> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 15. Juni 2009
 

Nach Mitternacht kribbelt´s am Computer

Schüler der Jörg-Zürn-Gewerbeschule Überlingen testen eine Nacht lang verschiedene Spiele

Überlingen - Mit einer LAN-Party testeten 40 Schüler der Jörg-Zürn-Gewerbeschule Überlingen zusammen mit Techniklehrer Thomas Busch verschiedene Computerspiele. Ziel war es, ohne die in Verruf geratenen Ego-Shooter-Spiele durch die Nacht zu kommen. Das hat letztlich aber dann doch nicht ganz geklappt.

Meterlanges Kabelgewirr, vierzig Computer und drei abgedunkelte Klassenräume haben für eine besondere Atmosphäre in der Jörg-Zürn-Gewerbeschule gesorgt. Auf Wunsch seiner Technikschüler organisierte Busch die LAN-Party.

Es war die dritte Veranstaltung, die der Lehrer gemacht hat. Die letzten beiden Jahre hat er ausgesetzt, wegen tragischer Vorkommnisse wie des Amoklaufs an der Erfurter Schule. Die Motivation der Amokläufer wurde auch auf gewaltverherrlichende Spiele zurückgeführt, nicht ausschließlich zwar, aber doch belastend. Vor allem für die Jugendlichen, die einfach nur Spaß am Computerspiel haben wollen, wollte Busch eine Veranstaltung wagen. „Ich habe die Schüler gefragt, ob sie sich eine LAN-Party auch ohne Ego-Shooter vorstellen können“, erläutert er. Zu seiner Verwunderung haben die Schüler dies bejaht. Für die schulische LAN wurden die Killerspiele in der Egoperspektive ausgeschlossen.

Im Groben habe er sein Ziel erreicht, zieht Busch Bilanz nach einer durchspielten Nacht. Bereits beim Aufbau war soziales Miteinander gefragt, technisches Verständnis und das alles in Vereinbarkeit mit der Schule. Schuladministrator Rafael Foitzik stand seinem Kollegen während dieser privaten Schulveranstaltung zur Seite. Er sorgte dafür, dass nichts über den Schulserver lief und er agierte als technischer Ansprechpartner beim Vernetzen und Verkabeln. Ab 17 Uhr haben die Jungs zwischen 16 und 20 Jahren ihre eigenen PCs und Laptops aufgebaut, Spiele ausgetauscht und sich gegenseitig Tipps gegeben. Zu dieser Zeit waren sie noch voll der Überzeugung, tatsächlich auf Ego-Shooter verzichten zu können. Um 22 Uhr spielten sie gegeneinander Fußball im virtuellen Raum oder Autorennen in vielerlei Varianten. Es gab viel zu lachen, die Jungs hatten Freude beim Spiel und wer glaubt, bei einer LAN-Party sitzen alle still vor ihrem Bildschirm und stieren vor sich hin, der sah sich getäuscht. Da war Bewegung im Raum, sie luden sich gegenseitig ein, mitzuspielen, es gab Absprachen, wer als nächstes ins Spiel 

Da spielten sie völlig vernetzt und verkabelt, eine ganze Nacht lang. Die Computerfreaks der Jörg-Zürn-Gewerbeschule Überlingen saßen inmitten von Kabelgewirr, Sprudelflaschen, Tastaturen und Joysticks am PC.
Bild: Kopp

einsteigen durfte. Bei den etwas schwierigeren Strategiespielen kamen dann die erfahreneren Spieler zum Zug. Da war Konzentration und Übung gefragt. Zu trinken hatten die Lehrer Kaffee, Cola und auch einige gesündere Flüssigkeiten, selbstredend ohne Alkohol. Die Nacht sollte ja noch lang werden. Mit dem LAN-Manager, einem eigens entwickelten Programm für solche Partys konnten die Initiativen um Pizzaservice und dergleichen zwischen allen Teilnehmern abgefragt und ausgeführt werden. Deshalb war es wenig verwunderlich, im Laufe der Nacht in den halbdunklen Räumen auf leere Pizzakartons zu stoßen.

