> Pressespiegel > Bericht: ZDF, Zur Sendung am 16. November 2005 in ZDF-Reporter
 

Jugend ohne Job

Eine "lost generation"?

Der Eckstein der Hartz IV-Reform ist das Prinzip des Forderns und Förderns. Einfach ausgedrückt heißt das: gesellschaftliche Unterstützung gegen Flexibilität. Die wird besonders bei jungen Menschen erwartet. Doch Ausbildungs- und Arbeitsplätze sind hart umkämpft. Verlierer sind dabei vor allem Jugendliche mit einfacher Schulbildung.

Die Lektionen von Hartz IV richten sich vor allem an "unbeschriebene Blätter", die Erwerbsfähigen zwischen 15 und 25 Jahren. Besonders von diesen "U 25" wird Mobilität und Anspruchlosigkeit bei Arbeitsniveau und Bezahlung erwartet. Konkret bedeutet es, dass sie härter sanktioniert werden als ältere Arbeitslose. Bei Pflichtverletzungen droht ihnen der sofortige Wegfall des ALG II für drei Monate. Lediglich Unterkunfts- und Heizungskosten werden direkt an den Vermieter überwiesen. Soviel zum Fordern. Mit dem Fördern ist es schwieriger.

Unzureichende Ausbildungsplätze
"Unter 25-Jährige sollen unverzüglich nach Antragstellung in Arbeit, Ausbildung oder Arbeitsgelegenheit vermittelt werden", heißt es wörtlich im Gesetz. Aus diesem Grund wurde bereits Mitte 2004 ein "Ausbildungspakt" zwischen Wirtschaft und Bundesregierung ausgehandelt. Tatsächlich stieg die Zahl der Lehrlingsverträge 2005 leicht an. Sie lag trotzdem um zehn Prozent niedriger als 1999. Das Resultat ist, dass fast 50.000 Ausbildungsplatzbewerber im Oktober bei der Bundesagentur für Arbeit als unvermittelt registriert sind.

Doch diese Zahl gibt nur einen unvollständigen Einblick in die Realität. Nicht mitgezählt sind Jugendliche, die in berufsvorbereitenden Maßnahmen "parken", einen Job übernommen haben, der keine Ausbildung fordert oder einfach die Hoffnung aufgegeben haben.

Das Problem fängt in der Schule an
Unternehmer wehren sich jedoch dagegen, dass die Politik ihnen die alleinige Schuld für mangelnde Lehrstellen zuschiebt. Seit Jahren beklagen sie die schlechte Schulbildung ihrer Bewerber. Laut einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages klagen 66 Prozent der Unternehmen über mangelndes mündliches und schriftliches Ausdrucksvermögen ihrer Azubis. 56 Prozent vermissen elementare Rechenkenntnisse.

Die letzten Pisa-Studien geben diesem Standpunkt recht. Eine Folge davon ist, dass heute manche Friseursalons schon Lehrlinge mit Abitur suchen. Bei diesem Druck von oben nach unten ziehen vor allem Jugendliche mit einfacher Schulausbildung den Kürzeren.

Skeptischer Blick in die Zukunft
Eine andere Umfrage - weitere erschreckende Ergebnisse. Durch eine Studie der Bertelsmann- Stiftung erfährt man, dass mehr als die Hälfte der 

Berufsschullehrer Straub geht mit einem Schüler die Hausaufgaben durch.
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Das Zeitbudget von Berufsschülern - Arbeit ist nur ein kleiner Teil.

deutschen Jugendlichen zwischen 14 und 20 skeptisch (42 Prozent) oder sogar pessimistisch (10 Prozent) in die berufliche Zukunft blickt.

Neue Unterklasse
Es entsteht so eine Unterklasse, die subjektiv keine Perspektiven kennt - was durch die Tatsache noch verschärft wird, dass sie auch objektiv gesehen keine hat. Hauptschüler müssen nicht nur damit rechnen, dass Arbeitsplätze beliebig verlagert werden, sondern auch von besser Ausgebildeten eingenommen werden.

Diese Jugendlichen, die den Berufseinstieg verpassen, drohen zu Langzeitarbeitslosen zu werden, die nie in die Sozialversicherungssysteme einzahlen können. Dabei werden, durch die demografische Entwicklung, bereits im Jahr 2015 in der Altersgruppe der 30- bis 45- Jährigen mehr als drei Millionen Facharbeiter auf dem deutschen Arbeitsmarkt fehlen.

Quelle: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/7/0,1872,2397191,00.html
 
 
 

ZDF, 16.11.05

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