> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 21. Januar 2009
 

Junge Biker planen ihren Parcours

Jugendliche stellen Planung im Bauausschuss vor

Ein neuer Bike-Park für junge Trendsportler soll am Waldrand in Altbirnau entstehen. Jugendliche erarbeiteten selbst das Konzept für mehrere so genannte „Dirtlines“, erdgebundene Hügelstrecken, bei denen es mal aufs Tempo, mal auf Akrobatik ankommt. Noch im Frühjahr soll die Anlage fertig gestellt werden, deren Kosten sich auf 3000 bis 5000 Euro beschränken.

Überlingen - Als ein Trio der Jugendlichen und Thomas Vogler, Leiter des Grünflächenamts, das Vorhaben jetzt dem Bauausschuss des Gemeinderats vorstellten, fiel dem Gremium die einhellige Zustimmung auch deshalb leicht, weil der Aufwand für die Kommune recht gering ist. Anders als beim Umbau der Skater-Anlage in unmittelbarer Nähe, deren Umfang nach einer Kostenexplosion bei den Anbietern wieder reduziert werden musste, um mit den zur Verfügung stehenden 200 000 Euro auszukommen.

Da hört sich die erforderliche Summe für den kleinen „Dirtpark“ schon wesentlich überschaubarer an. Dafür sorgten auch die interessierten jungen Trendsportler selbst, die selbst einen Plan entwarfen und ein Modell bastelten, um das Vorhaben anschaulich zu machen. Sie haben mit der Firma Schrodin einen Unterstützer gefunden, der bei der notwendigen Drainage hilfreich zur Seite steht. Auch bei der Realisierung und bei der späteren Pflege wollen sie selbst mit Hand anlegen. „Das Erdmaterial bekommen wir vom Fuhrunternehmer“, sagt ihr Mentor Thomas Vogler. „Bei den Kosten schlagen vor allem die Baggerstunden zu Buche.“

Derzeit müssen die Jugendlichen weit fahren, um ihr sportliches Hobby ausüben zu können. „Die nächsten Anlagen sind in Friedrichshafen und Tettnang“, sagt Stefan Furcho, der mit seinem Bruder Philipp Furcho (16) und Markus Gerstenberg (18) zu der engagierten Gruppe gehört. „Das geht nur am Wochenende“, sagen die Schüler, die allesamt das Technische Gymnasium an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule besuchen: „Wenn wir in Überlingen eine Anlage haben, können wir auch am Nachmittag mal raus.“ Deshalb haben die Jugendlichen selbst die Initiative ergriffen.

Im Gespräch war zunächst das ehemalige Versuchsgelände der Firma Kramer an der Owinger Straße gewesen. Doch inzwischen hat die Stadt vom Landratsamt die Auflage bekommen, das ehemalige Deponiegelände binnen drei bis fünf Jahren richtig zu rekultivieren. Geplant ist die Anlage daher nun auf einer Fläche von knapp tausend Quadratmetern unmittelbar am Waldrand hinter dem Trainingsplatz des FC 09 Überlingen. Vom Naturschutz seien keine Einwände gekommen, betont Thomas Vogler, zumal keinerlei Flächenversiegelung vorgenommen wird und die modellierte Hügelstrecke aus lehmig-sandigem Boden bestehen wird.

Drei parallele Strecken sind geplant, die jeweils nur in eine Richtung befahren werden. Auf zwei flüssig modellierten Lines kann man ordentlich Gas geben, die so genannte Northshore Line bietet mit ihren Hindernissen und Plattformen aus Holz auch Gelegenheit zu artistischen Experimenten. Beim Bau muss zunächst die Grasnarbe abgetragen werden, um einen stabilenUntergrund zu bekommen. Dann werden mit dem Bagger aus lehmig-sandigem Boden die Hügel – „Tables“ und 

Stets engagiert für junge Trendsportler ist Thomas Vogler (links), Leiter des Grünflächenamts. In Eigenarbeit haben die Jugendlichen Stefan Furcho, Philipp Furcho und Markus Gerstenberg (von links) ein Modell für den „Dirtpark“ gebastelt.
Bild: WALTER

„Doubles“ – modelliert, gefestigt und mit Brechsand abgedeckt, um auch mit Reifengriff fahren zu können, wenn es feucht ist. Gefahren werden kann hier mit kleineren Mountainbikes oder auch BMX-Rädern, die anschließend allerdings reif für die Waschanlage sein können.

„Optisch sieht das schon etwas wild aus“, warnte Thomas Vogler im Bauausschuss schon einmal vor, der mit den Jugendlichen die Anlagen in Friedrichshafen und Tettnang besichtigt hatte. Das Gremium war durchaus angetan von dem Engagement und auch OB Volkmar Weber sah darin eine „schöne Geschichte“. Gut sei es, wenn die Jugendliche die Verantwortung für die Strecke übernähmen, sagte Stadtrat Reinhard Weigelt (FDP). Günther Hornstein (CDU) bat lediglich um die Klärung von Haftungsfragen, ansonsten passe das Vorhaben „gut zu einem jugendfreundlichen Überlingen“, erklärte Michael Wilkendorf (SPD).

   

Sprache
Man spricht Englisch in den Trendsportarten. Doch selbst in Online-Sprachlexika sind viele Begriffe noch nicht aufzufinden. Doch „Dirt“ heißt „Dreck“, so viel steht fest. Und im Gegensatz zu den so genannten Freeridern auf dem Mountainbike, die durch die Wälder oder auf speziellen Strecken über Berghänge düsen, ziehen diese jungen Sportler feste Anlagen vor.

Dirtbike
So heißt die Sportart und so heißen auch die speziellen Fahrräder, mit denen man sie ausübt. Meist sind es kleine Mountainbikes, doch auch die noch kleineren BMX-Räder, die für akrobatische Kunststücke geeignet sind, werden dafür benutzt.

Dirtpark
Das ist eine Anlage mit verschiedenen Strecken, die nur aus verfestigten Erdhügeln bestehen. Gegen zu große Rutschgefahr werden sie mit einer Verschleißschicht aus Brechsand abgedeckt.

Dirtline
So werden die einzelnen Strecken genannt, die in einer Richtung auf Tempo befahren werden können. Hier gibt es zum Beispiel Tables zum Überfahren und Doubles mit Absprung- und Landerampe für weitere Flüge. Für akrobatische Kunststücke ausgelegt ist die North Shore Line, im Verlauf derer es verschiedene Holzrampen gibt.

 
 
 

HANSPETER WALTER, Südkurier Überlingen, 23.01.09

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