> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 16. November 2005
 

Halbtags leer, weil zu teuer

Obwohl die Vereine dringend auf die neue Kreissporthalle angewiesen wären, meiden sie den prächtigen Bau

Kein Licht und eiskalt: Am Sonntag weigerten sich zwei angereiste Landesliga- Volleyballteams, in der Burgbergturnhalle gegen die Überlingerinnen anzutreten. Die prächtige nagelneue Kreissporthalle hingegen liegt in stiller Ruh'. Zwar würden die Vereine sie gerne nutzen, doch nicht für den Preis, der momentan zur Debatte steht.

Überlingen - Sie ist eine perfekte Sportstätte, die vom Kreis zwischen Gymnasium und Gewerbeschule gebaute Turnhalle. Festlich eingeweiht werden soll sie im Dezember. Ob das auch für die Überlinger Vereine ein Grund zum Feiern ist, steht in den Sternen. Obwohl der fertige Neubau von den Schulen seit Oktober genutzt wird, geht nach dem Unterricht das Licht aus und die Vereine drängeln sich lieber in den städtischen Hallen, in denen sie sich Training und Turniere leisten können. Das Rathaus berechnet dort pro Stunde 5,10 Euro. In der Kreissporthalle soll dieselbe Belegung 24,36 Euro kosten. "Das können wohl die meisten Vereine nur noch bezahlen, wenn sie ihre Beiträge deutlich erhöhen", sagt Patrick Schillinger.

Für Schillinger und die von ihm trainierten Volleyballdamen des Überlinger Turnvereins wurde das Hallenproblem vergangenen Sonntag am eigenen Leib spürbar. Als Gastgeber erwarteten die 2004 aufgestiegenen Mädchen ihre Ligakonkurrentinnen des USC Konstanz und der TG Schwenningen. Um die 40 Aktive und etwa 50 Zuschauer waren vormittags um 11 Uhr versammelt. In der ziemlich in die Jahre gekommenen Burgberghalle aber war es eiskalt und das Licht ließ sich auch nicht anschalten. Unter solchen nicht satzungsgemäßen Bedingungen wollten die Gastteams weder baggern noch pritschen. Sie reisten wieder ab.

"Eine Verkettung unglücklicher Umstände" nennt Peter Männer, der im städtischen Hauptamt für den Sport zuständige Mann, was da passiert ist. In seiner langen Zuständigkeit sei Vergleichbares noch nie vorgekommen. Normalerweise würden die von den Vereinen gemeldeten Termine an die Hausmeister weitergegeben, die dann die Heizung entsprechend einstellten. Männer nannte "Missverständnisse" und einen defekten Lüftermotor als Ursachen. "Dass Mannschaften abreisen, so was darf eigentlich nicht passieren."

Für die erfolgreichen TV Mädchen war das nur das "I-Tüpfelchen", wie es ihr Trainer ausdrückt. Ein Hallenproblem ist für sie auch, dass sie wohl das einzige Team ihrer Klasse sind, das nur einmal die Woche trainiert, weil sie keinen zweiten Termin bekommen. Der "Druck in der Hallenbelegung" insgesamt sei aber doch bereits durch die vergangenes Jahr eingeweihte Wiestorturnhalle nicht mehr so stark, sagt Männer. Dennoch hoffen viele Vereine wie die TV Volleyballerinnen, endlich die seit über sechs Wochen zur Verfügung stehende Kreisturnhalle benutzen zu können.

Die neue Kreissporthalle: Ein prächtiger Bau, der seit Anfang Oktober in Betrieb ist. Allerdings nur halbtags, denn nach Schulschluss wird es ruhig. Obwohl Überlingens Sportvereine mehr Platz bräuchten, meiden sie den Neubau wegen zu hoher Gebühren.
Bild: Baur

"Jeder Verein, der bezahlt", entgegnet Männer dem, "kann auch hinein, wir koordinieren die Termine". Die organisierten Sportler sehen das anders. Erst müsse endlich klar sein, was die Kreisturnhalle nun tatsächlich kosten soll. Zum derzeitigen Preis von 8,12 Euro pro Hallendrittel und Stunde, also 24,36 Euro, will sich bislang niemand einmieten.

So steht die neue Kreissporthalle nach Schulschluss ungenutzt da und bringt erst einmal keinen Cent ein. Das liegt daran, dass es allen eben ums Geld geht: Dem Kreis, der Stadt und den Vereinen.

Um die Vorsteuern abziehen zu können, bei dem Bau sind das immerhin 800000 Euro, muss das Landratsamt seine Halle als "Betrieb gewerblicher Art" ausweisen. Das klappt nur, wenn die Nutzer künftig die Gebühren direkt nach Friedrichshafen überweisen. "Es ist aber nicht steuerschädlich, wenn die Stadt einem Verein das in voller Höhe als Zuschuss zurück gibt." So verlautet aus dem Kreis-Liegenschaftsamt mit Verweis auf Markdorf, wo das dieserart geplant sei.

In Überlingen indes sei das angesichts der "knappen Kasse" ein Problem, sagt Männer. "Wir haben das Geld einfach nicht." Politisch unumstritten sei, dass die Jugendarbeit auch künftig frei ist. Eine volle Bezuschussung der Halle darüber hinaus käme aber auf gut 20000 Euro pro Jahr. So geht Männer davon aus: "Ja, da kommt wohl was auf die Vereine zu." Im Kulturausschuss soll das Thema am 30. November und im Gesamtgemeinderat am 7. Dezember beraten werden. Derzeit bereiten Männer und die Stadtverwaltung ihre Abstimmungsvorlagen vor. Wie viel Prozent der Hallengebühren sie darin als Zuschuss an die Vereine empfehlen? "Das muss auch im Rathaus erst noch diskutiert werden."

 
 
 

Martin Baur, Südkurier Überlingen, 16.11.05

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