> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 10. Mai 2006
 

Lauter schwarze Schränkchen

Projektpräsentation an der Jörg-Zürn-Schule - Jetzt geht's zur Gesellenprüfung

"Ein kleines, schwarzes Schränkchen muss Bestandteil der Arbeit sein." Die Vorgabe hatten die 21 Schreinerschüler des 3. Lehrjahrs an der Jörg-Zürn-Schule für die Erstellung ihres Projektmöbelstücks. Was jeder für sich daraus gemacht hat, ist erstaunlich, wie die Präsentation zeigte. Da gibt es eine Bar, ein Nachtschränkchen, einen beleuchteten Schrank, eine Garderobe und vieles mehr.

Überlingen - Die Vielfalt begeisterte den technischen Lehrer Karl-Friedrich Barth: "Seit Jahren geben wir den Schülern bei den Projektarbeiten vor, einen schwarzen Korpus zu verwenden. Und immer wieder kommt etwas Neues heraus. Es ist noch nie passiert, dass wir die gleiche Arbeit zwei Mal hatten." Die Erstellung der Projektmöbel dient als Vorbereitung auf die Gesellenprüfung, die sich den Präsentationen anschließt. "Die Anforderungen bei der Gesellenprüfung sind ähnlich wie die der Projektmöbelerstellung und wir wollen die Schüler gut vorbereitet wissen", erklärt Barth.

Das Interessante an den Präsentationen der Projektarbeiten ist, dass die Schüler ihren Kameraden und Lehrern berichten, mit welchen Problemen sie beim Erstellen des Möbelstücks zu kämpfen hatten und wie sie sie gelöst haben. Michael Rascher, der einen originellen Schrank gebaut hat, erzählt zum Beispiel, er habe am Anfang viel zu viele Materialien verwenden wollen. "Ich habe festgestellt, dass es darauf ankommt, sich selbst gut zu organisieren", resümiert der Schüler.

Ganz besonders gelungen ist sowohl das Möbelstück als auch die Präsentation von Sebastian Stehle. Stehle hatte sich dazu entschlossen, einen Bartisch zu bauen: Auf einer silbernen Platte, die Stehle aus Fensterrohren zusammengeschweißt hat, steht ein massiver Sockel aus Kirschbaum, der das schwarze Schränkchen stützt. Die Tischplatte ist orangefarben. Das Möbelstück begeistert nicht zuletzt wegen der Liebe zum Detail: Zum Beispiel wird die schlichte, schwarze Tür des Schränkchens

Paul Roggon zeigt sein Tisch-Regal.
Bild: Bast

von einem gedrechselten, runden Griff aus verschiedenen Hölzern geziert. Auch Stehles Vortrag ist beeindruckend. Der Schüler hat nämlich ein "kleines Buch" geschrieben, das er bei der Präsentation vorliest und in dem er den Entstehungsprozess des Bartisches, von der ersten Idee bis zum letzten Schliff, sehr persönlich beschreibt. "Es war gar nicht so einfach, optische Attraktivität und Funktionalität miteinander in Einklang zu bringen", liest Stehle aus seinem Buch.

Marco Szczesny hat einen Nachtschrank gebaut, dessen Besonderheit ein ausschwenkbarer Fachboden ist - ein Detail, das bei seinen Mitschülern auf große Begeisterung stößt. Sehr gelungen ist auch die Arbeit von Katharina Nägele, die den schwarzen Korpus in einen viel größeren Schrank aus Plexiglas eingesetzt hat. Das Plexiglas hat die Schülerin furniert, eine kleine Tür aus Schiefer eingesetzt und den Schrank von innen beleuchtet, so dass es nun so wirkt, als handle es sich um ganz transparentes Holz.

Die Projektarbeit wird von den Lehrern nach Arbeitsplanung und Materialliste, nach Entwurf und Gestaltung sowie nach der Funktion und der Passgenauigkeit von Tür und Schublade bewertet.

 
 
 

EVA-MARIA BAST, Südkurier Überlingen, 10.05.06

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