> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 07. August  2007
 

Wiedersehen mit Freunden

Internationale Jugendbegegnung der Jörg-Zürn-Gewerbeschule in Sandanski/Bulgarien

Überlingen - Seit über zehn Jahren engagieren sich Schüler und Lehrer der Jörg-Zürn- Gewerbeschule in Sandanski/Bulgarien, um die Gräber gefallener deutscher Soldaten des Zweiten Weltkriegs zu pflegen. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge. Damit wird die Schule auch ihrem Auftrag als Unesco-Projektschule gerecht. Über die Arbeit hinaus findet in einer Jugendbegegnung mit bulgarischen Schülerinnen und Schülern ein vielfältiger Austausch statt, fast ohne Verständigungsprobleme. Die Gruppen aus Varna von der dortigen Unesco-Partnerschule und Sandanski lernen Deutsch als erste Fremdsprache, ihre Lehrerin Stanislawa Iwanowa brachte aber auch der deutschen Gruppe in einem Schnellkurs Bulgarisch für den Alltag bei.

In der ersten Woche wurden die vier Friedhöfe in Sandanski, Marinopole, Petrich und Roshen gepflegt. Die Schriften der Grabplatten waren verblasst und mussten erneuert werden. Auf dem kleinen Waldfriedhof von Roshen standen sogar kleinere Rodungsarbeiten an. Bei Temperaturen von über 44 Grad war dies keine entspannende Freizeitaktivität, sondern harte Arbeit. Geleitet wurde die Aktion der rund 35 Schüler von den Lehrern Karl Barth mit Unterstützung von Hubert Gobs, Bernhard Schnetter, Hansjörg Straub und Markus Bittmann.

Die Grenzregion zwischen Bulgarien und Griechenland war im Zweiten Weltkrieg zeitweilig hart umkämpft. Erlebte Geschichte: In den griechischen Orten Kerdylia und Doxato gaben Zeitzeugen über die Kriegsereignisse beredte Auskunft. Sie hatten als Jugendliche nur knapp die Exekution der Besatzer überlebt, ein traumatisches Erlebnis, das aber die Hoffnung auf Verständigung umso wichtiger werden ließ. Das Gespräch mit den Überlebenden war so eindrucksvoll wie der

Die Jugendbegegnung der Jörg-Zürn-Gewerbeschule mit Varna/Sandanski in Bulgarien unter der Leitung von Karl Barth (links) war äußerst erfolgreich: Es wurden Gräber gepflegt und ein Friedenspfad erweitert.
Bild: Gewerbeschule

stumme Dialog mit den Toten. Der Slogan "Arbeit für den Frieden" versteht sich in zukunftsorientiert, besonders in Bulgarien, das als neues EU-Mitglied Reisende willkommen heißt und den Tourismus der Grenzregion zu Griechenland fördert.

Ein besonderer Höhepunkt des Aufenthalts war der Ausbau des "Friedenspfads" durch den Pirin-Nationalpark, den eine Vorgängergruppe im Jahr 1999 unter dem Eindruck der damaligen Konflikte auf dem Balkan initiiert hatte. Eine 13-köpfige Wandergruppe erneuerte und ergänzte die zweisprachigen Hinweisschilder auf drei Tagesetappen in eine Höhe bis über 2600 Meter. Ziel der nächsten Jahre ist es, den "Friedenspfad" in das touristische Konzept des Nationalparks einzubinden und eine Fortsetzung bis Griechenland auszuschildern.

 
 
 

MARKUS BITTMANN, Südkurier Überlingen, 07.08.07

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