> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 11. März 2003
 

Ausschuss bleibt bei seiner Ablehnung

Kein Schülerwohnheim an der Obertorstraße - Knappe Mehrheit votiert aus städtebaulichen Gründen dagegen

Überlingen - Mit einer knappen Mehrheit von 3:2 Stimmen lehnte der Bauausschuss die Pläne zum Bau eines Schülerwohnheimes zwischen Gymnasium und Obertorstraße aus städtebaulichen Gründen ab. Stattdessen soll nun intensiv nach einem anderen Standort - möglichst in der Nähe des Schulzentrums - gesucht werden.

Vor allem die Jörg-Zürn-Gewerbeschule hatte im zweiten Anlauf auf ein positives Votum für zwei schlanke dreigeschossige Gebäude gehofft, die in zwei Bauabschnitten hätten erstellt werden sollen. Zumal gerade sie für die Kollegiaten des Berufskollegs für Biologisch- Technische Assistenten und die Auszubildenden der Glaser- und Fensterbauer- innung dringenden Bedarf sieht (der SÜDKURIER berichtete).

Stadtrat Erich Ruh (LBU), der sich als Pädagoge an der Schule und in Zusammenarbeit mit deren Förderverein um eine Lösung bemüht hatte, versuchte noch einmal, die Kollegen im Bauausschuss des Gemeinderates von der Dringlichkeit des Anliegens zu überzeugen. "Eine glückselige Tatsache" nannte es Ruh, dass man für den Standort im rückwärtigen Bereich der Obertorstraße einen Planer, einen Investor und einen Betreiber des Wohnheimes an der Hand hätte. Nach diesem Konzept wären zunächst 48 und später im zweiten Bauabschnitt 21 weitere Zimmer möglich gewesen, die in der Ferienzeit auch als Wohnungen für Urlauber hätten vermietet werden sollen. Derzeit verfügt die Schule nur über ein knappes Dutzend Zimmer in einem Altbau auf dem Kronauer- Gelände, der allerdings noch in diesem Sommer abgerissen und der Sporthalle des Landkreises weichen muss. Schon jetzt hatten Schüler und Auszubildende aus größerer Entfernung Mühe, ein erschwingliches Privatzimmer oder eine Unterkunft in der Jugendherberge zu finden.

Die Bedenken von Anwohnern versuchte Erich Ruh mit dem Hinweis zu zerstreuen, dass es sich bei den Schülern überwiegend um junge Frauen mit Abitur handle und nur ein geringer Prozentsatz über ein Auto verfüge. "Die Stadt kann sich nicht länger davor drücken, intensiver nach einer Lösung zu suchen", kritisierte er die Zurückhaltung der Verwaltung. Bei weiterer Ablehnung des Standorts plädierte Ruh dafür, im Gemeinderat schnellstens eine Alternative zu suchen und verwies auf einen Teil der städtischen Altbauten an der Rauensteinstraße, die zuvor schon einmal im Gespräch gewesen waren.

Nur über ein knappes Dutzend Zimmer verfügt die Jörg-Zürn-Gewerbeschule derzeit in diesem Altbau auf dem Kronauer-Gelände, der schon in diesem Sommer der Sporthalle des Landkreises weichen muss. Noch nicht in Sicht ist eine Alternative nach der Ablehnung des Konzeptes zwischen Obertorstraße und Gymnasium, für das schon Investoren und Betreiber an der Hand gewesen wären.
Bild: Walter

"Es liegt am Bauausschuss und damit an uns, ob wir diesen Standort für möglich, sinnvoll und richtig halten", erklärte allerdings Oberbürgermeister Volkmar Weber und drängte auf eine Entscheidung über die vorliegende Anfrage. Dann könne man im Gemeinderat immer noch über Alternativen diskutieren. Weber stellte allerdings auch klar, dass er selbst die vorgeschlagene Lösung aus städtebaulicher Sich für bedenklich halte. "Wenn wir entscheiden müssen, dann bin ich dagegen", erklärte Stadtrat Winfried Ritsch (FWV). Die geplanten Gebäude seien an dem strittigen Standort "reingequetscht und nicht in Ordnung." Allerdings müsse die Stadt bei einem Nein schnellstens Alternativen finden. "Wir dürfen es nicht darauf ankommen lassen, dass wieder eine Klasse abgezogen wird", betonte Ritsch.

Auch Michael Jeckel (CDU) votierte dagegen und war sich sicher, dass "in kürzester Zeit zwei, drei Alternativen zu finden seien". Dass man schon lange auf der Suche sei, heiße nicht, dass man "intensiv gesucht" habe. Vergeblich forderte Erich Ruh daraufhin einen Zeitplan für das weitere Vorgehen, um sich nicht von einer Sitzung zur nächsten zu hangeln und appellierte an die Stadt, angesichts der "begnadeten Situation", Investor und Betreiber zu haben, der Schule schnell ein Grundstück zur Verfügung zu stellen. Den Vorwurf Ruhs, dass die Stadt bisher nicht wirklich "Hilfe geleistet" habe, wollte OB Weber nicht akzeptieren. "Wir nehmen das durchaus ernst", erklärte er, doch sei es "kein einseitiges Problem der Stadt". Er werde heute in dieser Sache mit Landrat Tann sprechen, betonte der OB, der auch den Landkreis als Schulträger in der Pflicht sah.

 
 
 

Hanspeter Walter, Südkurier Überlingen, 11.03.03

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