> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 13. September 2007
 

Missionar in Sachen Watt und Pellets

Watt-Wanderung in Salem-Mittelstenweiler

Überlingen - Umweltschutz macht Spaß. Nicht nur, wenn man auf den Stromzähler schaut und sich über gespartes Geld freut", sagt Thomas Busch aus Salem-Mittelstenweiler. Der 38-Jährige hat viel Spaß. 70000 Euro hat der Idealist zwar in sein Haus aus den 60er Jahren investiert, es dämmen, neue Fenster und eine Holzpellet- Heizung einbauen lassen, aber er weiß, die Investition rechnet sich. Davon will er andere überzeugen. Und von weiteren Umwelttechniken. Am Freitag, 14. September, lädt der Elektromeister und gebürtige Bremer zu einer energiereichen Watt-Wanderung und zu einem Vortrag mit Diskussion in Mittelstenweiler ein.

Schon als Jugendlicher hat Busch kleine Raumschiffe gebaut und Roboter gebastelt. Pionierarbeit leistete er später mit dem Bau von Solarbooten, die auf dem Bodensee ausprobiert wurden, und als Gutachter bei Windenergie-Anlagen. Sein damaliger Chef in Oldenburg hatte Visionen, die überwiegend belächelt wurden. Heute ist dieser bekannt für seine "Sandbank 24". 1000 Windräder sollen sich im Endeffekt im dann weltgrößten Windpark auf dem Meer drehen.

"Ich habe gesehen, dass Visionen realisierbar sind", sagt der Lehrer an der Jörg Zürn-Gewerbeschule Überlingen, der auch bei seinen Schülern Bewusstsein für die Umwelt schaffen will und das mit praktischen Beispielen wie dem Bau von Akkuladegeräten fördert: "Viele Schüler machen sich keine Gedanken. Sie werfen Batterien weg und ihr Computer frisst ungeheuer viel Strom. Das ist ihnen gleichgültig, weil es - noch - nicht viel kostet." Auch Wasser werde verschwendet: "Sagen Sie mal einem Afrikaner, dass Sie mit zehn Liter bestem Trinkwasser ein Stück Dreck wegspülen", denkt er an seine Erfahrungen, als er per Rad monatelang Ostafrika und Südamerika erkundet hatte. Sein Daumen zeigt abwärts bei elektrischen Pfeffermühlen mit Beleuchtung und Strahlenheizgeräten für Balkon und Terrasse.

Thomas Busch plädiert dafür, ständig zur Verfügung stehende Ressourcen wie Wind und Sonne zu nutzen, statt jene zu verbrauchen, die über 350 Millionen Jahre brauchten, um zu entstehen, wie Öl oder Kohle. Die Solarthermie fürs Warmwasser und die Photovoltaikanlage auf Buschs Dach, mit der er sogar noch Geld verdient,

Ein Fall für den Hammer: Die Glühlampe hat ausgedient, meint Thomas Busch, der seinen Kindern Lisa und Leon vorlebt, wie man Energie sparen und dabei viel Spaß haben kann.
Bild:
Keutner

werden vorerst die letzten baulichen Veränderungen sein, dann ist seine Familie energetisch fast völlig autark. "Ich habe das gute Gefühl, dass ich keinen Tropfen Öl verbrenne und wir verbrauchen auch wenig Strom." Für Letzteres sorgen die Energiesparlampen. "Die Glühlampe hat ausgedient, sie liefert mehr Wärme als Licht. Und die neuen LEDs sind noch besser."

Es geht ihm auch bei "Kleinigkeiten, einfachen Dingen" darum, Energie nicht unnütz zu verschwenden. Würden diese konsequent umgesetzt, manches Atomkraftwerk wäre überflüssig. Beim Vortragsabend will er anhaltende Gerüchte widerlegen und mit Vorurteilen aufräumen.

Und woher nimmt Thomas Busch seine persönliche Energie für die ehrenamtliche, aufwändige Organisation und die stete Überzeugungsarbeit? "Aus der Natur. Ich klettere und wandere gerne, weil ich von der Landschaft total begeistert bin. Zu sehen, wie schön wir es hier haben, wenn das keine Energie gibt, dann weiß ich nicht." Christiane Keutner

Freitag, 14. September: 16 Uhr Watt-Wanderung zu verschiedenen Energiewandleranlagen. Anmeldung noch heute unter 07544/913097. Ab 18 Uhr Vorträge im Dorfgemeinschaftshaus. Spezialisten referieren über Energiewende, Altbauisolierung und Photovoltaik.

 
 
 

Südkurier Überlingen, 13.09.07

nach oben