> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 24. November 2003
 

Schon beschämend herzlich

Überlinger Schüler erlebten in Tschenstochau unglaubliche polnische Gastfreundschaft

Tschenstochau - VON OSWALD BURGER - Einen Teil der Herbstferien verbrachten ein Schülerin und dreizehn Schüler der Jörg-Zürn- Gewerbeschule in der südpolnischen Stadt Tschenstochau. Sie wurden begleitet von ihren Lehrern Oswald Burger, Hermann Löchner und Holger Schäfer. Der Kontakt mit der Partnerschule "Zespól Szkól Mechaniczno- Elektrycznych im. Kazimierza Pulaskiego" in Czestochowa war vor einem Jahr geknüpft worden, er fügt sich ein in die Kontakte zwischen dem Bodenseekreis und dem Landkreis Tschenstochau.

"Ich schäme mich dafür, wie gastfreundlich wir hier aufgenommen werden." So kommentierte der Schüler Frieder Prüsse den festlichen Abschlussabend, den die polnischen Gastgeber ihren deutschen Gästen bereiteten. Das Ende einer in vielerlei Hinsicht bemerkenswerten Klassenfahrt.

Schon die einundzwanzigstündige Reise mit dem Linienbus von Überlingen nach Tschenstochau war ein Erlebnis; auf ihr wurde den Reisenden klar, wie viele Kontakte es jetzt schon zwischen den Ländern und Regionen gibt, die in wenigen Monaten in der EU zusammen gehören werden.

In Tschenstochau lernten die Überlinger Schüler und Lehrer eine Schule kennen, die ähnliche berufliche und allgemeine Qualifikationen vermittelt, von der gewerblichen Berufsschule bis zum Abitur mit technischem Profil. Nicht nur die Qualifikationen, die vermittelt werden, sind ähnlich, sondern auch die Ausstattung. Zwar fehlen eigene Werkstätten und es ist nicht alles luxuriös, aber solide und brauchbar, und für die Sporteinrichtungen, den Fitnessraum und die sozialen Einrichtungen beneiden die Überlinger ihre neuen polnischen Freunde.

Nachdem die Polen drei Wochen vorher zehn Tage in Überlingen gewesen waren, waren nun ihre deutschen Partner in den polnischen Familien zu Gast und erlebten eine unglaubliche Gastfreundschaft. Die Herzlichkeit, die materielle Versorgung und die Offenheit, die sie im Nachbarland erlebten, ist in Deutschland nicht mehr üblich.

Den Gästen wurde alles geboten, was in und um Tschenstochau sehenswert ist, besonders das religiöse Zentrum Polens auf dem Weißen Berg (Jasna Gora) um das Gnadenbild der Schwarzen Madonna, die alte polnische Hauptstadt Krakau, die Burgen, idyllischen Berge und Täler des polnischen Juragebirges und das unterirdische Salzbergwerk Wieliczka. Und die Schüler fuhren in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz und zum Gelände des Vernichtungslagers Birkenau.

Alle Ausflüge und Besichtigungen fanden zusammen mit den polnischen Partnern statt. Mehr und mehr stellte sich heraus, dass manche besser Deutsch verstanden als vermutet, das Englische war oft eine sprachliche Brücke. Die Deutschlehrerinnen der Partnerschule sorgten als Dolmetscherinnen für eine reibungslose Kommunikation. Die Überlinger Lehrer hatten einen regen Gedankenaustausch mit ihren polnischen Kolleginnen Lena Pawlak, Agata Hermanson und Eva Stawia. Organisatorin des Austauschs war Marzena Sierawska.

Auch ein Besuch in Auschwitz sowie im Vernichtungslager Birkenau waren Teil der Reise.

Der Landrat der Kreises Tschenstochau, Ireneusz Skubis, empfing die Überlinger Gäste im Landratsamt, sein Stellvertreter Stanislaw Kucia organisierte eine Landpartie in ein Schlossareal und auf einen Pferdehof.

Am Abschiedsabend führten polnische Schüler Passagen aus dem Theaterstück "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt in deutscher Sprache auf, andere präsentierten Sketches auf Deutsch und Englisch, es gab Gedichtrezitationen, Tanzvorführungen und den Auftritt eines Männerchors, in dem Väter der Schüler mitwirken. Dass ein gutes Essen nicht fehlen durfte, ist in Polen selbstverständlich.

Der Kontakt soll weitergehen, die gewerblichen Berufsschulen in Überlingen und Tschenstochau wollen Partner bleiben und vielleicht auch auf der Ebene der UNESCO zusammen arbeiten.

Beim Abschied auf dem Busbahnhof in Tschenstochau versprach sich ein Kreis junger Menschen, sich wiedersehen zu wollen, und in manchen polnischen und deutschen Augen sah man feuchte Tränen blitzen.

Eine Schülerin und 13 Schüler verbrachten einen Teil ihrer Herbstferien gemeinsam mit Lehrern im polnischen Tschenstochau
 
 
 

Oswald Burger, Südkurier Überligen, 24.11.03

nach oben