> Pressespiegel > Bericht: SCHWÄBISCHE ZEITUNG, 12. Dezember 2002
   

Müll sammeln, Putz abklopfen, Haus abreißen

Überlinger Schüler helfen in Bad Schandau

ÜBERLINGEN (sz) - Vor rund 100 Tagen war der Kurort Bad Schandau an der Elbe bis zu 3,90 Meter überflutet. Die Folgen des Hochwassers sind immer noch sichtbar. Vom 24. bis 29. November war die elfte Klasse des Technischen Gymnasiums Überlingen in der Partnerstadt um den Betroffenen zu helfen. Ewgeni Bayer berichtet von der Reise.

Mit dem Zug macht sich die elfte Klasse des Technischen Gymnasiums auf den Weg in die Partnerstadt Bad Schandau. Dort wird jede helfende Arbeitskraft gebraucht. Die Aktion der Überlinger Schüler wird unterstützt durch eine Spende des Altersheims St. Augustinum und das Angebot der Jugendherberge in Bad Schandau, die kostenlose Übernachtung anbietet.

Zehn Stunden dauert die Fahrt. Die Gegend nahe den Großstädten wie Erfurt oder Dresden wirkt auf die Schüler beeindruckend. Ungewohnt erscheinen die menschenleeren Landschaften abseits der Dörfer und Städte. Während der ICE leise durch die einsame und verlassene Gegend gleitet nimmt sich jeder Zeit, über das gemeinsame Vorhaben nachzudenken. Über die gewaltigen Ausmaße des Schadens durch die Flut sind sich alle im Klaren. Doch niemand ahnt, wie es nach der Hochwasserkatastrophe vor Ort aussieht. Und keiner weiß genau, welche Arbeit dort wartet.

Nach der Ankunft am Bahnhof trennt die Gruppe aus Überlingen die Elbe von der Innenstadt Bad Schandaus. Unglaublich, dass der acht Meter höher gelegene Bahnhof von dem jetzt scheinbar ungefährlichen Fluss damals auch überflutet wurde. Die letzte Fähre bringt die Überlinger trotz starker Strömung bei Abenddämmerung auf die andere Seite. Bei einem kurzen Spaziergang durch die Innenstadt fallen umgebogene Straßenlaternen und leere, verschmutzte Schaufenster auf. An Schmutzrändern auf den Wänden und an den Fenstern ist der Höchststand des Hochwassers noch sichtbar. Es hat gewaltige Schäden hinterlassen.

Am nächsten Morgen teilt ein Abteilungsleiter, der die Reparaturarbeiten koordiniert, die Klasse 

Chaos: Als im August die Elbe über die Ufer tritt, wird aus dem Kurort Bad Schandau ein Krisengebiet
SZ-Foto: Archiv

in verschiedene Arbeitsgruppen ein. Die Stadt gleicht einer riesigen Baustelle, unüberhörbar ist der ständige Lärm von Bohrmaschinen. Fast vor jedem Haus stehen Container, in denen der Schlamm und Dreck aus den Häusern entsorgt wird. In den wenigen Straßen, die nicht vom Hochwasser betroffen waren, sind notdürftig Läden eingerichtet worden. Vielen Einwohnern sieht man den Kummer und die Verzweiflung an - manche haben alles verloren und müssen ganz neu anfangen. Trotz all dem wird die Helfergruppe vom Bodensee von den Bewohnern immer wieder herzlich begrüßt.

Die Schüler sammeln am Flussufer angeschwemmten Müll, klopfen Putz von feuchten Wänden, fällen abgestorbene Bäume, beseitigen Schäden an Fahrradwegen und helfen bei Reparaturarbeiten an einer Halle, in der Spendengüter gesammelt werden. Sie reißen sogar ein Haus ab. Bestaunt von vorbeigehenden Einwohnern und in der Nähe arbeitenden Handwerkern legt sich die elfte Klasse mächtig ins Zeug. Die Gruppe lässt sich auch von Blasen an den Händen und Muskelkater nicht von der anstrengenden körperlichen Arbeit abbringen.

Der Bürgermeister von Bad Schandau dankt den Schülern und ihren Lehrern mit einem kräftigen Händedruck für ihr Engagement. Mit dem Gefühl, mit der Partnerstadt etwas mehr als sonst verbunden zu sein, treten die Überlinger die Heimreise an.

 
 
 

Ewgeni Bayer, TG11, Schwäbische Zeitung Überlingen, 12.12.2002

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