> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 10. Juli 2009
 

Spaß haben bei Limo und Chips

Überlinger Jörg-Zürn-Gewerbeschüler nehmen an Alkoholpräventionswochen teil

Jörg-Zürn-Gewerbeschüler nehmen an Alkoholpräventionswochen teil. Die Aktion des Christlichen Jugenddorfwerks Deutschlands (CJD) findet in Überlingen unter der Leitung von Hanim Heim und Jörg van de Loo statt.

Überlingen - Er habe in betrunkenem Zustand einmal versucht, ein Weizenglas an seinem Kopf zu zerdeppern und sei daraufhin mit Platzwunde ins Krankenhaus eingeliefert worden, berichtet ein Schüler der Jörg-Zürn-Gewerbeschule Überlingen bei einer Gesprächsrunde im Rahmen der Alkoholpräventionswoche.

Die Alkoholpräventionswoche ist eine Aktion des Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) und findet in Überlingen unter der Leitung von Hanim Heim und Jörg van de Loo statt.

Ein anderer Schüler erzählt: „Ich hab mal so ein alkoholisches Zuckerzeug getrunken und es hat mich gedreht, als mir meine Mutter die Tür aufgemacht hat. Dann musste ich ins Krankenhaus.“ Hanim Heim warnt die Schüler: Es sei bewiesen, dass Alkohol und Gewalt in engem Zusammenhang stehen. Und: „Wenn ihr mal eine Strafanzeige habt, dann verbaut ihr euch viele Berufschancen. Überlegt mal, ob es euch das wert ist.“

Als Heim fragt, wie viele der anwesenden Jugendlichen täglich Alkohol konsumieren, meldet sich keiner. Aber einer antwortet: „Ich trinke nur etwa einmal im Monat. Aber dann gleich für 200 bis 300 Euro.“ Ob die Eltern das denn erlauben, fragt Hanim Heim und ein junger Mann antwortet: „Mein Vater würde mich gegen die Wand klatschen, wenn er das wüsste.“ Sein Klassenkamerad meint hingegen: „Was will meine Mutter schon machen?“

Und wie kommen gerade die unter 18-Jährigen an harte Alkoholika wie Wodka?, will Manuela Saier von der Kompetenzagentur, die das CJD bei der Alkoholpräventionswoche unterstützt, wissen. „Ich kauf es einfach, egal wo, ich krieg das Zeug immer und wenn nicht, dann bin ich mit Freunden unterwegs, die volljährig sind und mir den Alkohol einfach kaufen“, prahlt ein Schüler.

So einfach sei das nicht, meint ein anderer und sagt. „im Aldi ist es übel geworden“, was wohl soviel heißen soll, dass es in der Discounterkette für Minderjährige nicht leicht ist, an Alkoholika zu gelangen.

Man kann auch ohne Alkohol Spaß haben. Nämlich bei Cola, Fanta und Chips. Beim Planspiel „Voll die Party“ will Hanim Heim (links) den Jugendlichen Gruppenzwänge im Zusammenhang mit Alkoholkonsum aufzeigen, so wie auf dem Bild in der Jörg-Zürn- Gewerbeschule Überlingen.
Bild: Bast 

Betrunkene Mädchen finden die Jungs im Übrigen doof, wie sie lauthals verkünden: „Besoffene Mädchen sind eklig, das gehört sich nicht“, findet ein Jugendlicher. Mädels fänden Jungs, die betrunken sind und rumlallen aber auch blöd, das sei deutlich geworden, als sie mit den Mädchen der Justus-von-Liebig-Schule diskutiert habe, berichtet Heim. So ganz glauben können oder wollen die Jungs das nicht. Als Heim allerdings fragt, was man denn tun kann, um gar nicht erst zu viel Alkohol zu trinken, meint ein Jugendlicher: „Sich eine Freundin anschaffen. Die kontrolliert einen dann schon.“

Vor der Diskussionsrunde haben die Jungs in dem Planspiel „Voll die Party“ gelernt, wie sehr sozialer Druck beim Trinken zum Alkoholmissbrauch führen kann. Mit Hilfe von Fanta, Limo und Crackern wurde eine Partystimmung geschaffen. Statt Alkohol bekamen die Jungs aber Plastikchips, an denen man nach dem Spiel ersehen konnte, wie viel „Alkohol“ sie konsumiert haben. Manche Teilnehmer blieben ganz „nüchtern“, andere tranken im Spiel so viel, dass sie im „Krankenhaus“ landeten.

Nach Vorstellung der Spielemacher soll „Voll die Party“ aufzeigen, wie ein möglicherweise vorhandener Vorsatz, nicht viel zu trinken, von der Gruppe und der entstehenden lockeren Stimmung verwässert und über Bord geworfen werden kann.

 
 
 

EVA-MARIA BAST, Südkurier Überlingen, 09.07.09

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