> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 04. Februar 2002
 

In einer Viertelstunde gealtert

Maskenbildnerin zu Gast bei Friseur-Azubis aus Überlingen und Friedrichshafen

Überlingen - Gerade noch war er ein junger Auszubildender - binnen einer Viertelstunde mutiert er zum Greis. Etwas Farbe und einige Haarteile, Puder und Pinsel: Mit gekonnten Handgriffen vollzieht Maskenbildnerin Annette Josef aus Konstanz vor staunenden angehenden Friseurinnen und Friseuren aus Überlingen und Friedrichshafen die Verwandlung. Auch einige interessierte Schülerinnen aus Salem haben die Gelegenheit genutzt, um einer Maskenbildnerin einmal auf die Finger sehen zu können.

Schon seit Jahren ist dieser Programmpunkt für Rolf Briddigkeit,  Lehrer und Fachabteilungsleiter der Überlinger Jörg-Zürn-Gewerbeschule, ein fester Bestandteil bei der Ausbildung seiner Schülerinnen und Schüler im dritten Lehrjahr. Nicht nur ein spannendes Erlebnis sind die Verwandlungskünste für die künftigen Haarstylisten, der Tag gibt ihnen auch Anregungen für eine mögliche Berufsfindung.

Da die Einführung in die Maskenbildnerei einen größeren organisatorischen Aufwand und etliche Kosten mit sich bringt, hängt sich die Friedrichshafener Claude-Dornier-Schule hier gerne dran, um auch ihren Auszubilden diese Erweiterung des beruflichen Horizontes zu gönnen. "Für uns ist das eine kleine Exkursion und damit auch Pflicht", sagt die zuständige Lehrerin Ariane Siegfried. Für die zwölf Azubis aus dem zweiten Lehrjahr ist der Ausflug nach Überlingen natürlich eine willkommene Abwechslung.

Wie vielfältig das Repertoire des Maskenbildners ist, macht Annette Josef nach einer kurzen theoretischen Einführung an mehreren praktischen Beispielen deutlich. "Wir müssen die Augen etwas tiefer legen", beginnt sie die Arbeit am Kopf des alternden Mannes. Der Teint um die Augenlider wird abgedunkelt, langsam, aber 

Maskenbildner-Meisterin Annette Josef demonstriert Friseur-Lehrlingen aus Friedrichshafen und Überlingen am praktischen Beispiel ihre Arbeit. Binnen 15 Minuten hat sie aus dem jungen Azubi einen Greis geschaffen.
Bild: Walter

sicher zeichnet sich der gewünschte "Alterungsprozess" im Gesicht ab. Zu guter Letzt kommen die graue Perücke und ein grauer Bart - der junge Mann erkennt sich beim Blick in den Spiegel nicht mehr wieder.

Zuvor hatte die Maskenbildnerin einen romantischen Biedermeierkopf gezaubert und dann mit einer Glatze schwierige Detailarbeit demonstriert. Die aus mehreren Schichten "Glazan" aufgebaute Kunststoffhaut hatte Annette Josef schon zuhause vorbereitet. Doch entscheidend für eine glaubhafte Glatze sind die echt wirkenden Übergänge zu der eigenen Haut. Dazu werden die Randschichten des Kunststoffes mit Aceton noch einmal angelöst, ausgedünnt und angedrückt: ein richtiger Kahlkopf! Die Glatze sitzt und sorgt selbst bei den haarverwöhnten Friseur-Lehrlingen für Bewunderung. Vielleicht wird der ein oder andere von ihnen auch einmal Verwandlungskünstler.

 
 
 

Hanspeter Walter, Südkurier Überlingen, 04.02.2002

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