> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 28. Oktober 2008
 

Erziehen für die Zukunft

Beratungslehrerverband lädt in den Kursaal ein 

Überlingen - „Bildung findet nicht auf dem Gipfel statt, sondern in der Ebene“, schlägt Hansjörg Straub, Lehrer an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule Überlingen, die bildhafte Brücke vom jüngsten Großereignis der Politik in Dresden zu der geplanten Veranstaltung mit dem renommierten dänischen Familientherapeuten Jesper Juul am Bodensee (7. November, 19 Uhr). Straub ist ebenso engagiert im Beratungslehrerverband Baden-Württemberg wie Eckhart Holler von der Realschule, dem es mit der Initiative auch darum geht, „engagierten Pädagogen in der Region immer mal wieder neues Futter zu geben“. Neue Akzente und Impulse zu setzen, das versuchte der Verband schon mit den Veranstaltungen in den vergangenen beiden Jahren und hatte dafür exponierte Vertreter ihrer Zunft gewonnen: zunächst die ehemalige Wiesbadener Schulleiterin Enja Riegel, dann der Ulmer Neurophysiologe, Lernforscher und Autor Manfred Spitzer, der den Kursaal überquellen ließ.

Daran können die Organisatoren Holler und Straub mit der dritten Veranstaltung nahtlos anknüpfen. Auch wenn der dänische Erziehungsexperte im Süden dieser Republik noch nicht ganz so bekannt ist, so genießt Jesper Juul in seiner Zunft vergleichbares Renommee wie seine beiden Vorgänger an gleicher Stätte. Seine Bücher sind schon zu echten Leitfäden für eine ehrliche, authentische und erfolgreiche Erziehung in der Familie geworden. Und daran scheint es nach aktuellen Diagnosen immer häufiger zu hapern – mit dramatischen Konsequenzen für die Bildung. „Jesper Juul geht es um eine Gleichwürdigkeit in den Beziehungen“, sagt Eckhart Holler. Eltern wie Lehrer hätten durch ihre Rolle und Funktion zwar Autorität, erläutert der Pädagoge, doch müssten sie Kinder im Erziehungs- und Bildungsprozess mit deren Problemen Ernst nehmen und ihnen dies auch deutlich machen. „Nein aus Liebe“ lautet der Titel des jüngsten Buches.

Am Tag nach dem Vortrag im Kursaal, der sich mit dem Titel „Erziehen für die Zukunft“ gleichermaßen an Eltern, Erzieher und Lehrer wendet, wird der

Jesper Juul

dänische Familientherapeut in der Schulgemeinschaft Brachenreuthe einen Workshop im kleinen Kreis anbieten. Wie gefragt Jesper Juul ist, hatte sich vor wenigen Wochen beim Bildungskongress des Netzwerks „Archiv der Zukunft“ in Bregenz gezeigt, wo zwei Seminare Juuls schnell ausgebucht waren. Kooperationspartner für die Veranstalter sind die Volksbank und die Stadt Überlingen, die den Kursaal zur Verfügung stellt, ohne dass dadurch das finanzielle Wagnis zu groß wird. „Dafür sind wir sehr dankbar“, betont Hansjörg Straub. Zumal der Verband eine „kleine Initiative“ sei, wie Eckhart Holler sagt, die über den Tellerrand wenig hilfreicher Rezeptbücher zur Erziehung hinaus „eine konstruktive Arbeit und ein bedarfsgerechtes Angebot machen will“.

 
 
 

Hanspeter Walter, Südkurier Überlingen, 28.10.08

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