> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 30. März 2004
 

"Ausbildung macht jede Menge Spaß"

Aktuelle Umfrage: Wie die Schülerinnen und Schüler der Überlinger Jörg-Zürn-Schule zu ihrem Beruf kamen

Überlingen - "Soll ich nach der Schule studieren oder eine Ausbildung machen und wenn ja, in welchem Bereich?" Die meisten Jugendlichen stellen sich diese Frage, weil sie nicht wissen, in welchem Beruf sie ihre Fähigkeiten am besten einsetzen können. Zum anderen entstehen oft neue Ausbildungswege, die zwar spannend klingen, über die aber noch kaum jemand informiert ist.

Die Palette ist groß, fast unüberschaubar. Entsprechend vielfältig sind die Möglichkeiten, sich über seine Zukunft ein Bild zu machen, wie unsere Umfrage unter Schülerinnen und Schülern beziehungsweise Auszubildenden der Überlinger Jörg-Zürn-Gewerbeschule ergab.

Den klassischen Weg wählte Helen Baur, 20 Jahre, aus Reutlingen. Sie wollte eigentlich nach dem Abitur Biologie in Tübingen studieren. Während sie das Auswahlverfahren abwarten musste, ging sie zum Arbeitsamt, um sich über Alternativen zu informieren. Dort erfuhr sie von der Ausbildung zur Biologisch-Technischen Assistentin (BTA) in Überlingen. "Ich hatte noch keine genaue Vorstellung von meiner Zukunft. Mir war nur klar, dass ich mich mit Biologie beschäftigen möchte", sagt Helen. Im Internet und im Berufsinformationszentrum (BIZ) erfuhr sie, dass man im Moment gute Chancen in diesem Bereich habe.

Nachdem klar war, dass der Numerus clausus für sie zu hoch ist, folgte Helen dem Rat seitens des Arbeitsamtes und zog von Reutlingen nach Überlingen um. Erst vier Wochen nach Beginn des Ausbildungsjahrs kam sie in ihre Klasse in der Jörg-Zürn-Gewerbeschule. "Überlingen und der See gefallen mir sehr gut. Auch die Lehre macht Spaß, und ich will sie auf jeden Fall zu Ende machen", sagt Helen.

Einen ähnlichen Weg wählte Daniel Kubat, 17, aus Ofterdingen bei Tübingen. Wie Helen ist er im ersten Ausbildungsjahr und möchte den Titel BTA erlangen. Durch die Berufsorientierung an Realschulen (BORS) machte Daniel ein Praktikum in einem kleinen Betrieb. "Dort wurden Schriftzüge auf T-Shirts gedruckt und Werbesprüche für Fensterscheiben angefertigt", erzählt der Schüler. "Es war lustig dort, aber nicht mein Ding. Eigentlich wollte ich Binnenschiffer oder Schreiner werden, aber Bio ist eine interessantere Richtung", stellt er fest. Daniel hat alle Möglichkeiten genutzt, um sich zu informieren. "Ich habe Broschüren gewälzt, meine Mutter gefragt und ein Video über die Ausbildung zum BTA gesehen."

Während der zweijährigen Ausbildung holt er nebenbei seine Fachhochschulreife nach. "Für Realschüler ist das sehr schwer, aber mit dem Titel habe ich später bessere Chancen", weiß Daniel.

Halka Scholz, 25, fand Ihren Weg zur Ausbildung zur BT-Assistentin an der Überlinger Schule übers Internet.
Bild: Kirsten Schlüter

Welchen Weg die Schüler auch gewählt haben, um sich für die Jörg-Zürn-Gewerbeschule zu entscheiden, sind sie sich in einem Punkt einig: die Ausbildung ist zwar anspruchsvoll, macht dafür aber jede Menge Spaß.

Nicht viel vom Arbeitsamt und seinen Informationsmethoden hält dagegen Halka Scholz, 25, aus Konstanz-Dingelsdorf. Nachdem sie ihr Biologie-Studium abgebrochen hat, suchte sie im Internet nach neuen Wegen und macht ebenfalls die Lehre zur BTA. "Ich wollte kein Gespräch mit einem Berufsberater, weil das nie viel gebracht hat. Meistens kommt man schlauer rein und dümmer raus. Die drängen einem dort etwas auf, das gut zum Arbeitsmarkt passt, aber nicht zu meinen spezifischen Fähigkeiten", meint Halka. Sie setzte daher auf Eigeninitiative. Im Internet fand sie die Kontaktadresse der Jörg-Zürn-Schule und ließ sich Unterlagen schicken.

Der fünfzehnjährige Tobias Stehle lernt in Überlingen Kfz-Mechatroniker. Für ihn war schnell klar, welche Richtung er einschlägt: "Ich arbeite gern praktisch und mit Autos. Erst habe ich dem Nachbarn geholfen, und jetzt habe ich in Herdwangen eine eigene Hobbywerkstatt." Einmal pro Woche arbeitet er in einem Überlinger Autohaus.

Julian Boppenmaier, 15, besuchte die Sommertalschule in Meersburg, bevor er nach Überlingen kam. Auch er wusste früh, was er will. "Ich habe schon immer gern mit Holz gewerkelt", sagt er und macht deshalb eine Ausbildung zum Schreiner. "Nach einem Praktikum, das von der Schule aus stattfand, wurde ich in dem Betrieb übernommen und arbeite jetzt einen Tag in der Woche dort. Wenn ich die Lehre mit der Note 3 abschließe, übernimmt mich der Betrieb hoffentlich ganz."

 
 
 

Kirsten Schlüter, Südkurier, 30.03.04

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