wurde das Auftreten aller "Bewerber" beurteilt.

Sucht und der Umgang mit Drogen sind aktuelle und wichtige Themen bei Schullandheimen. Die Klasse konnte Denkmodelle dazu kennen lernen, um ihr Verhalten und das ihrer Umgebung besser einschätzen und sich stärken zu können. Dies sei die beste Möglichkeit, um Jugendliche vor einer Suchtkarriere zu schützen, meinte Dominik Erdinger.

Das gemeinsame Kochen, Essen und Spülen wurde von den Schülern selbst in die Hand genommen. Das selbst zubereitete Essen wurde höher geschätzt als das Fast-Food, das unterwegs in aller Eile eingeworfen worden war.

Soziales Miteinander und Vertrauen zueinander stehen nicht im offiziellen Lehrplan, sind aber wichtige Ziele der praktischen Erlebnispädagogik. An die Tage im äußerlich unscheinbaren Berghaus Rieder in Bühl am Alpsee werden alle Beteiligten länger zurückdenken als an den Schulalltag. In einem Videofilm, den die Schüler selbst drehten, sind viele Erinnerungen festgehalten.

 
 
 

Südkurier Überlingen, 29.12.2001

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