> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 19. Februar 2003
   

Schülerwohnheim ein Schildbürgerstreich?

Planer entwickelt Projekt auf Wunsch der Verwaltung - Doch Bauausschuss skeptisch in Bezug auf den Standort

Überlingen (hpw) Wenig Aussicht auf Erfolg scheinen die aktuellen Pläne für ein Schülerwohnheim zu haben - zumindest an dem vorgeschlagenen Standort zwischen Gymnasium und Obertorstraße. Eine entsprechende Bauanfrage vertagte der Bauausschuss des Gemeinderates jetzt.

Architekt Peter Burkhardt rieb sich auf den Zuhörerplätzen verwundert die Augen. "Was soll denn das?", fragte er sich leise, als im Ausschuss eine breite Ablehnungsfront gegen den von ihm vorgelegten Entwurf deutlich wurde. Dem Überlinger Planer erschien dies geradezu als "Schildbürgerstreich". Die Verwaltung habe sein Büro doch gebeten, ein Projekt und ein Konzept für eine Lösung auf diesen spitälischen Grundstücken zu entwickeln und sich um Investoren zu bemühen.

Die Zurückhaltung des Ausschusses war schon bei der Besichtigung des Erweiterungsbaus am Gymnasium deutlich geworden, von dem aus der Blick nach Südwesten just auf das Gelände fällt, das mit einem Wohnheim bebaut werden könnte. "Nie und nimmer" hatte Stadtrat Michael Jeckel (CDU) das Vorhaben kommentiert, und auch Lothar Fritz zeigte sich skeptisch.

Sie ist von der Stadt und den weiterführenden beruflichen Schulen als Ersatz für das Gebäude auf dem "Kronauer"-Gelände gedacht, das noch in diesem Jahr der neuen Sporthalle des Bodenseekreises zum Opfer fallen wird (siehe Bericht oben). "Das Thema brennt uns unter den Nägeln", erklärte Bürgermeister Ulrich Lutz nach der Vorstellung des Projektes im Ausschuss: "Die Stadt möchte hier gerne ein Angebot machen." Dies 

sei für die beruflichen Schulen sehr wichtig, zumal diese über einige besondere Ausbildungsgänge verfügten, die auch von Schülern aus größeren Entfernungen genutzt würden. Dies trifft unter anderem für das Berufskolleg für Biologisch-Technische Assistenten (BTA) an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule zu. Dessen Schüler tun sich seit Jahren schwer, zu erschwinglichen Preisen die nötige Unterkunft zu finden.

Nach dem Konzept des Architekten könnte das Schülerwohnheim in zweiter Reihe an der Obertorstraße entstehen, wo die Stadt die entsprechenden Grundstücke zur Verfügung stellen würde. In zwei Bauabschnitten sieht das Projekt zwei schmale dreigeschossige Gebäude mit 48 und 21 Zimmern vor. Während der Schulferien könnten die Zimmer als Ferienwohnungen genutzt werden.

Auch wenn es sich derzeit um ein städtisches bzw. spitälisches Gelände handle, sprach sich Stadtrat Michael Jeckel vehement gegen diesen Standort und eine "Ausmostung" der Flächen aus. Es gebe keine vertretbare Lösung an dieser Stelle. Auch Winfried Ritsch (FWV) wehrte sich dagegen, "mit aller Gewalt" dieses Grundstück zu nutzen und sprach sich wie Jeckel für die Suche nach einem anderen Standort aus. Dagegen gibt es für Stadtrat Werner Rummel (SPD) grundsätzlich "keinen idealeren Platz als direkt bei den Schulen". Daher plädierte er dafür, zuerst eine Ausstangung vorzunehmen und dann die Standortdiskussion zu führen. Doch sprach sich der Ausschuss schließlich dafür aus, zunächst die Grundstücksverhandlungen abzuwarten und das Thema dann zu beraten.

 
 
 

Hanspeter Walter, Südkurier Überlingen, 19.02.2003

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