> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 11. März 2009
 

Lehrer stellen sich dem Problem

Alkohol an Schulen: Pädagogen bilden sich bei Fachtagung fort und bereiten Aktionstag vor

Überlingen - Das Lehrerkollegium der Jörg-Zürn-Gewerbeschule befasste sich einen Tag lang mit dem brisanten Problem des Umgangs mit Alkohol. Nicht erst in der vergangenen Fasnet, sondern auch bei Festen, Studienfahrten und im schulischen Alltag müssen Lehrer immer neu entscheiden, wo die Grenzen zu ziehen sind. Die Lehrerkollegien der Jörg-Zürn-Gewerbeschule und der benachbarten Justus-von-Liebig-Schule hatten dieses Jahr ihre Türen am „Schmotzigen Dunschdig“ verschlossen und die Schüler ausgesperrt – nachdem es an diesem Fastnachtstag im Jahr zuvor alkoholbedingt zu solchen Ausschreitungen von Schülern kam, dass sogar die Polizei eingreifen musste.

Bei der Lehrerfortbildung im Schwesternheim der Diakonissen in Fischbach referierten Fachleute aus ihrem alltäglichen Umgang mit dem Alkohol. Harald Reiners von der Polizeidirektion Friedrichshafen führte in die Problematik ein, definierte Sucht und beschrieb die Rolle der Polizei. Er rief den Pädagogen die geltenden Jugendschutzbestimmungen in Erinnerung und forderte von ihnen mehr Zivilcourage bei der Reaktion auf alkoholisierte Jugendliche.

Dr. Suleimanjar, Kinder- und Jugendarzt im Klinikum Friedrichshafen, beschrieb drastisch, wie in der Klinik mit Kinder und Jugendlichen umgegangen wird, die wegen Alkoholvergiftungen eingeliefert werden. Die psychologische Seite der Sucht beleuchtete der Psychotherapeut und Suchttherapeut Harald Stolzke von der Fachklinik Ringgenhof, in der er alkohol- und drogenabhängige Männer behandelt. Seine Schilderungen aus dem Umgang mit Süchtigen boten den Pädagogen beispielhaft Handlungsmuster für ihre alltäglichen Herausforderungen. Schließlich machte der Leiter der Jugendagentur des Landkreises Konstanz Hoffnung auf einen gelungenen Umgang mit Alkohol in unserer Gesellschaft. Der Sozialarbeiter Stefan Gebauer schilderte das Projekt „b.free“, das vor sechs Jahren von den Rotary Clubs des Kreises Konstanz gegründet wurde. Inzwischen ist es zu einem flächendeckenden kommunalpolitischen Handlungsprogramm geworden, bei dem alle

Auf der Suche nach Lösungen für das Problem Alkohol an der Schule: Die Lehrer der Jörg-Zürn- Gewerbeschule, die dieses Jahr zum "Schmotzigen Dunschtig" ihre Schüler ausgesperrt hatte.  

wichtigen Institutionen der Gesellschaft mitwirken: Schulen, Ärzte, Eltern, Vereine, Handel, Gaststätten, Polizei, Politik und Presse. Das Präventionsprojekt „b.free“ bringt alle Beteiligten  und Betroffenen zusammen, stellt Aktionen auf die Beine und fand weite Beachtung. Es könnte Vorbild für eine ähnliche Vernetzung im Bodenseekreis sein.

Praktische Ziele der Lehrerfortbildung in Fischbach waren es, einen Aktionstag innerhalb der Schule vorzubereiten, an dem sich die ganze Schule mit dem Problem Alkohol befassen soll, und eine verbindliche Vereinbarung in Bezug auf den Umgang mit Alkohol zu erarbeiten. In Gruppen wurden Vorschläge ausgearbeitet, die in der nächsten Lehrergesamtkonferenz diskutiert und beschlossen werden sollen. Selbstverständlich gehört zu diesen Regeln ein Verbot des Alkohols auf dem Schulgelände. Strittig ist, wo die Grenzen bei Studienfahrten gezogen werden. Ob auch der klassische Umtrunk aus Anlass von runden Geburtstagen im Lehrerzimmer in Zukunft mit Wasser und Säften stattfinden wird? Eigentlich sollen die Lehrer Vorbilder sein.

      
 
 
 

Südkurier Überlingen, 11.03.09

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