> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 18. April 2007
 

Lernen und lachen im Klassenzimmer

Blick in den Unterricht an Überlinger Schulen

"Oh, guck dir mal mein e' an", ruft Jenny und zeigt auf das linierte Schreibpapier, wo zugegebenermaßen ein etwas verunglücktes kleines e' geschrieben steht. Das Mädchen lacht über den komischen Buchstaben und - versucht es noch mal. So lange, bis es klappt.

Überlingen - Jenny ist ein aufgeschlossenes Kind und besucht die Klasse 4c der Burgbergschule. Sie hat das Down-Syndrom. Für Tobias, Janek oder Michelle ist das kein Problem, sie kennen ihre Mitschülerin nicht anders - es ist normal. Auch der sperrige Steh-Rollstuhl in der Mitte des Klassenzimmers erweckt keine Aufmerksamkeit mehr bei den Schülern. Er gehört eben zu Lukas und damit zu ihnen.

In der Klasse 4c läuft der Unterricht ein bisschen anders ab als in "normalen" Grundschulen: Die Schüler nehmen an dem Integrativen Schul-Entwicklungsprojekt (ISEP) teil. Vier der 17 Kinder sind förderungsbedürftig, das heißt, sie haben eine Körperbehinderung. Die anderen 13 Grundschüler schränkt das aber nicht ein. Sie verpassen nichts in ihrem Lernstoff, sondern profitieren eher von der Art des Unterrichts. Die Klassenverbände sind klein und der Lehrplan an die Kinder angepasst: "Sie bekommen einen Wochenplan, der bearbeitet werden muss", erklärt Mareike Schnelle, die Klassenlehrerin, den Vorgang des offenen Unterrichts. Alle arbeiten gemeinsam, aber jeder entscheidet für sich, welche Aufgabe zuerst erledigt wird.

Unterstützung erhält Schnelle von der Sonderschullehrerin Margit Ketterer vom Körperbehindertenzentrum Oberschwaben. Zwischen den beiden Einrichtungen besteht eine Kooperation. "Es sollte immer ein Zweier-Team in der Klasse sein", sagt Ketterer. Die behinderten Kinder benötigen besondere Aufmerksamkeit, aber auch die anderen Kinder sollen unterstützt werden. Ketterer gefällt besonders, "dass die Kinder miteinander und voneinander lernen und davon profitieren." Auch der Klassenlehrerin sieht man den Spaß an der Arbeit an. Sie lacht viel und geht liebevoll mit ihren Schülern um: "Euch macht die Schule auch ein bisschen Spaß, oder?" Die 

Philipp Asham ist einer der künftigen Biologisch-Technischen Assistenten mit dem Schwerpunkt Molekularbiologie und Bioinformatik.
Bild: SWYTER

prompte Antwort kommt sofort: "Mehr als nur ein  bisschen!", verkündet Janek. Und Jenny ist mittlerweile fertig, was sie lauthals verkündet: "Ich bin fertig mit meinen Sachen!" Sie steht auf und geht zur Tafel, an der sie noch mal das "e" ausprobiert.

Im Gegensatz zu den Grundschülern haben die angehenden Biologisch-Technischen Assistenten (BTA) bereits einen Schulabschluss hinter sich. Sie besuchen das Berufskolleg in der Jörg-Zürn-Gewerbeschule.

Die Schüler des ersten Jahrgangs mit dem Schwerpunkt Molekularbiologie und Bioinformatik befinden sich im Labor - hier besteht Mantel-Pflicht. In weiß gekleidet stehen sie in Zweier-Teams an den Tischen und hantieren mit Geräten. Thema heute: Messung des Sauerstoffgehaltes. Leider funktionieren die Geräte momentan nicht. Sie müssen neu eingestellt werden. "Auch das ist wichtig zu wissen", sagt Hartmut Walter, der Abteilungsleiter für die BTA-Ausbildung. Kein Grund, den Unterricht zu unterbrechen.

Das Berufskolleg ist bundesweit einzigartig, weshalb die Berufsaussichten auch rosig sind: "Auf 3000 freie Stellen kommen etwa 1000 Absolventen", weiß Astrid Du Mont, eine der BTA-Schülerinnen.

 
 
 

RAGNA SWYTER, Südkurier Überlingen, 18.04.07

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