> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 19. Dezember 2006
 

"Das ist Ausbeutung!"

Schüler des Berufsschulzentrums Friedrichshafen wehren sich

Friedrichshafen - "Das ist eine Sauerei!" oder: "Das ist eine reine Ausbeutung von uns Schülern!" An klaren Aussagen mangelte es gestern Nachmittag im Berufsschulzentrum in Friedrichshafen nicht. Die vom Landkreis geplante Einführung von Parkgebühren an den Kreis-Schulen ließ die Gemüter der Schüler hochkochen. Zwar wurde das Thema später noch kurzfristig von der Tagesordnung der Kreistags-Sitzung genommen, doch Kreisräte und Landkreis-Verwaltung dürfen sich jetzt schon auf heftigen Gegenwind einstellen, falls die Frage erneut gestellt werden wird.

"Ich finde es bescheiden, dass man es gerade von denen zieht, die eh kein Geld haben", sagt Peter Bernhard (26). Der Radolfzeller lässt sich an der Elektronikschule Tettnang und am Berufsschulzentrum zum Techniker ausbilden und müsste daher sogar für zwei Parkplätze zahlen. "Ich zahle als Techniker 2500 Euro an den Landkreis für zwei Jahre Ausbildung an beiden Schulen. Dann fände ich weitere 240 Euro fürs Parken doch heftig."

Frank Kettner (31) aus Lindau verweist auf ein anderes Problem. "Wir hätten dann trotzdem keine reservierten Parkplätze. Wenn der Parkplatz voll ist, müsste ich dennoch zahlen. Und der öffentliche Nahverkehr gibt es nicht her, dass ich damit zur Schule komme. Es hat den faden Beigeschmack, dass es nur darum geht, Geld in leere Kassen zu bekommen."

Klare Worte findet Hanna Weber aus Friedrichshafen. "Das ist eine reine Ausbeutung von uns Schülern, weil es ein reiner Schüler-Lehrer-Parkplatz und kein öffentlicher Parkplatz ist", sagt die 18-Jährige: "Die Parkplätze sind eh schon knapp bemessen und es gibt schon jetzt nicht ausreichend Stellplätze für alle."

Auch Katja Walter spricht von "Ausbeutung". Kein Berufstätiger müsse für einen Parkplatz an seiner Arbeitsstätte zahlen. "Wir sind ja noch Schüler und haben nur Taschengeld", so die 19-jährige Friedrichshafenerin. "Außerdem wird uns nicht gesagt, wofür die das Geld brauchen!"

"Ich finde es nicht gut, wenn man jetzt sagt, wenn wir uns ein Auto leisten können, können wir auch fürs Parken zahlen", meint Christine Koschel (18) aus Friedrichshafen: "Aber für mein Auto habe ich mein gespartes und selbst verdientes Geld zusammengekratzt. Als Schüler kann man sich das einfach nicht leisten."

Tobias Janischek, mit Peter Bernhard einer der beiden Organisatoren des für gestern ursprünglich eingeplanten Protest-Korsos zum Landratsamt, hält das Vorhaben für reichlich unausgegoren. "Die Pläne finde ich eine Sauerei. Ich würde es einsehen, wenn man das Geld wieder direkt den Schulen zukommen lassen würde. Aber das hieße, dass wir dann wiederum indirekt Schulgebühr zahlen würden." Auch der 19-jährige 

Friedrichshafener verweist auf die unzureichenden Parkplätze am Berufsschulzentrum. "Es würde  trotzdem immer wieder Schüler geben, die nicht mit dem Auto kommen könnten, weil sie wissen, dass die Plätze am Mittag bereits voll sind." 


Bild: Peter Bernhard, Radolfzell

 
Bild: Tobias Janischek, Friedrichshafen
 
Bild: Frank Kettner, Lindau

 Bild: Christine Koschel, FN

Bild: Katja Walter, Friedrichshafen

 Bild: Hanna Weber, Friedrichshafen
 
 
 

HELMAR GRUPP, Südkurier Friedrichshafen, 19.12.06

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