> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 30. Mai 2007
 

Berlin, du bist so wunderbar!

Schüler des Technischen Gymnasiums auf Studienfahrt in der Bundeshauptstadt

Überlingen - Wenn ich an Berlin denke, kommt mir die einzigartige Kulisse verschiedener Architekturstile in den Sinn" - Schüler Sebastian fand vor allem das Nebeneinander unterschiedlichster Gebäude von der Kaiserzeit bis in die Gegenwart bemerkenswert.

In zwei außergewöhnlichen Gebäuden hatten die Schüler der beiden zwölften Klassen des Überlinger Technischen Gymnasiums zu tun: Im alten, von Norman Foster umgebauten Reichstag wurden sie in die Arbeit des Bundestags und insbesondere des Abgeordneten Andreas Schockenhoff (CDU) eingeführt. Im ehemaligen Preußischen Herrenhaus spielten sie Bundesrat. Die Schüler sollten zu einem Gesetzesvorschlag der Bundesregierung Stellung nehmen, auf Bundesautobahnen ein Tempolimit einzuführen.

Gleich in der Nähe des Jugendgästehauses befand sich das architektonisch seltsam und abweisend wirkende, äußerlich hermetisch verschlossene Jüdische Museum. Mit Hilfe von Erklärungen einer Führerin erschloss sich der Sinn der unterirdischen Gänge, Kreuzungen, des Gartens des Exils, des Turms des Holocausts und der Treppe der Zuversicht. Nach dem Besuch des Museums erschien das Äußere nicht mehr als hässlich wie zuvor.

Mit der nationalsozialistischen Vergangenheit wurden die Schüler auch in der Gedenkstätte Deutscher Widerstand im "Bendlerblock" konfrontiert, wo sowohl der Krieg als auch der Widerstand ein Zentrum hatten.

Am U-Bahnhof "Gesundbrunnen" stiegen die Schüler in die Berliner Unterwelt hinab, in das unterirdische System von U-Bahnen, Bunkern und Luftschutzkellern.

Ein ehemaliger Mitarbeiter führte die Gruppe durch eines der größten Bauwerke Europas, das Flughafengebäude Tempelhof. Er berichtete von den Anfängen der deutschen Lufthansa an diesem Ort in den 20er Jahren, dem größenwahnsinnigen Umbau in der Nazizeit, der Nutzung durch die Amerikaner, unter anderem für die Luftbrücke, der letzten Blüte des Verkehrsflughafens in den 90er Jahren und dem absehbaren Ende.

An den Abenden gab es ein Unterhaltungsprogramm: Die Show der "Blue Man Group" empfanden die Schüler als große Sehenswürdigkeit. Die blauen Darsteller auf der Bühne begeisterten vor allem durch ihr Trommeln, dabei wurden allerlei Materialien verwendet, auf denen sie rhythmisch schlugen: etwa Fässer und Röhren. Die Begeisterung war groß, als Daniel Reichle in der Show mitwirken durfte. Er wurde zufällig ausgewählt und auf der Bühne und dahinter in Tricks einbezogen.

Die beiden Klassen wohnten in einem Jugendgästehaus in Kreuzberg, wo sie auch gelegentlich Konflikte von wohl rivalisierenden  

Oswald Burger (rechts), Lehrer Stadtrat und engagierter Regionalhistoriker, war mit der zwölften Klasse des Technischen Gymnasiums Überlingen in Berlin unterwegs. 
   
An keinem anderen Ort ist deutsche Geschichte konzentrierter, wie die Überlinger TG 12 in Berlin entdecken konnte. Aber es gab natürlich auch Unterhaltung und die Gelegenheit, hoch über der Spree mal so richtig zu jubeln über die vielen neuen Eindrücke.
Bilder: Johannes Hildebrandt, TG 12

Jugendbanden beobachten konnten. Vor dem Döner-Imbiss auf dem Mehringplatz stritten sich eine Gruppe von Ausländern und deutsche Obdachlose. Die Zugehörigkeit aller am Konflikt Beteiligten war nur schwer zu erkennen, als die Polizei kam, blieben nur wenige.

Auffallend fanden die Schüler in Berlin die vielen Obdachlosen, Punks und armen Menschen, die betteln, Pfandflaschen sammeln oder schnorren. Einige ehemalige Obdachlose fanden eine Beschäftigung als Verkäufer von Obdachlosenzeitungen in der U-Bahn. Der auswendig gelernte Anpreistext war immer gleich. Wenige Passanten kauften die Zeitung oder steckten den Verkäufern Münzen zu.

Ein Lernziel während der Woche in Berlin war es, sich selbständig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vorwärts zu bewegen, mit U-Bahn, S-Bahn, oder Bus. Dennoch verpassten bei der Rückfahrt zwei Schüler im neuen Hauptbahnhof den Nachtzug. Mit Hilfe von Handys konnte der Kontakt wieder hergestellt werden, und der Nachtzug wartete in Berlin-Wannsee zwölf Minuten auf die beiden verlorenen Schafe. Dass so viel Flexibilität in einem starren Fahrplansystem möglich ist: bemerkenswert!

 
 
 

Südkurier Überlingen, 30.05.07

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