> Pressespiegel > Bericht: Südkurier, 08. Oktober 2003
 

Spurensuche mit Kopf und Fuß

Geschichtsunterricht am technischen Gymnasium: Wettbewerbspreis und Alpenüberquerung

Überlingen - Geschichtsunterricht kann so langweilig sein. Aber wenn er die Geschichte der eigenen Stadt unter die Lupe nimmt und Unbekanntes ans Tageslicht bringt, dann kann er richtig spannend sein und Spaß machen. Besonders, wenn nebenbei eine Klassenfahrt und ein bisschen Taschengeld heraus springen.

Darüber sind sich die 30 Jungen und die "Quotenfrau" Tamara Kleinhans aus der Klasse 12 des technischen Gymnasiums der Jörg-Zürn-Gewerbeschule einig. Sie haben am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten und der Körber-Stiftung teilgenommen und unter 1902 eingereichten Beiträgen einen Förderpreis über 50 Euro gewonnen. Ihr Geschichtslehrer Oswald Burger hatte der Klasse im vergangenen Winter die Bewerbungsunterlagen zum Thema "Weggehen - Ankommen. Migration in der Geschichte" mitgebracht. "Er hat uns begeistert", sagt Tobias Harras über die Motivation, am Wettbewerb teilzunehmen. Außerdem hat die Projektarbeit eine Klassenarbeit ersetzt, grinsen die Schüler.

Geforscht und geschrieben haben sie in Kleingruppen zu Hause. In der Klasse haben sie sich über ihre Ergebnisse ausgetauscht. So entstand in sechs Wochen das 140 Seiten starke Buch "Zur Arbeit an den See". Die 21 Beiträge beschäftigen sich mit Menschen, die im Lauf der vergangenen drei Jahrhunderte ihre Heimat verließen, um am Bodensee zu arbeiten. Der Bogen spannt sich von den Schwabenkindern aus den Alpendörfern zu den KZ-Häftlingen unter den Nationalsozialisten und den Gastarbeitern des Wirtschaftswunders bis hin zu den russlanddeutschen Aussiedlern in der jüngsten Vergangenheit.

Alpenüberquerer und Wettbewerbspreisträger: Die Klasse 12 des technischen Gymnasiums gewann im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten einen Förderpreis.
Bild: Arend

Da finden sich Lebensläufe und Fotos, Zeitzeugen- Interviews und historische Gesamtdarstellungen. Egal, ob Quellenstudie oder das persönliche Gespräch mit dem Großvater: Geschichte bekommt ein Gesicht und hat sich direkt vor der Haustür abgespielt. Das ist die eine Erfahrung, die die Jugendlichen aus dem Projekt mitnehmen.

Die andere Erfahrung hat zu tun mit viel Schweiß, müden Füßen und einer außergewöhnlichen Klassenfahrt. Fünf Tage lang wanderten die 31 jungen Leute gemeinsam mit ihrem Lehrer Oswald Burger auf historischen Spuren vom schweizerischen Thusis über die Alpen an den Comer See. "Viele der Arbeiter, mit denen wir uns beschäftigt haben, kamen zu Fuß über die Alpen", so Frieder Prüsse, "deren Weg wollten wir mal nachverfolgen."

 
 
 

Isabelle Arend, Südkurier Überligen, 08.10.03

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