> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 15. Februar 2007
 

Gewerbeschule evakuiert

Gasalarm: 250 Schüler verlassen Gebäude fluchtartig - Hausmeister kombinierte schnell

Gasalarm an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule: 250 Schüler wurden gestern Morgen gegen 9 Uhr aus dem Altbau der Lehranstalt evakuiert, nachdem im Untergeschoss ein bislang unbekannter Stoff den Hausmeister und einen Handwerker verletzt hatte. Gegen 11.20 Uhr konnten die Schüler in das Gebäude zurückkehren, das sie teils mitten in Klassenarbeiten verlassen hatten.

Überlingen (mba) Einem cleveren Hausmeister ist es zu verdanken, dass die Gefahr schnell erkannt wurde. Jürgen Erat hatte am Dienstag Abend zusammen mit einem Servicetechniker Wartungsarbeiten an der Lüftungsanlage besprochen, dabei hielten sich beide etwa 20 Minuten in zwei als Lager genutzten Räumen des Untergeschosses auf. "Zwei Stunden später fing das Theater an", erzählt Erat. Im Überlinger Krankenhaus schwollen seine Augen komplett zu und er wurde an den Augennotdienst in Friedrichshafen überstellt. Nach einer schlaflosen Nacht und einem weiteren Besuch beim Facharzt in Überlingen erreichte ihn gestern gegen 8 Uhr der Anruf jenes Kundendienstmonteurs, mit dem in den Lagerräumen war. Er könne heute nicht kommen, weil er wegen brennender Augen und Nasenschleimhäute im Krankenhaus gewesen sei. "Identische Symptome? Da war mir sofort klar, da muss etwas gewesen sein", sagt Erat, der bisher an eine Allergie geglaubt hatte und gestern Morgen seine noch tiefroten Pupillen mit einer Sonnenbrille schützte.

Unverzüglich alarmierte Erat nach diesem "schnellen Kombinieren", wie die Feuerwehr lobt, den in Überlingen für die Kreisschule zuständigen Sicherheitskoordinator des Landratsamtes, Hubert Viellieber. Gemeinsam mit dem stellvertretenden Schulleiter Manfred Baumann alarmierte er die Feuerwehr. Die beiden versiegelten die betreffenden Räume und leiteten die Evakuierung des dreistöckigen Baus ein. Er war fast vollständig leer, als die Wehr mit rund 20 Mann und dem Gefahrgutzug eintraf.

Stadtbrandmeister Andreas Löhle sorgte dafür, dass sämtliche Schüler draußen waren, bevor die Räume geöffnet wurden. Das besorgten sechs Feuerwehrmänner in Vollschutzanzügen, die zuerst Gefriergeräte ins Freie brachten. Die Vermutung, aus ihnen sei Kühlmittel ausgetreten, bestätigte sich nicht. Indes ergab die erste Schadstoffmessung über dem Grenzwert liegende Konzentrationen an leicht flüchtigen Kohlenwasserstoffen. Nach einer kompletten 

Kritischer Blick auf das Analysegerät, mit dem die Gaskonzentration gemessen wurde: Stadtbrandmeister Andreas Löhle (rechts), Zugführer Hubert Ehing und Wehrmann Stefan Pitz im Vollschutzanzug.
Bild: Baur

Lüftung des Baus sanken sie auf unbedenkliche Größenordnungen ab.

Die genaue Ursache für den Gasalarm bleibt vorerst offen. Im dem einen Raum lagern Putzmittel, im anderen, einem derzeit ungenutzten Steril-Labor, stehen Kühltruhen mit Präparaten. Chemikalien seien in keinem der beiden deponiert gewesen, erklärte der zuständige Lehrer Hartmut Walter. Er ist unter anderem für das Berufskolleg biologisch-technischer Assistenten zuständig, das der Bau neben technischen sowie handwerklichen Berufsfachschulen und dem Technischen Gymnasium mit den schulüblichen Labors beherbergt.

Gegen 11.20 Uhr gab Löhle Entwarnung und verfügte den Austausch sämtlicher Filter der Lüftungsanlage, in denen sich der Giftstoff möglicherweise anreicherte. Danach konnten die Schüler, die diszipliniert auf dem Hof gewartet hatten, zurück. "Das mit der Evakuierung ist korrekt gelaufen", konstatierte Norbert Asprion aus der Glaserklasse. Nämlich schnell: "Wir haben uns nur die Mäntel gegriffen", meint Robin Schweizer. Die Mädchen der Friseurklasse hatten nicht einmal dazu Zeit, die Lehrer schickten sie deshalb in eine Cafeteria. Die Schreiner schrieben gerade eine Klassenarbeit in Fachtheorie. "Die Blätter liegen noch auf dem Tisch", beschreibt Tobias Wolfelsperger die Hektik. "Ja, mein Füller ist noch offen", bestätigt Matthias Knor und Christian Seminara ist fast enttäuscht: "Ich hätte bestimmt eine total gute Arbeit geschrieben."

 
 
 

Martin Baur, Südkurier Überlingen, 15.02.07

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