> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 08. Juli 2006
 

Schulparkplätze kosten 100 Euro

Stadt bittet Lehrer und Schüler zur Kasse - Keine Garantie auf einen Stellplatz

Ein Jahr nach dem Bodenseekreis wird auch die Stadt Überlingen Lehrer und Schüler für Parkplätze zur Kasse bitten. Ohne garantierten Platz, dafür mit 100 Euro pro Jahr deutlich günstiger als die Kollegen im Kreis werden sie ihr Auto mit Plakette bei den Schulen abstellen können, sofern ein Platz frei ist.

Überlingen - Berechtigungsscheine haben Gymnasium und Realschule bisher schon munter ausgestellt, allerdings gratis. Wer als Normalbürger einen der ausgewiesenen Parkplätze bei den Schulen nutzte, musste dagegen mit einem Knöllchen rechnen. Derzeit galt dies nur von 7 bis 13 Uhr, im Zuge des zunehmenden Ganztagsprogramms werden die Zeiten bis 18 Uhr ausgedehnt. Aus Sicht der Stadt war es zum einen ein Gebot der Gleichbehandlung, erklärte Oberbürgermeister Volkmar Weber bei der Beratung im Verwaltungs- und Finanzausschuss, zum anderen war es auch eine notwendige Reaktion auf die Bewirtschaftung der Parkplätze und der Tiefgarage unter der Sporthalle durch den Bodenseekreis. Wobei jene bislang kaum genutzt wird und zu zwei Dritteln leer steht. Wenn man die Bürger überall sonst für das Parken zur Kasse bitte und die Gebühren erhöht habe, sei dies bei den Schulen nur konsequent, erklärte OB Weber.

Ursprünglich wollte die Verwaltung nur garantierte Parkplätze vermieten, dafür allerdings 150 Euro pro Jahr verlangen. Die Schulen - betroffen sind vor allem Gymnasium und Realschule, bei der Wiestorschule gibt es nur eine Handvoll Plätze, plädierten jedoch gemeinsam dafür, weniger zu verlangen, auf eine Parkplatzgarantie zu verzichten und auf die Fluktuation zu vertrauen. Am Ende rechne sich dies für die Stadt sogar mehr.

Dabei hatten die Schulleiter sicher auch das Bild der benachbarten Parkplätze bei den Kreisschulen vor Augen. "Wenn ich jetzt aus dem Fenster schaue, ist der Parkplatz gegenüber halb leer", sagt Karl Hepp von der Realschule: "Da tut einem das Herz weh." Seine Schule verfügt an der Rauensteinstraße und an der Johann-Kraus-Straße über 35 Parkplätze. 50 Berechtigungsscheine sind dafür derzeit in Umlauf. Das funktioniere ganz gut.

Nicht so gut ist die Quote am Gymnasium. Hier hat Schulleiter Lothar Fritz 90 Plaketten an Lehrer und 

Schon jetzt ist es eng auf den Schulparkplätzen in Überlingen, wie hier an der Johann-Kraus- Straße. 100 Euro pro Jahr wird künftig allein die Option auf einen Parkplatz kosten. Bis 18 Uhr wird Nutzung dann auf Plaketten-Inhaber beschränkt werden.
Bild: Walter

50 an auswärtige Schüler ausgegeben. Bei nur 50 Parkplätzen an der Turnhalle und in der St.-Johann-Straße könnte das Gerangel schon unerquicklicher werden, wenn die Plakette künftig 100 Euro kostet. Erst ab 18 Uhr werden die Stellplätze bei den Schulen der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, kostenlos wie an den Parkautomaten, die abends nicht mehr zu bedienen sind.

Schon jetzt hat die Bewirtschaftung durch den Bodenseekreis einen noch stärkeren Druck auf die umliegenden Wohnstraßen ausgelöst. Wobei von mehr als 80 Tiefgaragenplätzen bislang gerade mal 25 vermietet sind, wie Kreiskämmerer Helmut Reitemann einräumt. Besser sei die Auslastung bei den billigeren Außenparkplätzen. Ins Rollen gebracht hatte die Problematik der Neubau der Sporthalle. Um den Verlust an Parkflächen zu kompensieren, hatte der Kreis auf Drängen von Stadt und Schulen die Tiefgarage erstellt und dafür eine Million Euro mehr investiert. Bei der Gesamtanlage ersparte er sich allein rund 700000 Euro an Vorsteuer, muss als Konsequenz jedoch Halle und Tiefgarage als Betrieb gewerblicher Art nutzen und vermieten. 25 Euro pro Monat plus Mehrwertsteuer war bislang nur wenigen Lehrern ein Parkplatz wert. Außerhalb zahlen Lehrer 15 Euro und Schüler 5 Euro, haben ihre Plätze sicher, dafür stehen meist viele leer.

Kommentar von HANSPETER WALTER SCHULPARKPLÄTZE
Domino- Effekt
 

Was ist fair? Nur auf wenigen Schulparkplätzen der Region werden Lehrer bislang zur Kasse gebeten. Doch in Überlingen hatte schon im vergangenen Herbst ein neues Zeitalter begonnen. "Frei parken" galt nicht mehr, seit der Bodenseekreis eine teure Tiefgarage erstellt hatte. Den Komfort muss sich der Kreis bezahlen lassen, als Konsequenz konnten auch die Parkplätze daneben nicht mehr gratis sein. Damit war der Verdrängungswettbewerb in Gang gesetzt, auf kostenlose Parkplätze und Wohnstraßen. Schon damals war absehbar, dass die unmittelbar benachbarten Schulen unter städtischer Trägerschaft nachziehen müssten. Besser wäre es gewesen, von Anfang an ein gemeinsames Konzept zu erproben, das Plausibilität zu vermitteln versucht hätte. Die finale Gerechtigkeit wird es jedoch nie geben, und Gleichmacherei wollen wir ja sowieso nicht mehr. Es gibt Beschäftigte der Innenstadt, die zahlen für Parkhaus oder Stellplatz weit mehr. Das Krankenhaus ist gegenüber seinen Mitarbeitern eher großzügig, die Mitarbeiter der Stadtwerke parken kostenlos. Nur von Abzocke zu reden, wäre zu einfach.

 

 
 
 

Hanspeter Walter, Südkurier Überlingen, 08.07.06

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