> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 16. März 2006
 

Makel wird zur Chance

Hilfe für Jugendliche: Sozialpädagogen und Lehrer kooperieren bei Berufsvorbereitungsjahr

Friedrichshafen/Überlingen (ks) Mit 16 von den Eltern rausgeworfen, als Teenager nach Deutschland gekommen, im Bundesgebiet schon x-mal umgezogen - der bisherige Lebensweg der Schüler im Berufsvorbereitungsjahr ist oft abenteuerlich. In Friedrichshafen und Überlingen erhalten diese Jugendlichen darum noch sozialpädagogische Unterstützung: Berufslotsen vom Christlichen Jugenddorfwerk Bodensee-Oberschwaben helfen an den Schulen mit und ermöglichen den Weg in den Beruf.

Das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) ist die Pflichtschule für all diejenigen unter 18, die ohne Ausbildung sind und auch keine weiterführende Schule besuchen. An der Jörg-Zürn-Gewerbeschule und der Justus-von-Liebig-Schule in Überlingen leistet Dominik Erdinger sozialpädagogische Arbeit. "Oft haben die Jugendlichen gar nicht die Möglichkeit, sich um ihre Zukunft bemühen ", erklärt er. "Wir müssen uns zum Beispiel darum kümmern, dass die Jugendlichen ein Dach über dem Kopf haben und dass für den Lebensunterhalt gesorgt ist." Die Schüler im Berufsvorbereitungsjahr bringen unterschiedlichste Hintergründe mit. Etwa 50 Prozent sind Migranten und haben Probleme mit der Sprache. Andere stammen aus schwierigen sozialen Verhältnissen, wieder andere sind lernschwach. Um diese Schwächen aufzufangen, arbeiten Lehrer und Sozialpädagogen eng zusammen.

In Friedrichshafen gibt es für die Berufslotsen dreieinhalb Stellen für elf BVJ-Klassen: vier Klassen an der Droste-Hülshoff-Schule, sieben an der Claude-Dornier-Schule. Sozialpädagogin Diana Scheer ist an der Droste-Hülshoff-Schule. "Wir versuchen, mit den Jugendlichen eine Berufswegeplanung zu entwickeln", erklärt sie. "Den Jugendlichen wurde meist neun Jahre lang erklärt, was sie nicht können", so Erdinger. "Wir

Damit der Weg in den Beruf möglich wird, stehen die Sozialpädagogen Diane Scheer und Dominik Erdinger Schülern im Berufsvorbereitungsjahr zur Seite.
Bild: Stengele

machen uns daran, ihre Stärken zu suchen. Zum  Beispiel kann Zweisprachigkeit, die zuvor als Makel gesehen wurde, bei der Berufswahl ein Vorteil sein."

Hubert Veit, Lehrer an der Droste-Hülshoff-Schule, unterstreicht die Chance des Berufsvorbereitungsjahrs: "Diese Jugendlichen sind übrig, die Gymnasiasten und Realschüler haben sich auf dem Lehrstellenmarkt schon bedient. Durch die Berufsvorbereitung mit sozialpädagogischer Betreuung erhalten die eine Chance, die bisher im Leben Pech hatten."

Das Konzept scheint zu funktionieren: Rund 60 Prozent der Jugendlichen werden in eine Ausbildung entlassen, sei sie nun schulischer oder beruflicher Art. Im Vergleich dazu liegt die landesweite Vermittlungsquote der Schüler im Berufsvorbereitungsjahr bei rund 19 Prozent.

 
 
 

Südkurier Überlingen, 16.03.06

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