> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 17. März 2009
 

Vorbildliche Lehrer

Schulen erarbeiten Aktionsplan gegen Alkohol

Überlingen - Alkohol und Schule: Das Lehrerkollegium der Jörg-Zürn-Gewerbeschule befasst sich derzeit intensiv mit der Frage, wie dem Problem Alkohol begegnet wird. „Nicht erst in der vergangenen Fasnet, sondern auch bei Festen, Studienfahrten und im schulischen Alltag müssen Lehrer immer neu entscheiden, wo die Grenzen zu ziehen sind", schreibt dazu Oswald Burger, Lehrer an der Gewerbeschule.

Passend dazu besuchten die Lehrer jüngst eine Fortbildungsveranstaltung. Harald Reiners von der Polizeidirektion Friedrichshafen führte in die Problematik ein, definierte Sucht und beschrieb die Rolle der Polizei. „Er rief den Pädagogen die geltenden Jugendschutzbestimmungen in Erinnerung und forderte von ihnen mehr Zivilcourage bei der Reaktion auf alkoholisierte Jugendliche", heißt es dazu im Pressetext von Oswald Burger.

Dr. Suleimanjar, Kinder- und Jugendarzt im Klinikum Friedrichshafen, beschrieb drastisch, wie in der Klinik mit Kinder und Jugendlichen umgegangen wird, die wegen Alkoholvergiftungen eingeliefertwerden. Die psychologische Seite der Sucht beleuchtete der Psychotherapeut und Suchttherapeut Harald Stolzke von der Fachklinik Ringgenhof, in der er alkohol- und drogenabhängige Männer behandelt. Seine Schilderungen aus dem Umgang mit Süchtigen boten den Pädagogen beispielhaft Handlungsmuster für ihre alltäglichen Herausforderungen. Schließlich machte der Leiter der Jugendagentur des Landkreises Konstanz Hoffnung auf einen gelungenen Umgang mit Alkohol in unserer Gesellschaft.

„Nicht erst in der vergangenen Fasnet, 
sondern auch bei Festen, Studienfahrten und im schulischen Alltag müssen Lehrer immer neu entscheiden, wo die Grenzen zu ziehen sind."


Oswald Burger, Lehrer an der Gewerbeschule

Der Sozialarbeiter Stefan Gebauer schilderte das Projekt „b.free", das vor sechs Jahren von den Rotary-Clubs des Kreises Konstanz gegründet wurde. Inzwischen ist es zu einem flächendeckenden kommunalpolitischen Handlungsprogramm geworden, bei dem alle wichtigen Institutionen der Gesellschaft mitwirken: Schulen, Ärzte, Eltern, Vereine, Handel, Gaststätten, Polizei, Politik und Presse. Das Präventionsprojekt „b.free" bringt alle Beteiligten und Betroffenen zusammen, stellt Aktionen auf die Beine und fand weite Beachtung. „Es könnte Vorbild für eine ähnliche Vernetzung im Bodenseekreis sein", lautet Burgers Hoffnung.

Praktische Ziele der Lehrerfortbildung in Fischbach waren es, einen Aktionstag innerhalb der Schule vorzubereiten, an dem sich die ganze Schule mit dem Problem Alkohol befassen soll, und eine verbindliche Vereinbarung in Bezug auf den Umgang mit Alkohol zu erarbeiten. Selbstverständlich gehört zu diesen Regeln ein Verbot des Alkohols auf dem Schulgelände. Strittig ist, wo die Grenzen bei Studienfahrten gezogen werden. Ob auch der klassische Umtrunk aus Anlass von runden Geburtstagen im Lehrerzimmer in Zukunft mit Wasser und Säften stattfinden wird? Burger: "Eigentlich sollen die Lehrer Vorbilder sein."

      
 
 
 

Südkurier Überlingen, 17.03.09

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