> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 22. November 2002
   

Polen als Partner

Gewerbeschule plant Schüleraustausch mit Tschenstochau

Überlingen/Tschenstochau (hpw) Eine Partnerschaft zu einer Berufsschule in Tschenstochau will die Jörg-Zürn- Gewerbeschule im Verlauf dieses Jahres noch aufbauen. Den ersten Schritt tat jetzt eine Delegation aus Überlingen in Polen und unterzeichnete eine Vereinbarung. Nach einem Gegenbesuch im Februar soll bald mit einem Schüleraustausch begonnen werden.

"Die Schule hat eine ähnliche Struktur wie wir", sagt Schulleiter Kurt Boch, der mit den beiden Pädagogen Oswald Burger und Hermann Löchner zum ersten Treffen nach Tschenstochau gefahren war und einen Vertrag über die künftige Zusammenarbeit unterschrieb. Die Ausbildungsgänge an der Mechanisch-elektrischen Schule, die nach dem Revolutionär Kasimir Palaski benannt ist, ähneln denen in Überlingen. Umwelttechnik ist einer der Schwerpunkte, doch wird auch noch Militärtechnik unterrichtet, Allerdings ist die Schule mit insgesamt 1600 Schülern etwa doppelt so groß wie die Jörg-Zürn- Gewerbeschule.

Tschenstochau ist zwar vor allem bekannt als Pilgerstätte und Wallfahrtsort, doch mit rund 200 000 Einwohnern ist es auch eine wichtige Industriestadt rund 60 Kilometer von Krakau entfernt. Schon einmal hatte die Jörg-Zürn-Gewerbeschule den Versuch zu einer Partnerschaft mit einer Schule im ehemaligen Danzig gestartet, doch hier schliefen die Kontakte bald ein. Mehr verspricht sie sich von dem jetzigen Anlauf, zumal der Landkreis schon seit einigen Jahren verschiedene Beziehungen nach Tschenstochau pflegt. "Und es passt natürlich gut zu unserer Rolle als UNESCO-Schule", betont Oswald Burger.

Beeindruckt war die Gruppe aus Überlingen nicht nur von der nahezu überschwänglichen Gastfreundschaft, mit der sie in der polnischen Schule empfangen wurden. "Da müssen wir uns bei einem Gegenbesuch mächtig anstrengen", erklärt Kurt Boch. Auch die Bedeutung, die in Tschenstochau der Begegnung beigemessen wurde, überraschte die Vertreter der Jörg-Zürn-Gewerbeschule. Zu einer gemeinsamen Konferenz war die Sporthalle in einen Festsaal verwandelt und mit Flagge geschmückt worden, die Schüler erschienen mit Anzug und Krawatte sowie in Kostümen - und sie begrüßten die Gäste vom Bodensee mit einem freundlichen "Guten Morgen! Herzlich Willkommen!"

"Die Schule hat eine ähnliche Struktur wie wir."

Gewerbeschul-Rektor Kurt Boch

BILD: WALTER

Deutsch ist vor allem in der Oberstufe für viele Lernfach, doch drei Deutschlehrerinnen sorgten als Dolmetscherinnen dafür, dass die Kommunikation ganz ohne Barrieren verlief "Die Lehrer sind hier von 7 bis 20 Uhr an der Schule", schildert Oswald Burger die Arbeitsbedingungen der Pädagogen in Tschenstochau. Nach dem Unterricht bieten sich noch andere Weiterbildungsveranstaltungen an, denn ohne Nebenjobs könnten sie angesichts des geringen Verdienstes nicht existieren.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist ebenfalls schwierig, auch wenn es erfolgreiche Unternehmen gibt, die mit Deutschland gut kooperieren. So ist es auch nicht erstaunlich, dass Burger bei Schülern und Lehrer "die Hoffnung auf Arbeitsperspektiven« in Deutschland spürte. Trotz der enormen Schülerzahl sind die Klassen an der Schule mit einer durchschnittlichen Stärke von 25 kleiner als viele hier.

Der Gegenbesuch einer Schuldelegation ist für den kommenden Februar ins Auge gefasst worden. Dann soll noch im Verlauf dieses Schuljahres auch der erste Schüleraustausch zustande kommen. Zunächst, so die Vorstellungen von Schulleiter Boch, könnte eine Gruppe aus Überlingen für eine Woche nach Polen fahren, um dann die dortigen Partnerschüler gleich mit an ' den Bodensee zu bringen. Dabei denkt Boch in erster Linie an Elftklässler des Technischen Gymnasiums, da die polnischen Oberstufenschüler am ehesten Deutsch können. Mit finanzieller Unterstützung des Austausches rechnet der Schulleiter durch das polnisch-deutsche Jjugendwerk. Dennoch erwartet er keinen großen Run seiner Schüler. Boch: "Ich denke, da werden wir noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen."

 
 
 

Hanspeter Walter, Südkurier Überlingen, 22.11.2002

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