> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 08. November 2006
 

Eine Unterkunft für alle Fälle

Offizielle Eröffnung der "herberge" in Überlingen

Die "Herberge", gestern offiziell eröffnet, versteht sich als die Mischung aus Schülerwohnheim, Studentenhotel und preisgünstiger Gruppenherberge. Während der Planungsphase des Projekts mussten einige Hürden überwunden werden.

Überlingen - Kürzer und treffender hätte man es kaum ausdrücken können. Eine Minute benötigte Architekt, Bauherr und Eigentümer Peter Burkhardt, um sein Fazit des Projekts zu ziehen. Er fühle sich an eine gestresste Mutter erinnert, die abends aufatmet und zu ihrem Kind sagt: "Gott sei Dank bist du endlich im Bett!" Burkhardts Variante mit Blick auf die neue "Herberge" hörte sich so an: "Gott sei Dank ist das endlich fertig!"

Hatte die Suche nach einem Grundstück und einem Betreiberkonzept lange genug gedauert, so verzögerte sich nach Erteilung der Baugenehmigung auch die Umsetzung. Aufatmen bei Schulen, Stadt, Kreis und Investor, als die Mischung aus Schülerwohnheim, Studentenhotel und preisgünstiger Gruppenherberge nun in Betrieb ging. Pächterin Christa Weyand hieß die Gäste, darunter einige Schulleiter und Gemeinderäte, in der neuen "Herberge" willkommen.

Angesichts der Tatsache, dass zumindest die Unterkünfte für die Schüler subventioniert seien, sagte sie: "Unser Ziel ist es, eine schwarze Null zu schreiben." Ein derartiges Modell gebe es in Überlingen bislang noch nicht, erklärte Weyand, und kündigte nicht nur die Kooperation mit weiteren Bildungseinrichtungen an, sondern auch eine Offensive auf dem touristischen Markt bis nach Asien und Australien.

"Die Schulstadt Überlingen guckt mit Stolz auf diese Einrichtung", erklärte Oberbürgermeister Volkmar Weber. Das Gebäude sei nicht nur ein "neuer Farbtupfer" in der Obertorstraße, sondern erfülle auch eine wichtige Aufgabe bei der Unterbringung der Auszubildenden, Kollegiaten und Schüler. Vor allem während der touristischen Sommermonate sei es für sie problematisch gewesen, eine Unterkunft zu finden. Umso erfreulicher sei die private Initiative von Peter Burkhardt gewesen, betonte Weber. Die Stadt habe das Vorhaben zwar nach Kräften gefördert, das Grundstück jedoch zu "ganz normalen Preisen" 

Zufriedene Gesichter (von rechts): Peter Burkhardt, Hartmut Walter, OB Volkmar Weber, Gerhard Metzger, Christa Weyand, Erich Ruh, Kurt Boch, Rainer Weyand, Joachim Kruschwitz und Eberhard Pross.
Bild: Walter

verkauft. Die Baugenehmigung sei binnen acht Wochen erteilt gewesen, erklärte Weber. Doch  auch schon zuvor hatte es zähe Diskussionen um den Standort gegeben und die alten städtischen Gebäude konnten nur mit längerer Verzögerung geräumt werden. "Ein lang gehegter Wunsch der beruflichen Schulen ist in Erfüllung gegangen", sagte Joachim Kruschwitz, stellvertretender Landrat  des Bodenseekreises. Schon vor 20 Jahren habe Eberhard Pross als Kreisrat den Bau eines "Internats" gefordert. Doch aufgrund der begrenzten Nutzungszeiten habe sich immer wieder gezeigt: "Es rechnet sich nicht." Man habe das Projekt zu den Akten gelegt, "bis Herr Burkhardt den Mut gehabt hat, eine kombinierte Einrichtung zu schaffen. Gegen einen Beitrag des Kreises von 50000 Euro zur Ausstattung der Zimmer hätten sich die Betreiber vertraglich verpflichtet, Schülern Zimmer zu günstigen Preisen zur Verfügung zu stellen.

Kurt Boch, Schulleiter der Jörg-Zürn- Gewerbeschule, zeigte sich erfreut über die ideale Lage nahe des Schulzentrums. Er dankte auch den Lehrern Hartmut Walter und Erich Ruh, die sich des Themas über Jahre hinweg stark engagiert angenommen hätten. Eine gute Lösung war für Boch, dass Betreiberin Christa Weyand zugleich ein Auge auf die minderjährigen Auszubildenden werfe: "Sonst hätten wir uns hier noch etwas überlegen müssen."

    
Kommentar von Hanspeter Walter:

Das Baby strahlt

Zugegeben, es war eine schwere Geburt. Doch das Baby ist hübsch und strahlt. Mit der neuen "Herberge" in der Obertorstraße ist Überlingen um eine wichtige Einrichtung reicher, die die Kommune sowohl als Schulstadt wie auch als Ferienort dringend brauchte.

Zwar hat der Landkreis als Schulträger 50000 Euro für die Ausstattung der Räume beigesteuert, doch angesichts des Millionen-Projekts hätte das längst nicht zu einem Dach über dem Kopf gereicht. In Zeiten, in denen die öffentliche Hand jeden Euro zweimal umdrehen muss, ist es Gold wert, wenn private Investoren selbst Geld in die Hand nehmen und konstruktive Modelle entwickeln, um möglichst vielen Anforderungen auch im kommunalen Interesse gerecht zu werden.

Deshalb wäre es nicht gerecht, dem Investor die aufgetretenen Verzögerungen anzulasten. Die Erleichterung über den Abschluss des Projekts war auch ihm anzumerken. Immerhin hatte es im Kreistag schon vor 20 Jahren erste Vorstöße zum Bau einer Schülerunterkunft gegeben. Doch eine funktional angemessene und zugleich finanzierbare Lösung war nie in Reichweite gekommen.

  
"die herberge" im Internet: www.die-herberge.com
 
 
 

HANSPETER WALTER, Südkurier Überlingen, 05.09.06

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