> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 20. Februar 2008
 

Alternativen zum Abi nach acht Jahren

Informationstag der beruflichen Schulen Überlingen lockt viele interessierte Schüler an

Der Informationstag der Beruflichen Schulen in Überlingen stieß bei vielen Schülern und ihren Eltern auf reges Interesse. Vor dem Hintergrund der Debatte um Stoff- und Arbeitsfülle am achtjährigen Gymnasium (G8) bietet sich für viele Schüler auch die Möglichkeit, nach einem mittleren Bildungsabschluss die Schulzeit an den Beruflichen Schulen fortzusetzen.

Überlingen - Die Berufsausbildung, Weiterbildung oder die Qualifizierung mit dem Abitur ist das Ziel der beruflichen Schulen. Sie erreichen das damit, die Allgemeinbildung zu vertiefen und bereits einen beruflichen Schwerpunkt herauszubilden. Der Weg lockt viele: Nach der Sekundarstufe I (nach Klasse 10) mit dem mittleren Abschluss von einer Haupt- mit Werkrealschule, von der Realschule, vom Gymnasium oder der Berufsfachschule danach, in der Sekundarstufe II, das Abitur in einem beruflichen Gymnasium zu machen. Zwar ist dieser Weg mit neun Jahren so lang wie das frühere reguläre Gymnasium. Dafür aber ein Jahr weniger Stress? Eine Musikschullehrerin drückt es ganz plakativ aus, wenn sie über Hobby-Schüler aus der G8-geprägten, gymnasialen Mittelstufe spricht: "Die Fröhlichkeit scheint ihnen aus dem Gesicht gerückt zu sein."

Vor allem Realschüler, aber auch Schüler des allgemein bildenden Gymnasiums suchten beim Informationstag detaillierte Informationen. Viele wollten sich auch persönlich beraten lassen, wie die Voraussetzungen für einen Wechsel an eines der beruflichen Gymnasien sind - Ernährungswissenschaftliches, Wirtschafts- oder Technisches Gymnasium stehen in Überlingen zur Wahl. Am 28. Februar ist an diesen Schulen Anmeldeschluss für das kommende Schuljahr.

Sehr umfassend, bis hin zu den Arbeitsgemeinschaften, wurde informiert. Etwa durch Elisabeth Croisier, Abteilungsleiterin an der Constantin-Vanotti-Schule. 128 Schüler werden am Gymnasium dieser Schule in die Eingangsklasse 11 aufgenommen. An den beiden anderen beruflichen Gymnasien ist es jeweils die Hälfte (64 Plätze). Nur 15 Prozent dieser Plätze sind bisherigen Gymnasiasten vorbehalten - Zehntklässler mit mittlerem Bildungsabschluss aus anderen Schularten haben Vorfahrt. Trotz oder gerade wegen des Profilfachs "Wirtschaft" mit "Global Studies" und "Wirtschaftsinformatik" als Profilergänzung sind die Fremdsprachen wesentlich. Englisch kann nach der neuen Prüfungsordnung ab 2009 wahlweise Deutsch als schriftliches Prüfungsfach im Kernkompetenz-Bereich des Wirtschaftsgymnasiums ersetzen.

Auf dem Weg zur Information waren auch Susanne Held und ihr Sohn Florian aus Uhldingen-Mühlhofen. Florian besucht eine zehnte, naturwissenschaftliche Klasse am allgemeinen Gymnasium und überlegt, ob er wechseln soll. Natascha Dengler aus Salem, die die zehnte Klasse der Hauptschule mit Werkrealschule am BZ Salem mit der mittleren Reife abschließt,

Angelika Seyfried (links) und Mutter Rita Seyfried (rechts) sowie Schulfreundin Donna Isted (Mitte) informierten sich über die Möglichkeiten der Beruflichen Schule in Überlingen. Bilder: Wieland 
Dominic Renner wechselte aufs WG Arian Mingo ist schon Mechatroniker

informierte sich mit ihrem Vater Dietmar Dengler über ihre weiteren Schul-Möglichkeiten.

Angelika Seyfried und Donna Isted aus Hagnau besuchen die zehnte Klasse an der privaten Mädchenrealschule St. Elisabeth in Friedrichshafen. Die Eltern Hans und Rita Seyfried waren mit zum Informationstag gekommen, denn die beiden Freundinnen wollen nach ihrem Realschulabschluss auf alle Fälle ein berufliches Gymnasium besuchen. Friedrichshafen oder Überlingen? Das WG in Überlingen ist erste Wahl, es liegt von Hagnau aus verkehrsgünstiger, besser erreichbar also, ohne umsteigen zu müssen. Auch will der Sohn von der Berufsfachschule Hauswerk ins EG wechseln. Maren Maier (Klasse 11) aus Leustetten wechselte dieses Schuljahr nach der zehnten Klasse Gymnasium ins WG. Sie erhoffte sich durch den Wechsel - andere Fächer, Räume und Gesichter - mehr Motivation zum Lernen. Arian Mingo aus Taisersdorf, ebenfalls in einer elften Klasse im WG, ist in seiner "Schülervita" mit 20 Jahren etwas älter als die anderen Elftklässler - nach dem Gymnasium in Überlingen und Meersburg sowie der Realschule Überlingen mit Abschluss ließ er sich zum Mechatroniker (mit Lehrzeitverkürzung) bei Geberit in Pfullendorf ausbilden. Im Gegensatz zu vielen anderen kennt er sein Ziel: Ingenieur. Dominic Renner aus Owingen war ebenfalls bereits Gymnasiast und Realschüler. Mit Freunden hat er am Ende der Realschule diskutiert: "Was machen wir weiter - TG oder WG oder das zweijährige Berufskolleg?" Auch sein Weg führte in eine der elften Klassen am Wirtschaftsgymnasium.

 
 
 

Theo Wieland, Südkurier Überlingen, 20.02.08

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