„So gegen zwei Uhr nachts kam der große Einbruch“, erläutert Thomas Busch. Da hatte jeder genug von Autorennen und Fußball. Außerdem wollten einmal alle zusammen spielen. Mit Strategiespielen wäre das zwar auch möglich, doch die sind nach Buschs Darstellung für Anfänger zu schwierig. Als sie die Spiele durchgegangen sind, gab es nur eines, das die Kriterien „spannend“, „einfach gestrickt“ und „technisch machbar“ erfüllte: Counter-Strike. Da konnten alle 40 Jungs mitspielen. „Es gibt weitaus schlimmere Sachen“, sagt Thomas Busch. Er sieht dieses Spiel nicht als gewaltverherrlichend und dessen Einsatz nicht als misslungen seiner Veranstaltung an. Im Gegenteil, er habe beim Frühstück mit seinen Schülern darüber geredet. Das Ergebnis: Gäbe es auf dem Markt ein Spiel mit anderem Inhalt, aber ebenfalls einfach gestrickt und trotzdem spannend, dann würden die Jungs sofort ein anderes Spiel wählen. Und Busch: „Das wäre eine echte Marktlücke für Spieleentwickler.“

   

4 Fragen an...

Thomas Busch, Techniklehrer an der Jörg-Zürn-Gewerbeschule Überlingen

Weshalb haben Sie diese LAN-Party organisiert?

Ich will zeigen, dass auch mit LAN ein schulisch sozialer Event möglich ist, bei dem die Schüler mit viel Spielspaß auch Computertechnik erfahren können. Es macht mir Freude, mit vierzig Jugendlichen etwas zusammen zu machen.

Was finden Sie an Computerspielen so toll?

Mich interessiert die Umsetzung der Grafik. Das sind oft Sachen, die für den Spielverlauf keine Bedeutung haben. Außerdem fasziniert mich die Weite der virtuellen Welt.

Wann gibt es die nächste LAN-Party?

Das weiß ich noch nicht. Es kommt immer auf die Klassen an. Die jetzige Klasse hat so eine Party durch ihr Engagement und ihre Einstellung zum Computerspiel möglich gemacht.

Sie fanden die Idee, eine LAN-Party auch ohne Ego-Shooter wie Counter-Strike zu organisieren jedenfalls toll.

Im Vorjahr war ich froh, dass diese LAN-Party noch keine Tradition hat. Mit diesen Schülern wäre es nicht möglich gewesen.

Fragen: Angelika Kopp

   

 

 

          

Hintergrund: Counter-Strike 

Counter-Strike ist ein Computerspiel für den PC, das besonders durch LAN-Partys und das Internet bekannt wurde. Seit dem Jahr 2000 gilt es als das bekannteste und meistgespielte Online-Actionspiel, auch im elektronischen Sport. In dem Ego-Shooter geht es um Gefechte zwischen Terroristen und einer Antiterroreinheit, bei denen bestimmte Auftrge erfüllt werden müssen.

Die Mitspieler können wählen, ob sie gut oder böse durch die virtuelle Welt gehen wollen. Die Bösen nehmen Geiseln, legen Bomben und haben andere Gemeinheiten im Gepäck. Die Guten befreien die Geiseln oder entschärfen die Bombe. Alles nach Regeln, trotzdem so einfach, dass auch Anfänger recht schnell mit wenigen Tastenklicks vorne mitmischen können. Es darf geschossen werden, Gut gegen Böse und natürlich auch umgekehrt. Counter-Strike hat nicht die ausgefeilteste Grafik, doch es zählt zu den Ego-Shootern. (ako)

   

 
 
 

Angelika Kopp, Südkurier Überlingen, 15.06.09

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