> Pressespiegel > Bericht: Schwäbische Zeitung, 12. Februar 2003
   

Kreatives Chaos mit Pinsel und Puder

Maskenbildner zu Besuch in der Jörg-Zürn-Gewerbeschule

ÜBERLINGEN - Die Maskenbildnerinnen Andrea Grupp und Verena Schirmer sind extra aus Konstanz angereist. Gestern Vormittag haben sie den Frisörlehrlingen in der Jörg-Zürn-Gewerbeschule in Überlingen von ihrem Beruf erzählt.

Kreatives Chaos herrscht im Raum 313 der Gewerbeschule in Überlingen. Rund 30 Schüler von Gewerbeschulen aus Überlingen und Friedrichshafen wuseln um Make-up-Töpfe, Kajalstifte, Lidschatten und Puder herum. Die Gruppe ist fast durchgängig weiblich - nur ein Junge ist unter den Frisörlehrlingen. Endlich dürfen sie selbst Hand anlegen und sich gegenseitig schminken. Zuvor haben sie sich noch Tipps von den beiden Profis Andrea Grupp und Verena Schirmer geholt. Die beiden jungen Frauen informierten auch über das Berufsbild, die Voraussetzungen, das Gehalt und die Berufschancen von Maskenbildnern. Ein praktisches Beispiel ihrer Arbeit liefern sie, indem sie eine Glatze schminken.

Für die Frisörlehrlinge im zweiten und dritten Lehrjahr ist die Ausbildung zum Maskenbildner nur eine Möglichkeit der Fortbildung, aber für einige der jungen Frauen war es der Grund, die Friseurlehre überhaupt erst zu beginnen. Erst seit vergangenen August ist die dreijährige Ausbildung zum Maskenbildner staatlich anerkannt. Ausbildungsbetriebe können Theater, Film- und Fernsehproduktionen, Festspielhäuser, Ausstattungsbetriebe und Freizeitparks sein.

Für Andrea Grupp und Verena Schirmer jedenfalls ist es der Traumberuf schlechthin. Beide arbeiten seit etwa zwei Jahren am Konstanzer Stadttheater. "Die Arbeitszeiten sind gewöhnungsbedürftig, aber es ist mein Traumberuf", sagt Andrea Grupp. Und was ist daran so traumhaft? Verena Schirmer weiß sofort eine Antwort: "Dieser Beruf ist so vielfältig. Ich selbst arbeite am liebsten im Gipsraum und modelliere Masken. Aber auch das Anfertigen von Perücken, Gestalten von Frisuren und Schminken gehören dazu." Die Arbeit am Theater macht beiden Spaß. Verena Schirmer könnte sich auch vorstellen, für eine Filmproduktion zu arbeiten, aber Fernsehen wäre 

Ran ans Make-up: In Überlingen probieren sich Frisörlehrlinge als Maskenbildner.
BILD: Susanne Zamecki

ihr zu langweilig: "Ich möchte dort arbeiten, wo man Spannenderes machen muss, als nur die Nase pudern."

Aber nicht alle im Raum 313 sind so begeistert von diesem Beruf. Die Auszubildende Jessica Keller möchte lieber Visagistin werden. Als Maskenbildnerin zu arbeiten, das wäre ihr "zu viel Stress". Auch Iris Tully, eine ehemalige Schülerin der Gewerbeschule, hat es sich anders überlegt. Sie wollte nach dem Abitur Maskenbildnerin werden, doch jetzt studiert sie Kosmetologie. Später möchte sie entweder als Berufsschullehrerin oder in der freien Wirtschaft bei Kosmetik-Unternehmen in der Produktentwicklung und Forschung arbeiten.

So konkret sind die Vorstellungen der Lehrlinge noch nicht, aber vielleicht hat diese Informationsveranstaltung eine Entscheidungshilfe geboten.

 
 
 

Susanne Zamecki, Schwäbische Zeitung, 12.02.2003

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