> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 10. Juli 2009
 

Auf den Spuren jüdischer Mitbürger

Jüdische Kulturtage vom 03. - 06. September

Die Begegnung von Menschen steht auch bei den zweiten Jüdischen Kulturtagen Überlingen ganz im Mittelpunkt. Ausstellungen und Lesungen, Musik und Schauspiel prägen die Veranstaltungen von 3. bis 6. September.

Überlingen - Die positive Resonanz auf die Premiere der „Jüdischen Kulturtage“ im Vorjahr hatte die Initiatorin Karin Walz und ihre Mitstreiter Oswald Burger und Thomas Hirthe veranlasst, gleich eine Neuauflage zu planen. Künftig sollen die Kulturtage allerdings im zweijährigen Turnus stattfinden, im Wechsel mit der Überlinger Kunstnacht. Dass die Initiative auch sonst auf fruchtbaren Boden gestoßen ist, beweist die Zahl der Unterstützer, die dem Projekt gewogen sind und sich beteiligen. Volksbank und Sparkasse sind wieder mit ihm Boot, die Galeristen Michael und Christina Walz, Simeon Blaesi von der „Bühne Überlingen“ und Matthias Becht von der Firma Travel Artist Project, das Kino Überlingen und die Evangelische Freikirche Lindenwiese. Auch Stadtrat Lothar Fritz als Vertreter der Oberbürgermeisterin und Thomas Götz von der Kur und Touristik Überlingen GmbH zeigten sich angetan von dem Engagement.

„Es hat sich aus der Initiative schon ein kleiner Freundeskreis entwickelt“, sagt Karin Walz. Doch seien weitere Helfer „gerne gesehen“. Insbesondere wünschten sich die Veranstalter, dass noch mehr jüdische Personen teilnehmen. Einen prominenten Gast haben die Jüdischen Kulturtage gleich zum Auftakt mit dem 89-jährigen Max Mannheimer, der mit seinen Bildern unter dem Künstlernamen Ben Jakov eine Ausstellung in der Volksbank-Galerie bestreitet. „Für uns ist die Vernissage zugleich die Eröffnung der neuen Galerie“, erklärte Michaela Quetsch. Fotografien aus Tel Aviv steuert Karin Walz für eine Ausstellung im Kursaal bei.

Nach Martin Buber im Vorjahr rückt dessen Frau Paula bei einer Lesung in der nach ihm benannten 

Drei „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig  vor dem Bauamt  erinnern heute an den ehemaligen Landrat Hermann Levinger.
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Überlinger Jugendherberge in den Mittelpunkt, um das Schicksal jüdischer Frauen gehrt es auch bei einer Stadtführung mit Oswald Burger. Eine davon ist Barbara Levinger, die mit ihrem Vater, dem ehemaligen Landrat Hermann Levinger, bis 1930 im heutigen Bauamt gewohnt hatte. Mit dem gemeinsamen Selbstmord waren sie im Dezember 1944 in Würzburg einer bevorstehenden Deportation zuvor gekommen. Drei „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig erinnern heute vor dem Bauamt an deren Geschichte.

Einen Begegnung im Sinne Bubers wird auch mit Israel selbst angestrebt. Im Gespräch ist in einer Gruppe von Gemeinderäten verschiedener Fraktionen ein Schüleraustausch zwischen dem Bodensee und dem See Genezareth und zwar nach Migdal bei Tiberias. Als Fernziel denke man auch an eine Städtepartnerschaft, sagte Lothar Fritz. Nägel mit Köpfen macht Oswald Burger schon im kommenden Frühjahr. Er will mit einer elften Klasse des Technischen Gymnasiums an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule eine Reise nach Israel machen. Im Herbst 2010 ist der Gegenbesuch vorgesehen.

 
 
 

Südkurier Überlingen, 10.07.09

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