> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 24. März 2010
 

Völkermord als Unterrichtsthema

Buchautor Rainer Wochele spricht mit der 11. Klasse des Technischen Gymnasiums über sein Werk „Der General und der Clown“

Überlingen - „Die erste Seite ist wichtig, weil sie sozusagen den seelischen Vertrag mit dem Leser herstellt“, sagt der Buchautor Rainer Wochele, der im Deutschunterricht von Hansjörg Straub mit der 11. Klasse des Technischen Gymnasiums Überlingen sein Buch „Der General und der Clown“ vorstellt. Das Buch erzählt von dem traumatisierten Kommandeur der UN-Truppen, der 1994 bei den Massakern in Ruanda untätig zusehen musste. Den interessierten Fragen nach zu schließen sind die Schüler, die das Buch derzeit im Deutschunterricht mit Hansjörg Straub besprechen, gefesselt von der Handlung und erschüttert vom Völkermord in Ruanda. Wie er denn in Ruanda aufgenommen wurde, fragt ein Schüler den Autor, der zu Recherchezwecken dorthin gereist war. „Überaus freundlich“, antwortet Wochele. „Die Leute öffnen sich, die Leute sprechen von sich. Sie gehen mit ihrer Vergangenheit sehr ernsthaft um und wollen wirklich aufarbeiten, was sie erleben mussten.“

Wochele erzählt von einer Gedenkstätte an den Völkermord, die er in Ruanda gesehen hat. Von Schädeln, in denen man noch den Einschlag der Macheten sieht. Und davon, dass zwischen den Bänken in der Gedenkstätte die „Überreste“ von hunderten Menschen liegen, die dort umgebracht wurden. „Kleider, Schuhe, Knochen. Das springt einen an in einer Weise, die nur schwer aushaltbar ist“, sagt Wochele. Aber genau das sei die Aufgabe des Schriftstellers. Die Augen nicht zu verschließen. Hinzusehen. „Er muss auf die Wirklichkeit schauen, egal wie schrecklich sie ist.

“Wie viel im Buch Realität und wie viel Fiktion ist, fragt ein Schüler. Wochele antwortet: „Ein Roman ist ein fiktives Gebilde, aber der Autor baut es mit

Nach seiner Lesung signierte Autor Rainer Wochele für die Schüler und für Lehrer Hansjörg Straub (hinten rechts) seine Bücher. 
Bild: Bast

Bausteinen aus der eigenen Erfahrung und der Wirklichkeit. Er muss sich vollsaugen mit der Wirklichkeit.“

Eine Schülerin will wissen: „Haben Sie sich davor auch schon mit Völkermord befasst?“ Wochele antwortet: „Nein, aber ich war offensichtlich sehr eingestimmt darauf. Die Themen kommen zum Autor und wenn ich an einen neuen Roman gehe, bin ich ständig im Zustand der wachen Aufmerksamkeit.“

„Und was“, will ein Schüler wissen, „ist die Botschaft des Buches?“ In Romanen, antwortet Wochele, gebe es allenfalls versteckte Botschaften. „Meine ist: Wir müssen lernen, ohne Waffen auszukommen.“

 
 
 

Eva-Maria Bast, Südkurier Überlingen, 24.03.10  

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