> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 26. April 2002
 

Als das Volk das Land aus der Taufe hob

50 Jahre Baden Württemberg:
 Ausstellung in der Jörg-Zürn-Gewerbeschule informiert über Gründung

Überlingen (hk) Aus Anlass des 50. Geburtstages Baden-Württembergs ist in der 
Jörg-Zürn-Gewerbeschule gestern eine Ausstellung mit acht Plakaten zur Volksabstimmung am 9. Dezember 1951 eröffnet worden. Als Historiker und Zeitzeuge informierte Franz Oexle, viele Jahre Chefredakteur des SÜDKURIER, über die Landesgründung.

Es war vor genau 50 Jahren, als der neu gewählte Ministerpräsident Reinhold Maier am Rednerpult des Landtags in der Stuttgarter Heusteigstraße auf seine goldene Taschenuhr schaute und die Gründung des "Südweststaats" bekannt gab. Meine sehr geehrten Abgeordneten, hiermit wird der Zeitpunkt der Bildung der vorläufigen Regierung auf den gegenwärtigen Augenblick, nämlich auf Freitag, den 25. April 1952, 12 Uhr 30 Minuten, festgestellt. Mit dieser Erklärung sind gemäß Paragraph elf des Zweiten Neugliederungsgesetzes die Länder Baden, Württemberg-Baden und Württemberg- Hohenzollern zu einem Bundesland vereinigt." Gestern war es Oswald Burger, der vor rund 100 Schülerinnen und Schülern der Gewerbeschule diesen historischen Satz verlauten ließ.

Dass es vor und nach der Volksabstimmung am 9. Dezember 1951 heftige Auseinandersetzungen zwischen
Befürwortern und Gegnern des geplanten Südweststaates gab, das geht eindeutig aus den ausgestellten Plakaten ten hervor, die Burger erläuterte. Vier von ihnen plädieren für den Südweststaat, vier für die Beibehaltung des alt-
badischen Landes. So ist beispielsweise vom Aufruf der badischen Landesregierung zur Wiederherstellung des alten Landes Baden zu lesen mit der Begründung, dass Baden "unbestritten das Bundesland mit der fortschrittlichsten Sozialgesetzgebung"
sei. Man solle doch nicht vergessen,
"dass in einem Südweststaat die größere Zahl unserer württembergischen Nachbarn in allen wichtigen Fragen stets den Ausschlag gibt". Ein anderes zeigt eine Person beim Baden mit dem
Hinweis: "Durch Baden wird man erst gesund", ein weiteres zwei sich belauernde Hähne, über
die ein Fuchs wacht: "So geht das nicht weiter - darum Südweststaat". 

 

Oswald Burger erläuterte die acht in der Jörg-Zürn- Gewerbeschule ausgestellten Plakate zur Volksabstimmung am 09. Dezember 1951.
BILDER: KLEINSTÜCK

Dass Baden-Württemberg das einzige Bundesland ist, das aus einer Volksabstimmung hervorging, machte Franz Oexle klar, gebürtiger Überlinger und promovierter Historiker. "Der Volksentscheid hatte es in sich", erinnert sich Oexle und verwies darauf, dass in Südbaden die Wähler mehrheitlich für die Wiederherstellung der alten Länder votierten. Die meisten Badener und Württemberger hätten sich allerdings für die Gründung eines gemeinsamen Bundeslandes ausgesprochen, auch eine Folge des seinerzeitigen Abstimmungsmodus, den er selbst als "nicht fair" angesehen hatte. Denn dieser, so Oexle, war getrennt in den Bezirken Nord- und Südbaden sowie Nord-Württemberg und Wüttemberg- Hohenzollern ausgezählt worden, "ein Fußtritt gegen die Demokratie", wie das Basler Blatt geschrieben 
habe. Dennoch hätten 1970 schließlich auch die Südbadener- fast 80 Prozent - für den Erhalt Baden-Württembergs gestimmt.

Historiker und Zeitzeuge Franz Oexle berichtete über die Landesgründung

Obwohl sich die Landesgeburt unerquicklich ausgenommen habe, sei mittlerweile Ordnung eingetreten und niemand stelle heute das Land Baden-Württemberg, das es zu pflegen gelte, mehr in Frage. Dennoch sollten "die Bürger unserer Tage Verständnis haben, wie es entstanden ist".

 
 
 

Hoger Kleinstück, Südkurier Überlingen, 26.04.2002

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