> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 29. Januar 2009
 

Von Kohlendioxid und Klimakatastrophe

Multivision mit einer Mission: Bund für Umwelt- und Naturschutz will Bewusstsein der Schüler schärfen

„Was für ein Auto fahren Sie denn? Und wie heizen Sie?“ – „Was tut die Gemeinde hier für den Klimaschutz?“ Die Schüler vom Technischen Gymnasium der Jörg-Zürn- Gewerbeschule waren interessiert, diskussionsfreudig und teilweise sehr gut informiert, auch wenn noch nicht alle dem mittlerweile akzeptierten Mainstream der Klimaforschungswelt bedingungslos folgen wollten.

Überlingen - Sie hatten die ebenso beeindruckenden wie erschreckenden Bilder der Multivision „Klima & Energie“ gesehen, die im Auftrag des Bund für Umwelt- und Naturschutz durch die Republik tourt und die Jugend über die Gefahren der Klimaerwärmung informieren will: schmelzende Gletscher und tobende Stürme, warme Meere und vertrocknende Landstriche.

„Eines ist sicher“, sagt Moderator Björn Wiele am Ende: „Wir müssen unser Verhalten ändern und unseren Energieverbrauch umstellen.“ Ob dies bei den Jugendlichen hilft, wo selbst vermeintlich überzeugte Klimaschützer in der Politik plötzlich ganz andere Probleme haben? „Nur fünf Prozent des Kohlendioxids sind vom Menschen produziert“, kontert Abiturient Philipp Englhardt. „Viel mehr wird aus dem Meerwasser direkt freigesetzt.“ Allerdings gilt hier: Je wärmer das Wasser desto mehr wird frei.

„Können Sie mir ein Quellenverzeichnis geben, wo Sie Ihre Informationen her haben“, will es Philipp Englhardt genau wissen. Immerhin kennt er auch den optimalen Winkel der Rotorblätter bei Windrädern. „Mir ist lieber, wenn Ihr mir Kontra gebt“, sagt Moderator Wiele anschließend, „als wenn alle dasitzen und nur alles schlucken.“ Wenn er nicht alle naturwissenschaftlichen Fragen beantworten könne, bat er um Verständnis. Er sei diplomierter Politologe und kein Physiker.

„Wie teuer ist denn Ökostrom?“ lautete eine andere Frage der kritischen Schüler. In mehr als 100 Städten Deutschlands sei er schon billiger als der konventionelle Mix, kann der Moderator die Erkenntnisse der Verbraucherzentralen weiter geben. Ökostrom produziert die Schule selbst seit vergangenem Jahr mit einer Photovoltaik-Anlage, die der Förderverein finanzierte. „Da hätte es noch Platz für die Stadtwerke“, monierte Physiklehrer Hermann Dietrich. Doch die habe kein Interesse gezeigt.

Für eine direkte Replik kam Stadtwerkechef Klaus Eder, der sich an der dritten Session mit den Schülern der Constantin-Vanotti-Schule beteiligte, 

Die größte Gruppe kam von der Constantin- Vanotti-Schule zur Multivionsschau „Klima & Energie“.
Bilder: WALTER
Kritischer Schüler vom Technischen Gymnasium: Philipp Engelhardt.
„Wir müssen unser Verhalten ändern“: Moderator Björn Wiele.

allerdings zu spät. „Wir haben die Anlage des Fördervereins in der Schule doch sogar mit Material  unterstützt“, sagte Eder. „Doch bevor wir dort selbst eine Anlage installieren, wollen wir dies im Verlauf  des Jahres auf unserem eigenen Dach in der Kurt-Wilde-Straße tun.“

Dass die Stadtwerke die Herausforderung angenommen haben, hatte Klaus Eder an anderer Stelle schon deutlich gemacht. In den nächsten Jahren wollen sie den Anteil regenerativer Energiequellen für ihren Strom von derzeit 24 Prozent auf 50 Prozent steigern.

Die Eingangsfrage wollen wir auch nicht unbeantwortet lassen: Privat ist der Moderator tatsächlich ein Vorbild und hat gar kein Auto; hart treffe es ihn allerdings, erklärt Wiele glaubhaft, dass sein Vermieter mit Heizöl fossile Energieträger verbrennt.

Klima und Energie

Das Bildungsprojekt Multivision „Klima & Energie“ ist im Auftrag des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) entstanden. Es war im Vorjahr an den Meersburger Schulen und ist derzeit wieder am Bodensee unterwegs. In Überlingen waren die Realschule, die Constantin-Vanotti- und die Jörg-Zürn- Gewerbeschule zu Gast, heute sind die Schüler am Bildungszentrum Salem an der Reihe und dann folgt Markdorf. Das Projekt informiert Jugendliche über den Klimawandel als Folge der Nutzung fossiler Energieträger sowie über die Möglichkeiten und Chancen der erneuerbaren Energien.

Für die Initiatoren steht fest: Eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine Energiewende ist, dass insbesondere Jugendliche sich selbst als Akteure für eine zukunftsfähige Entwicklung wahrnehmen und die nötigen Veränderungen in der Energieversorgung mittragen. Doch trotz der intensiven Berichterstattung hätten viele Jugendliche kaum Wissen über Ursache und Wirkung des Klimawandels und was getan werden kann. (hpw)

 
 
 

HANSPETER WALTER, Südkurier Überlingen, 29.01.09

nach oben