> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 13. Mai 2002
 

Ausgezeichnete Ideen zu politischer Bildung

Preisverleihung an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule

Überlingen - 60 Jugendliche der Überlinger Jörg- Zürn-Gewerbeschule beteiligten Sich am 44. Schüler-Landeswettbewerb - mit Erfolg. Landtagsabgeordneter Norbert Zeller als Beirat und Rektor Kurt Boch konnten nun stolz Urkunden und Preise überreichen.

"Komm heraus, mach mit" heißt es über einem Schneckenhaus auf der Titelseite eines Büchleins über den jüngsten Schülerwettbewerb. Die Schüler der Überlinger Jörg-Zürn- Gewerbeschule verkriechen sich schon lange nicht mehr; wenn es um die Teilnahme geht. Und der Erfolg gibt ihnen recht.

Die Schulstunde gestaltet sich etwas anders als sonst. Zwar steht mit Norbert Zeller auch ein Lehrer vor den Preisträgern, doch statt Hausaufgaben gibt es am Ende der lehrreichen Äußerungen poppige Trinkflaschen und Organizer als Dankeschön für die zweiten und dritten Preisträger. Sie hatten sich von Klassenlehrer Dr. Paul Baur als Initant unterstützen lassen und sich eines der Themen im Schülerwettbewerb herausgesucht, den der baden-württembergische Landtag zur Förderung der politischen Bildung jährlich anbietet und so die Möglichkeit schafft, sich in vielfältigster Weise mit unterschiedlichen politischen Problemen auseinander zusetzen.

Gesundheit und Gedichte

3200 Schüler aus 131 Schulen im Land hatten 2400 Arbeiten eingereicht. Fast zwei Drittel der 60 Überlinger Gewerbeschule nahmen sich einzeln oder im Team des Themas Gesundheit an. Sie entwarfen Plakate, die zu gesundheitsbewusstem Verhalten aufrufen oder vor gesundheitsschädigendem Verhalten warnen. Ein Dutzend fühlte sich von der Frage angestachelt: "Kampfeinsätze für Frauen - Spitze der Gleichberechtigung?". Vier wählten ein aktuelles Problem, das sie in Form eines Gedichtes, eines Flugblatts oder einem Brief niederschrieben. Jeweils zwei werteten eine Vorlage (Karikatur, Zitat, Bildgeschichte) aus dem politischen Bereich aus, entwarfen ein Konzept zum Thema "Entwicklungszusammenarbeit statt Entwicklungshilfe" und wählten ein freies politisches Thema. Eine Schülerin bezog Stellung zur Frage: "Würdest Du der Freiheit der Meinungsäußerung Grenzen setzen?" Die Umfrage "Mobbing unter SchülerInnen" war dagegen für niemanden ein Thema.

Über die regelmäßige Teilnahme der Überlinger am Schülerwettbewerb der Landtags freute sich Landtagsabgeordneter Norbert Zeller (Mitte, rechts) mit Rektor Kurt Boch von der Jörg-Zürn-Gewerbeschule (rechts darüber) und Klassenlehrer Dr. Paul Baur (oben, Zweiter von rechts) hier mit einigen der Preisträger.
BILD: KEUTNER

Auch auf die jüngsten Gewalttaten an Schulen eingehend hob Zeller die Bedeutsamkeit von derartigen Wettbewerben, aber auch schulische Inhalte diesbezüglich heraus: "Wir brauchen eine neue Qualität der Auseinandersetzung." Gerade die Beschäftigung mit dem Thema Gewalt sei wichtig, die Frage, welchen Beitrag jeder Einzelne dagegen leisten könne.

Gelegenheit, sich mit diesem oder anderen politischen Themen zu beschäftigen bietet der 45. Wettbewerb, der im Juni ausgeschrieben wird. Dazu Zeller: "Ich hoffe, dass Sie das nicht als Last, sondern als Bereicherung empfinden. Wir brauchen politische Bildung des Bewusstseins, wollen deutlich machen, dass Politik jeden Einzelnen betrifft und dass Demokratie nichts Selbstverständliches ist. Unsere 
Eltern und Großeltern haben dafür gekämpft." Demokratie müsse täglich neu eingefordert werden und die junge Generation trage Verantwortung für deren Fortentwicklung.

 
 
 

Christiane Keutner, Südkurier Überlingen, 13.05.2002

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