> Pressespiegel > Bericht: ZDF, Zur Sendung am 16. November 2005 in ZDF-Reporter
 

Jung, ungelernt - dann arbeitslos?

Wie Hartz IV zur Lebensperspektive wird

Sie sind erst 16 Jahre alt oder gar jünger, doch der übliche Weg zu Ausbildung und Beruf ist schon fast verbaut. ZDF.reporter zeigt, wie Jugendliche schon im Teenager-Alter den Anschluss an den ersten Arbeitsmarkt verlieren.

Überlingen am Bodensee - ein Stück heile Welt. Baden-Württemberg, das wirtschaftlich starke Bundesland, zeigt sich von seiner idyllischen Seite: ländlich, wohlhabend ohne Anzeichen für all die Probleme, die Deutschland umtreibt. Ein erster Eindruck. Ein falscher - zumindest für 46 Schüler des Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) der Berufsschule.

Die Jugendlichen sind zwischen 16 und 18 Jahre alt. Ihren Hauptschulabschluss haben sie nicht geschafft oder er ist so schlecht, dass keine Chancen auf eine Lehrstelle bestehen. Das kommende Schuljahr ist schon fast so etwas wie ihre letzte Chance, um wieder Anschluss an das Bildungssystem und damit an den ersten Arbeitsmarkt zu finden. Die Lehrer müssen bei bloßen Selbstverständlichkeiten anfangen: Es gibt Hausaufgaben, man muss lernen, und Konflikte sind gewaltfrei zu lösen. Dinge, die jedem Zweitklässler vertraut sind.

Sich selbst überlassen
Doch die Schüler des BVJs haben dies nicht gelernt, trotz ihres Alters. Jahrelang wurden sie sich selbst überlassen, und mit jeder vergangenen Unterrichtswoche wurde ihr Rückstand auf ihre Altersgenossen größer, bis es nicht mehr aufzuholen war. Niemand hat es interessiert, ob sie in der Schule folgen können, was sie in ihrer Freizeit machen. Und welcher Schüler entwickelt von sich aus die Einsicht, dass Lernen der Schlüssel zur Zukunft ist, wenn es niemand im sozialen Umfeld vorlebt?

Genau gegen diese jahrelange Prägung kämpfen Berufsschullehrer Hansjörg Straub und der Sozialpädagoge Erdinger mit ihrem Unterricht. Die Bilanz sei ernüchternd, sagen beide, doch wenn es gelingt einen Jugendlichen wieder zu einer Zukunftschance, zu einer Lehrstelle zu vermitteln, dann habe sich die Arbeit bereits gelohnt.

Hoffnungslos
Ohne Illusion hingegen geht Personenschützer Bodo seiner Arbeit nach. Er führt ausgebrochene 

Christian absolviert ein Berufsgrundbildungsjahr.
Das Zeitbudget von Berufsschülern - Arbeit ist nur ein kleiner Teil.

Jugendliche wieder zurück ins geschlossene Erziehungsheim. Die Heimleitung hat den kräftigen Bodyguard engagiert, zu oft kam es in der Vergangenheit zu Randalen und Handgreiflichkeiten.

Diesmal holt er die 15-jährige Alexandra mit ihrer Freundin von einer Kölner Polizeiwache ab. Die beiden, noch Jahre von der Volljährigkeit entfernt, haben eine veritable Drogenkarriere hinter sich: von Gras bis Heroin. Schule, Ausbildung Zukunft - für die beiden Mädchen sind dies Synonyme für den nächsten Drogenkick. Deutschland ganz unten, schon im Teenager-Alter.

Personenschützer Bodo im Auto

 

Quelle: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/7/0,1872,2397191,00.html
 
 
 

ZDF, 16.11.05

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