> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 10. Februar 2007
 

Ein paar Minuten Arbeit für ein neues Ich

Maskenbildnerin Isabelle Neu gibt Friseurlehrlingen an der
 Jörg-Zürn-Gewerbeschule Überlingen Einblicke in ihren Beruf

Überlingen - Rolf Briddigkeit hat sich in einen Furcht einflößenden Teufel verwandelt, Claudia Mancino schmückt eine Rokoko-Perücke und Fabian Dressler ist um viele Jahre gealtert. Im Zimmer der Friseurlehrlinge an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule in Überlingen zeigt sich ein ungewohntes Bild. Wo sich gewöhnlich alles rund um Kamm und Schere dreht, lässt Isabelle Neu Lehrer und Schüler in die Welt des Theaters eintauchen.

"Als erstes trage ich eine Make-up-Grundlage auf", erklärt die Maskenbildnerin von den städtischen Bühnen Freiburg. Wenige Handgriffe später lassen sich erste Konturen erkennen, bis Rolf Briddigkeit sich als Teufel präsentiert. Die Kontakte zu Maskenbildnern aus Stuttgart, Freiburg und Konstanz pflegt der Gewerbelehrer seit rund 20 Jahren. Immer wieder besucht ein Maskenbildner die Lehrlinge, um Einblicke in seine Arbeiten zu geben.

"Es ist sehr wichtig, dass die Lehrlinge nicht nur ihren Beruf kennen, sondern auch sehen, was darüber hinaus geht", meint Briddigkeit. So gebe es auch Einsatzmöglichkeiten bei Film, Fernsehen, Wanderbühnen oder gar auf Schiffen. Genau das möchte Briddigkeit aufzeigen. Daher verfolgen rund 30 Auszubildende aus Überlingen und Friedrichshafen gespannt die praktischen Vorführungen von Maskenbildnerin Neu, die seit fünf Jahren am Theater in Freiburg angestellt ist.

"Ich habe heute sehr viel Neues gelernt, was ich bisher überhaupt nicht gekannt habe", meint Claudia Mancino. Die Auszubildende aus Markdorf ließ sich von Neu mit einer farbenfrohen Rokoko-Perücke schmücken. "Es ist echt erstaunlich, wie man in so kurzer Zeit ein Gesicht komplett verändern kann", meint die 20-Jährige.

Besonders beeindruckt hat sie aber die Verwandlung von Fabian Dressler zu einem alten Mann. Neu zeichnete dem 20-Jährigen tiefe Falten ins Gesicht, setzte ihm eine Perücke auf und verpasste ihm einen Drei-Tage-Bart. "Die Maske ist richtig super", meint Dressler begeistert. Auch wenn er beim Haare schneiden bleiben wolle, seien das sehr interessante Eindrücke gewesen. Besonders gefallen hat ihm der Bart. "Denn bei mir selbst wächst nichts", stellt er lächelnd fest.

Maskenbildnerin Isabelle Neu lässt Friseur- Lehrling Fabian Dessler an der Jörg-Zürn- Gewerbeschule um viele Jahre altern.
Bilder: Unger

Erstaunt hat ihn der Zeitaufwand. Denn bis Maskenbildnerin Neu eine Perücke erstellt hat,  vergehen bis zu 40 Stunden. Neben falschen Haaren, Bärten und Koteletten modelliert Neu auch plastische Masken, wie einen Esels-Kopf. "Man braucht für diesen Beruf sehr viel Kreativität, Experimentierfreude und Geduld", erklärt Neu. Sie zeigt nicht nur verschiedene Techniken und Verwandlungsformen, sondern beantwortet den Auszubildenden auch zahlreiche Fragen. "Das Berufsbild ist den meisten schon bekannt, aber nicht die vielen Facetten und Einsatzfelder", meint Neu.

Die Friseurlehrlinge sind von der Vorführung beeindruckt. Fabian Dressler würde seine Maskierung am liebsten auch zur Fastnachtszeit tragen. Aber am Schluss muss auch er die falschen Falten wieder abschminken.

 
 
 

FLORIAN UNGER, Südkurier Überlingen, 12.02.07

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