> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 26. Februar 2010
 

Zukunftsfähigkeit aus dem Labor

Neues Gymnasium an der Justus-von-Liebig-Schule - Biotechnologie als attraktives Profil - Kooperation mit Jörg-Zürn-Gewerbeschule

Überlingen - Ihr Image mit der Wirklichkeit in Einklang zu bringen, versucht die Justus-von- Liebig-Schule des Bodenseekreises schon seit vielen Jahren – bisher ohne durchschlagenden Erfolg. Als „Kochlöffelabitur“ wurde die Reifeprüfung am Ernährungswissenschaftlichen Gymnasium (EG) gerne abgewertet, obwohl manche überforderten Schüler wegen der anspruchsvollen Pflichthauptfächer Chemie und Ernährungswissenschaft oft den Löffel weglegten. „Wir wollen endlich von der vermaledeiten Hauswirtschaft wegkommen“, sagt Schulleiterin Liliane Frank. Diese Schublade ist verantwortlich für Missverständnisse und Fehleinschätzungen dieses Zweigs.

Mit dem neuen gymnasialen Zug und dem Begriff Biotechnologie hofft sie endlich durchschlagenden Erfolg zu haben – zum Vorteil der Schüler. „Dann können wir künftig zwei hochkarätige Gymnasien anbieten“, erklärt Frank. Jeweils einzügig sollen das biotechnologische und das ernährungswissenschaftliche Profil zum Abitur führen. Dabei kooperiert die Schule eng mit der benachbarten Jörg-Zürn-Gewerbeschule und deren Berufskolleg für Biologisch-Technische Assistenten (BTA). Die dortigen Labore und die fachliche Kompetenz kann sich die Justus-von-Liebig-Schule von Anfang an zunutze machen. „Wir machen so eine Art Ringtausch der Lehrer“, sagt Abteilungsleiter Wolfram Müller, der für die BTA-Ausbildung verantwortlich zeichnet.

Raus aus der Nische

Derzeit besuchen 138 Schüler das EG der Justus-von-Liebig-Schule, die in Überlingen auch ein Berufskolleg und Berufsfachschule anbietet, Altenpfleger ausbildet und in Markdorf auch noch Erzieherinnen und echte Hauswirtschafterinnen heranzieht. Das neue Etikett und die neuen Inhalte der Biotechnologie sollen nun dem gymnasialen Bereich der Justus-von-Liebig-Schule aus der „Nische“ heraushelfen, sagt Schulleiterin Frank: „Wir wollen zukunftsweisend sein.“

Der Coup scheint erfolgreich zu sein. Schon nach ersten Informationsveranstaltungen an der Realschule registrierte Frank mehr als ein Dutzend Anmeldungen. „Wir sind schon halb voll“, sagt die Schulleiterin, die auch auf ein ausgeglicheneres Geschlechterverhältnis an der mädchendominierten Einrichtung hofft.

Das Biotechnologische Gymnasium (BTG) der Justus-von-Liebig-Schule kann für die Praxis zunächst die Labore des Berufskollegs der Jörg-Zürn-Gewerbeschule nutzen. Die angehenden Biologisch-Technischen Assistenten Daniel Vochezer (l.) und Till Telorac demonstrieren hier einen Bioreaktor zur Kultivierung von Mikroorganismen.
Bild: Walter

Gute Berufsaussichten kommen bei der biotechnologischen Orientierung noch hinzu, wie  Wolfram Müller unterstreicht. Vor allem in der angewandten Biopharmazie gebe es einen enormen Bedarf an Fachkräfte, sagt der Experte. Mit dem Abitur am BTG hätten die Absolventen Vorteile bei einem Einstieg in Ausbildungen und Studiengänge der Medizin, Biologie, Biotechnologie und Pharmazie, auch in den neuen Studiengang Life Science.

Berufliche Herausforderungen gibt es anschließend von der Kriminalistik über die Umwelttechnologie bis zur Pflanzenzüchtung. Doch stehen mit der allgemeinen Hochschulreife auch alle anderen Ziele offen.

„Man kann dem BTG nur alles Gute wünschen“, sagt Partner Wolfram Müller, „und nur hoffen, dass unser Berufskolleg nicht zu sehr leidet.“ Die Zielgruppen der beiden Bildungsangebote überschneiden sich sicherlich, doch sie können sich auch wechselseitig befruchten. Einige Absolventen des Biotechnologischen Gymnasiums an der Friedrichshafener Droste-von-Hülshoff-Schule sind so schon an das Berufskolleg nach Überlingen gekommen. Ein Wechsel an das Biotechnologische Gymnasium der Justus-von-Liebig-Schule ist im Anschluss an die Real- oder Werkrealschule bzw. vom Gymnasium nach der 10. Klasse des G9 oder der 9. Klasse des G8 möglich.

Das Profil

Das Oberstufenprofil Biotechnologie für berufliche Gymnasien wurde mit dem Schuljahr 2001/2002 zu ersten Mal eingeführt. Seitdem haben es 28 Schulen im Land realisiert, darunter auch die Droste-Hülshoff-Schule Friedrichshafen, ebenfalls unter der Trägerschaft des Bodenseekreises, die Mettnau-Schule Radolfzell und die Edith-Stein-Schule Ravensburg. Der Bildungsgang soll die Stellung der Naturwissenschaften stärken und das Interesse für die Zukunftsbranche Biotechnologie fördern. Das Bildungsangebot sieht daher als Schwerpunkt das sechsstündige Profilleistungsfach Biotechnologie und die „profilergänzenden Fächer“ Bioinformatik, Chemie und Sondergebiete der Biowissenschaften vor. Durch die Integration von Praktika in das Profilfach erhalten die Schüler Einblicke in die konkrete Laborarbeit. Damit erschließt die Ausbildung zukunftsträchtige Berufsfelder von der Pharmazie über die Kriminalistik bis zur Umwelttechnologie.

Anmeldungen sind an der Justus-von-Liebig-Schule schon möglich. Weitere Infos unter Tel. 0 75 51/80 92 20 oder im Internet unter www.jvls-ueberlingen.de

 
 
 

Hanspeter Walter, Südkurier Überlingen, 26.02.10  

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