> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 23. Februar 2007
 

KZ-Karten in Dachau zu sehen

Bundesverdienstkreuz für Oswald Burger

Das Land Baden-Württemberg würdigte die Arbeit des Vereins "Goldbacher Stollen und KZ Aufkirch" bereits vergangenes Jahr. Nun erhält sein Vorsitzender Oswald Burger am 2. März für sein Engagement das Bundesverdienstkreuz (der SÜDKURIER berichtete).

Überlingen - Bei der Jahresversammlung des Vereins standen aber andere Themen auf der Tagesordnung. So berichtete Burger von dem Arbeitseinsatz des internationalen Workcamps, bei dem 15 Jugendliche aus der ganzen Welt den Platz vor dem Stollen richteten. Sie rissen den alten Schuppen ab, ebneten den Weg ein, strichen das Tor neu und pflegten auf dem KZ-Friedhof Birnau die Gräber der 97 dort beerdigten Zwangsarbeiter. Die Kosten für das Workcamp in Höhe von über 4000 Euro teilte sich der Verein mit der Stadt Überlingen.

Ein überlebender Häftling, der slowenische Architekt Boris Kobe, hat das Lagerleben noch 1945 in einem Tarock-Kartenspiel festgehalten, sieben Karten zeigen die Arbeit im Goldbacher Stollen. Dieses außergewöhnliche Dokument wird nun in die Dauerausstellung im ehemaligen Konzentrationslager Dachau aufgenommen. Das KZ Aufkirch war ein Außenlager Dachaus. Der Überlebende Anton Jez hat sich dafür eingesetzt, dass das Kartenspiel künftig in Dachau präsentiert wird. Jez, zu dem der Verein Goldbacher Stollen engen Kontakt hält, wird auch zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Burger nach Überlingen kommen und eine Rede halten.

Eine Hauptaufgabe des Vereins sind die Führungen, die er einmal im Monat anbietet, und zusätzlich Sondertermine. Um den neuen Auflagen der Haftpflichtversicherung nachzukommen, will man nun Helme für die Besucher anschaffen. Doch man diskutierte nicht nur technische Formalitäten. Johannes Kley betonte, dass die Führungen nicht für Kinder geeignet seien. "Das Dritte Reich sollte im Unterricht bereits dran gewesen sein", meinte er.

Abgesehen von regulären Führungen engagierte sich der Verein auch im vergangenen Jahr wieder vielfach. So beteiligte er sich am europäischen Tag der jüdischen Kultur und organisierte anlässlich des Konstanzer Historikertages eine Sonderführung, an der auch ein ehemaliger polnischer KZ-Häftling teilnahm.

Außerdem unterstützte der Verein wieder Projekte wie die Abgabe von Medikamenten an ehemalige Zwangsarbeiter in Weißrussland. Während der jüngsten Sitzung gewährte er einen Zuschuss für eine Reise, die Bernhard Schnetter mit 24 Schülern der Jörg-Zürn-Gewerbeschule nach Griechenland und Bulgarien macht, um dort Kriegsgräber zu pflegen. Die 17- bis 19-Jährigen besuchen auch Gedenkstätten an Orten wie Distomo, wo Deutsche während des Zweiten Weltkriegs Massaker verübten.

Ständige Aktivitäten finden auf Initiative des Vereins "Dokumentationsstätte Goldbacher Stollen und KZ Aufkirch" in Überlingen im Bereich des Stolleneingangs statt, wenn sich Jugendliche mit der deutschen Vergangenheit auseinander setzen. OB Volkmar Weber besuchte bei einer Aktion die Jugendlichen am Stolleneingang.
Bilder: sk

Zum Schluss berichtet Burger von seiner Reise nach Israel, die er mit der Landeszentrale für Politische Bildung unternommen hatte. Die Gruppe besuchte auch die Gedenkstätte Yad Vashem, die Burger als sehr eindrucksvoll schilderte. Dort gebe es "alle Sorten von Gedenkstätten an einem Ort", so etwa Stationen, an denen sachliche "Aufklärung pur" geboten werde und als Kontrast das Kinderdenkmal, in dem man sich hilflos im Dunkeln vorwärts tasten müsse und das emotional überwältigend sei.

Oswald Burger, Vorsitzender des Vereins "Dokumentationsstätte Goldbacher Stollen und KZ Aufkirch".
 
 
 

SYLVIA FLOETEMEYER, Südkurier Überlingen, 23.02.07

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