> Pressespiegel > Bericht: Schwäbische Zeitung, 12. Februar 2004
 

Aus jung mach´ alt - aus Haar mach´ Glatze

Maskenbildner in der Überlinger Jörg-Zürn-Gewerbeschule

Überlingen - Er braucht Haargel, Wasser und 45 Minuten Zeit. Dann verwandelt Chefmaskenbildner Markus Pannhausen von den Städtischen Bühnen Freiburg eine 21-Jährige mit rotem Haar in eine alte Frau mit Glatze. Geht nicht? Geht wohl. Der Beweis: Nicole Zacharias von der Überlinger Jörg-Zürn-Gewerbeschule.

Nicole zieht die Nase kraus. Ihr perfekt geföhnter Kurzhaarschnitt mit blonden Strähnen verwandelt sich innerhalb von wenigen Sekunden in eine unansehnliche Matte, die vor Haargel strotzt. "Also, einem Regisseur müsste ich raten, das nicht mit einer Person mit langen Haaren zu machen", sagt Markus Pannhausen.

Und wenn er das sagt, dann muss man es glauben. Seit 15 Jahren arbeitet Pannhausen als Maskenbildner. Zwar taucht als erstes eine Friseur-Lehre in Mönchen-Gladbach in seinem Lebenslauf auf. Aber dann folgen die Städtenamen Trier, Bochum und Erlangen. Gepaart mit dem Zusatz: "Bühne" oder "Theater". Dort hat er überall geschminkt, Perücken, Haarteile und Bärte gefertigt, Masken und Körperteile gebastelt. "Mir hat der Beruf immer Spaß gemacht", sagt Pannhausen rückblickend. Wenn es auch nicht immer alles so einfach war, in dem "vermeintlichen Traumberuf". 

Nicole drückt einen gelben Lappen gegen ihre Schläfe. Inzwischen hat sie eine Folie auf dem Kopf, mit blau-roter Schattierung. Weil die menschliche Haut genau solche Farbpigmente hat und schließlich später niemand sehen soll, dass die Glatze unecht ist. "Hey, Nicole, was ist, wenn du nachher nach Hause fährst?", ruft einer. Von den knapp 25 Friseur-Auszubildenden in Zimmer 313 der Jörg-Zürn-Gewerbeschule sind nur zwei männlich. Der Rest sind Frauen aus Überlingen 

Verwandelt: Nicole Zacharias... unter der Haube... und mit neuer Nase. SZ-Foto:kr

und Friedrichshafen, die alles, aber auch alles über den Beruf "Maskenbildner" erfahren wollen.

"Es ist eine Frauendomäne", bestätigt Markus Pannhausen. Obwohl "Maskenbildner" erst seit zwei Jahren anerkannter Ausbildungsberuf ist. Gestört hat ihn das nie, auch wenn er manchmal komisch angeschaut wird. "Zum Beispiel, wenn ich als Mann in der Drogerie stehe und verschiedene Lidschatten-Töne ausprobiere."

Bei Nicole geht´s jetzt um den Make-up-Ton. Die Plastikfolie sitzt, ist festgeklebt, mit Puder bestäubt und mit Fixierspray besprüht. Tut nicht weh, "aber spannt ein bisschen", findet Nicole, während Markus Pannhausen mit der Quaste weiter über ihren Kopf streicht. "Das Problem ist wirklich, den Übergang hinzukriegen." Aber so still wie die Pfullendorferin sitzt, dürfte das kein Problem sein. Sonst kann es hinter der Bühne schon mal "menscheln": "Man muss als Maskenbildner mit Menschen umgehen können, vor allem mit Schwierigen. Wir haben´s mit Künstlern zu tun." Weitere Nachteile des Jobs: unregelmäßige Dienste, Urlaub nur in Drehpausen. Dafür können Maskenbildner einen jungen Menschen auf alt trimmen. Siehe Nicole.

 
 
 

Kathrin Ruther, Schwäbische Zeitung Markdorf, 12.02.04

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