> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 28. Juni 2006
 

Zurück mit vielen Erfahrungen im Gepäck

Elftklässler des Technischen Gymnasiums Überlingen zu Besuch in Polen - Großes Ausflugsprogramm

Überlingen - Nicht nur ihr Reisegepäck, sondern auch viele Vorurteile nahmen die beiden elften Klassen des Technischen Gymnasiums mit nach Polen. Die Jörg-Zürn-Gewerbeschule Überlingen pflegt einen regen Austausch mit einer Gewerbeschule in der Industrie- und Wallfahrtsstadt Tschenstochau. Dieses Mal machten sich 46 Schüler, drei Schülerinnen und vier Lehrer auf den Weg in das Nachbarland, die meisten im Bus. Drei überwanden den Weg von Bayern bis Kleinpolen, über zwei Gebirgszüge und quer durch Tschechien, mit den Fahrrädern.

Bei der Überquerung der Görlitzer Neiße von Sachsen nach Schlesien traten die ersten Schwierigkeiten auf: Ein in Überlingen geborener Mitschüler hätte ein Visum gebraucht, weil er die türkische Staatsangehörigkeit besitzt. Aber die polnischen Grenzwächter fanden einen Weg, Yakup Hoshaber dennoch einreisen zu lassen.

Eine Klasse wohnte in einer Herberge am Stadtrand, die andere im Zentrum der Stadt Czestochowa. Die Schüler besuchten das Heiligtum mit der Ikone der Schwarzen Madonna auf Jasna Gora. Zwischen den vielen Pilgern führte eine energische 80-jährige Nonne die Überlinger Schüler. "Was, Ihr lest die Bibel nicht! Das solltet Ihr tun.", forderte sie die coolen technischen Gymnasiasten auf.

In der Partnerschule, der "mechanisch-elektrischen gewerblichen Berufsschule Kasimierz Pulaskiego", mussten die Überlinger Schüler heikle Fragen ihrer neuen polnischen Freunde beantworten. Am späten Nachmittag spielten die deutschen und die polnischen neuen Freunde Fußball gegeneinander. Die polnische Auswahl gewann 16:12 gegen die Überlinger. Danach trafen sich alle zum Essen von Pierogi, der polnischen Maultaschen. Kaum waren die Teller leer, begann das WM-Spiel Deutschland gegen Polen. Die Emotionen kamen nur gebremst zum Vorschein, beide Gruppen konnten auch die Leistungen der Gegner loben. Der späte Sieg der deutschen Nationalmannschaft führte nicht zu Siegestaumel, sondern zu besonnener Freude. Die Überlinger luden die Freunde in die eigene Herberge ein - und bezahlten ihnen die Rückfahrt nach Hause mit Taxis.

In Tarnowskie Gory (Tarnowitz) fuhren die Schüler mit Booten durch einen unterirdischen Stollen. Sie erfuhren im Bergbaumuseum viel über den Abbau

In einem Straßencafé tauschten sich die Überlinger Schüler über ihre Eindrücke in Polen aus und genossen den Rummel in der Stadt.
Bild: TG11

von edlen Metallen in den Bergwerken der Umgebung. In Krakau erlebten sie die alte Kulturstadt.

Nachdem die Überlinger TG-Schüler bereits in Tschenstochau und in Krakau auf den Spuren der beiden vorangegangene Päpste gegangen waren, besuchten sie auch das Konzentrationslager Auschwitz. Es ging ihnen wie Benedikt XVI., der zwei Wochen zuvor in Auschwitz mehrfach betont hatte: "Ich konnte unmöglich nicht hierher kommen." Der Besuch von Auschwitz machte sprachlos, war das intensivste Erlebnis der Reise. Am eindrucksvollsten waren die Zeugnisse von persönlichen Schicksalen.

Dass das polnische Essen anders schmeckt als das deutsche, aber die Big Macs genau gleich, dass trotz sprachlicher Hürden polnische Schüler äußerlich nicht von deutschen zu unterscheiden sind, dass sowohl polnische als auch deutsche Schüler sich der Kontrolle durch die Erwachsenen entziehen möchten, dass Dagmara mindestens so hübsch ist wie die Freundin zu Hause: Diese Erfahrungen ließen die Polenreise zu einem unvergeßlichen Erlebnis werden.

Dass die Polen gern schnell Auto fahren, wurde bei der Heimfahrt zur traurigen Gewissheit, als ein polnisches Auto den deutschen Bus rammte und die Schüler zwei Folgeunfälle beobachten. Alle anderen Vorurteile haben sich bis zur Heimfahrt in Luft aufgelöst.

 
 
 

Oswald Burger, Südkurier Überlingen, 28.06.06

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