> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 30. Juli 2008
 

Käthe Kollwitz im Kontext

Michael Walz gibt Berufsfachschülern Einblicke in Leben und grafische Arbeiten der Künstlerin

Überlingen - Nicht nur um die Kunst und die Details der Gestaltung ging es Galerist Michael Walz, als er eine Gruppe von Berufsfachschülern durch die aktuelle Ausstellung in der Bahnhofstraße führte. Er stellte die Werke von Käthe Kollwitz in den geschichtlichen Kontext ihrer Entstehung und spürte mit den Schülern dessen Ausdruck in den grafischen Arbeiten der Künstlerin nach. "Das Gute bei Käthe Kollwitz ist", sagt Walz, "man erkennt schnell, was sie sagen will". Die Folgen des Kriegs spiegeln sich in ihren Motiven wider, das Leid und die Verarmung der Gesellschaft, aber auch die Kritik an den Zuständen.

Pädagogin Agnes Langlois hatte eine Ethik-Einheit genutzt, um ihren Schülern die Gelegenheit zu der Kunst-Exkursion zu geben. "Käthe Kollwitz ist die berühmteste deutsche Künstlerin des 20. Jahrhunderts", sagt Michael Walz und nennt als Indiz auch die Tatsache, dass Kollwitz nach den Geschwistern Scholl die häufigst beanspruchte Namenspatin deutscher Schulen ist. Der Kunsthändler schöpfte aus dem Wissen seines Geschichtsstudiums und schuf so das Verständnis für die Themen.

Mit einigen Quizfragen lockerte Walz seinen Ausflug in die Zeit von Käthe Kollwitz auf: Wie viele Kriege gab es im Verlauf des Lebens von Käthe Kollwitz (1867 bis 1944)? Wann gab es eine Revolution in Deutschland? Was ist der Unterschied zwischen einer Galerie und einem Museum? Als Belohnung gab's schließlich einen informativen Comic nach Wahl über einen renommierten Künstler. So ganz nebenbei erarbeitete Walz mit den Berufsschülern Grundkenntnisse über die unterschiedlichen Arbeitstechniken und Genres der Werke von Kollwitz. Sie erfuhren, wie eine

Der Galerist und Kunsthändler Michael Walz in Überlingen erläuterte den Berufsfachschülern das historische Umfeld von Käthe Kollwitz und ging auf ihre wichtigsten Arbeitstechniken ein.
Bild: Walter

Lithographie, eine Radierung und ein Holzschnitt entstehen und woran man sie  unterscheiden kann. Die ganze Wucht des Holzschnitts kommt bei einer kriegskritischen Serie zum Ausdruck, wenn Soldaten blind einem Sog in den Tod folgen; die Nuancen einer Lithographie beim Leiden einer Frau, die vom Tod ihres Mannes erfahren hat und ihre Kinder in die Arme schließt.

Bei Käthe Kollwitz war es Sohn Peter, der freiwillig und mit jugendlichem Überschwang in den Ersten Weltkrieg gezogen und schon am 22. Oktober 1914 starb. Am 30. Oktober notiert es die Künstlerin im Tagebuch. Einem Enkel sollte es im Zweiten Weltkrieg ähnlich ergehen. Die Verbindung von Geschichte und Kunst, die Entdeckung persönlicher Befindlichkeiten in den Werken der Künstlerin hielt die Berufsfachschüler erstaunlich konzentriert bei der Stange.

 

 
 
 

Hanspeter Walter, Südkurier Überlingen, 30.07.08