> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 26. Juli 2002
 

Fast schon auf Vorlesungsniveau

Sieben TG-Schüler stellten ihre Projektarbeiten vor - 
Dabei eine "Homepage" für Nußdorf

Überlingen (ub) Raketen- oder Brennstoffzellentechnik, Hard- und Software oder deren praktische Anwendung, wie sie Carsten Gut für eine Nußdorfer Homepage vorgenommen hat, hießen die Aufgabenstellungen, mit denen sich sieben TG-Schüler der zwölften Klasse der Jörg-Zürn-Gewerbeschule ein Jahr lang ausauseinandergesetzt hatten. Die Präsentation ihrer Ergebnisse war jetzt im Nußdorfer Dorfgemeinschaftshaus ein eindrucksvoller Abschluss der Projekte.

Zum zweiten Mal bot die Jörg-Zürn-Schule ihren Zwölftklässlern des Technischen Gymnasiums (TG) einen so genannten Seminarkurs an, in dem sie sich an projektorientiertem, eigenständigem Arbeiten versuchen konnten. Dabei hatten die sieben Teilnehmer in Paul Baur und dessen Kollegen, Tobias Furtwängler, lediglich eine beratende Betreuung an ihrer Seite. Die Hauptsache, das gewählte Thema zu recherchieren, aufzuarbeiten, zu dokumentieren und schließlich noch zu einer Präsentation aufzubereiten, war Sache der Schüler allein. Und zwar eine freiwillige Sache, zusätzlich zum normalen Unterricht.

Mit solchen Seminarkursen, die es bislang nur an baden-württembergischen und thüringischen Gymnasien gibt, soll die pure Wissensvermittlung ergänzt werden durch eine Ausbildung der Kompetenzstrukturen in sozialer und methodischer Hinsicht. Die Intention der Seminarkurse brachte Baur bei der öffentlichen Präsentation im Nußdorfer Dorfgemeinschaftshaus auf den kurzen Nenner: "Die Studierfähigkeit soll verbessert werden."

Was die sieben jungen Männer vortrugen und an Anschauungsobjekten erläuterten, hatte schon fast erstsemestriges Vorlesungsniveau. Was den Einsatz multimedialer Präsentationstechnik angeht, zeigten sich die angehenden Abiturienten ohnedies auf der Höhe der Zeit. Nicht minder imponierte ihr souveränes Auftreten. Für die Laien unter den Zuhörern, zu denen neben Ortsvorsteher Rudolf Beck auch einige weitere Ortschaftsräte zählten, war es zumindest nicht einfach, den Ausführungen der jungen Experten immer zur Gänze zu folgen.

Jan Benkhard hat sich die militärische Luftfahrt und die Raketentechnik am Bodensee zum Thema gemacht. Dabei ging er auch auf das im Bodenseewerk entwickelte PIMAWAS-System und das IRIS-T-Programm ein, das Raketen mit raffinierter Technik ihr Ziel bei einer Trefferquote von 99,9 Prozent selbst finden lässt.

Beeindruckende Arbeiten aus dem Bereich Technik und Umwelt präsentierten die Zwölftklässler der Jörg-Zürn- Gewerbeschule. Von links Carsten Gut, Oliver Wagner mit seinem Modell des Satelliten Envisat, Jan Benkhard, Paul Baur,
Tobias Furtwängler, Nico Hirschmann, Wolfram Niedermann, Martin Steffens und Thomas Schellinger
 BILD: UB

In einem Kleinversuch stellte Nico Hirschmann die Brennstoffzelle als zukunftsweisenden alternativen Energielieferant dar. Mit der Satellitentechnik setzte sich Oliver Wagner auseinander und stellte deren vielfältige Nutzung im militärischen und zivilen Bereich zur Telekommunikation, Klimaerforschung oder Navigation dar. Am Modell des in diesem Frühjahr gestarteten Satelliten Envisat, für den bei Astrium in Immenstaad etliche Messinstrumente entwickelt wurden, erläuterte er dessen Funktionsweise. Allein in den Bau dieses Modells investierte er 37 Stunden.

Die rasante Entwicklung der Computertechnik, die 1941 mit einem 1000 Kilogramm schweren Exemplar begann, zeigte Martin Steffens auf. Dabei machte er auch deutlich, inwieweit das Computerzeitalter unser heutiges Leben beeinflusst. In einer aufwändigen Computeranimation stellte Wolfram Niedermann die verschiedenen Vernetzungsmöglichkeiten von Computersystemen gegenüber, während Thomas Schellinger auf die Software einging. In die angewandte Praxis begab sich Carsten Gut mit der Erstellung einer Homepage für den Stadtteil Nußdorf. Er erfüllte damit gleichzeitig einen langgehegten Wunsch des Nußdorfer Ortschaftsrates.

"Wir haben ausgewiesene Experten gehört", lobte Paul Baur die Qualität der Arbeiten, aber auch der Präsentationen. Aus dieser Bemerkung konnten die Zwölftklässler schließen, dass sie mit ihrem enormen Zeitaufwand und dem Engagement, mit dem sie sich ihrer Aufgabe gestellt haben, schon eine gute Ernte für ihr Abitur im kommenden Jahr unter Dach und Fach gebracht haben. Die Bewertung der Seminararbeiten fließt nämlich zu einem Viertel in die Abiturnote ein.

 
 
 

Südkurier Überlingen, 27.07.2002

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