> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 08. Dezember 2005
 

Schikane unter Schülern nicht selten

Todesfall sorgt für Diskussionen - Experte Erhard Holler: Mobbing unter Klassenkameraden oft zu beobachten

Mobbing ist an Überlinger Schulen kein Ausnahme-Phänomen. Ob sich aber eine Schülerin des Gymnasiums deshalb das Leben nahm, wird schwer oder nie zu klären sein.

Überlingen - Der Freitod der 17-Jährigen, der am Gymnasium mit den Schülerinnen und Schülern unter professioneller psychologischer Hilfe aufgearbeitet wird (wir berichteten gestern), sorgt für Unruhe. Gestern meldete sich die Mutter einer Klassenkameradin zu Wort, die bezweifelt, dass die Gründe für den Freitod des Mädchens im Klassenverband zu suchen seien. Das Mädchen habe sich augenscheinlich in der Schule nicht wohl gefühlt, ein "gewolltes Mobbing" könne man den Schülern aber wohl nicht unterstellen, glaubt die Frau.

Das Mobbing an Überlinger Schulen nichts Ungewöhnliches ist, bestätigt indes Erhard Holler. Holler ist Beratungslehrer an der Realschule und zusammen mit seinem Kollegen Hansjörg Straub von der Jörg-Zürn-Gewerbeschule Ansprechpartner der schulpsychologischen Beratungsstelle, die ihren Hauptsitz in Ravensburg hat. "Mobbing ist ein ernstes Problem in manchen Klassen", berichtet Holler. Das Schlimmste sei, dass das Opfer von 

seinem Peiniger oft in die Verschwiegenheit gedrängt werde - deshalb sei es schwer, Mobbing-Opfer zum Reden, zum Widerstand und damit zur Problemlösung zu bewegen. Eine besondere Rolle komme dabei jedem Lehrer zu, so Holler: "Bei Mobbing kommt es entscheidend darauf an, welche Rolle die Schule spielt: Leisten Lehrer vielleicht unbewusst der Schikane Vorschub, wenn sie Probleme innerhalb der Klasse nicht offen ansprechen, oder verschweigen sie solche Probleme sogar?" Das sei dann besonders schlimm, so Holler.

Schüler, die Rat bei Holler und seinem Kollegen suchen, berichten, dass ein Auslöser für Mobbing oft kleine Abweichungen von der angeblichen "Norm" sein können: "Wer etwa in der Pubertät körperlich nicht einem Ideal entspricht, zum Beispiel etwas dicklich ist, oder schüchtern oder tappsig erscheint, der kann rasch zum Mobbing-Opfer werden", so die Erfahrung des Experten. Das fange heute schon bei der Gruppe der Elfjährigen an.

Kontakt zur schulpsychologischen Beratungsstelle: Erhard Holler, Telefon 07551/972277, und Hansjörg Straub, Telefon 07551/809278

 
 
 

ROLAND BURGER, Südkurier Überlingen, 08.12.05

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