> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 17. Juni 2008
 

Denkmalpflege kann richtig handgreiflich sein

Auf den Spuren der Kelten in Salem - Jugendliche restaurieren beschädigtes Grabdenkmal 

Ich freue mich außerordentlich, mit euch hier in Salem handgreifliche Denkmalpflege zu betreiben", sagte Archäologe Dr. Frieder Klein am Samstag im Kreis von etwa 20 energiegeladenen, motivierten Jugendlichen, die alle mit Spaten und Schaufeln "bewaffnet" nur darauf warteten, dass es endlich losging.

Die ungewöhnlichen Aktion, die sogar diesen erfahrenen Archäologen des Referats Denkmalpflege beim Regierungspräsidium Tübingen ins Schwärmen brachte, hat mit der zeitlich weit zurückliegenden so genannten "Hallstattzeit" zu tun, als Kelten sich in der hiesigen Region niederließen. Kaum jemand weiß, dass sich in einem Forst nahe Stefansfeld 21 Hügelgräber befinden, obwohl sie eigentlich mit ihren jeweils 16 bis 20 Metern Durchmesser und einer Höhe bis zu vier Metern kaum zu übersehen sind.

Wie kulturhistorisch bedeutend diese Hügelgräber sind, machte Klein bereits am Freitagabend in einem Vortrag im Gartensaal des Schlosses Salem deutlich, denn sie gehören, erzählte Klein, zu den am vorbildlichsten und am besten dokumentierten Hügelgräbern in Süddeutschland. Bereits im Jahr 1830 ließ der archäologisch ambitionierte Markgraf Wilhelm von Baden seinen Forstinspektor Bleibimhaus mit Ausgrabungen beginnen, die bis 1834 gehen sollten.

Die Begeisterung des Markgrafen über die Ausgrabungen spiegelt sein 1834 verfasster Brief an den damaligen Decan Wilhelm in Sinsheim wider, in dem er unter anderem schrieb: "Ich habe die Eröffnung der Gräber () durch Durchschnitte angeordnet und bin immer zugegen gewesen, damit bei Aushebung der sich zeigenden Gegenstände die gehörige Vorsicht beobachtet wurde, bei welcher Gelegenheit ich ein altes Schwert mit Spuren einer Scheide selbst entdeckte, was mir viel Vergnügen machte." In den Jahren 1878 bis 1897 setzte Ernst Wagner, damaliger Direktor der Großherzoglichen Sammlung für Altertums- und Völkerkunde (heute Badisches Landesmuseum Karlsruhe), die Ausgrabungen fort, bei denen alle Fundstücke penibel dokumentiert und in die Sammlung überführt wurden. Darunter waren auch bunte, mit geometrischen Ornamenten verzierte Keramiken aus dem siebten Jahrhundert vor Christus, die so bedeutend sind, dass sie heute in der Fachwelt unter dem Namen "Altsalemer Keramik" ein Begriff sind.

Dass Keltengräber keine "Erdhaufen", sonder unter Schutz stehende, veritable Grabdenkmäler sind, 

Höchstkonzentriert um mit der gebotenen Vorsicht restaurierten bei Salem am Samstag rund 20 Jugendliche ein stark beschädigtes keltisches Hügelgrab.
Bilder: Conrads
Felix Wehking und Anja Eglauer sind die Initiatoren der Restaurierung

haben Kinder, die seit Jahrzehnten eines der Hügelgräber als einen tollen Sandkasten für sich entdeckt und dort kräftigst gebuddelt haben, sicher nicht gewusst. Von den eklatanten Schäden erfuhr Gemeinderat Arnim Eglauer zufällig beim Joggen. Eine Initiative zur Restaurierung schlug vor zwei Jahren fehl. In diesem Jahr hat sich seine Tochter Anja Eglauer zusammen mit Felix Wehking im Rahmen eines Seminarkurses an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule der Sache neu angenommen und generalstabsmäßig die Restaurierung geplant und vorbereitet.

Beide schafften es nicht nur, die Zustimmung des Markgräflichen Hauses als Eigentümer des Areals zu bekommen, sondern mobilisierten 18 Schul- und Vereinsfreunde aus Beuren, Weildorf und Nachbargemeinden als tatkräftige Helfer. Frieder Klein als zuständiger Archäologe des Regierungspräsidiums und ausgewiesener Fachmann für Vor- und Frühgeschichte gab Instruktionen und Hintergrundwissen. Und er sorgte dafür, dass alles fachmännisch richtig gemacht wurde. Ihm, so sagt er, sei es wichtig, dass Denkmalschutz in der Region verankert ist.

 
 
 

BERNHARD CONRADS, Südkurier Überlingen, 17.06.08

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