> Pressespiegel > Bericht: SÜDKURIER, 06. Februar 2010
 

Glatze mit Pinsel und Puder

Maskenbildnerin Marion Bleutge gibt in Gewerbeschule Impulse für angehende Friseure

Schnell kann aus einer jungen Schülerin ein Furcht einflößender alter Mann werden. Das demonstrierte die Maskenbildnerin Marion Bleutge von der Stuttgarter Oper, die bei 35 aus verschiedenen Schulen stammenden Friseurlehrlingen in der Jörg-Zürn- Gewerbeschule zu Gast war.

Überlingen - Bleutge informierte über Berufsbild, Voraussetzungen, Gehalt und Berufschancen von Maskenbildnern und lieferte ein praktisches Beispiel ihrer Arbeit: Sie verpasste der 19-jährigen angehenden Hairstylistin Layette Weishaupt aus Meersburg eine Glatze und machte sie mittels Puder und Schminke in knapp einer Stunde einige Jahrzehnte älter.

Für Rolf Briddigkeit, Lehrer und Fachabteilungsleiter der Schule, ist dieser Programmpunkt schon seit vielen Jahren fester Bestandteil der Ausbildung der Schülerinnen und Schüler im dritten Lehrjahr. Immer wieder besucht ein Maskenbildner die Lehrlinge, um Einblicke in seine Arbeit zu geben. Zur schulübergreifenden Ausbildung waren jetzt auch Lehrlinge aus der Waldorfschule sowie aus Friedrichshafen zu Gast.

Bevor es zur Glatzenbildung kam, fügten sich die künftigen Frisörinnen täuschend echt aussehende Wunden, Narben und Verbrennungen an unterschiedlichen Körperteilen oder Vampirbisse mit Gelatine zu. Dann machte sich Marion Bleutge im Zimmer der Friseurlehrlinge ans Werk. Als Model eigneten sich Schüler mit kurzen Haaren viel besser, „das Ergebnis bei Frauen mit langen Haaren ist immer etwas unbefriedigend“, schickte sie voraus. Hier müssten die Haare geschneckelt werden, indem einzelne Strähnen wie eine Schnecke zusammen gerollt und mit Haarklammern festgesteckt werden.

Zuerst trug die Maskenbildnerin eine Make-up-Grundlage auf, ließ alsdann die Haare von Layette unter Latex verschwinden, löste überflüssige Ränder mit Aceton, puderte und grundierte, zeichnete tiefe Falten in ihr Gesicht. „Eine Vielfarbigkeit ist sehr wichtig beim Schminken“, erläuterte Bleutge zwischendurch. Sie verwies darauf, dass die Ausbildung zum Maskenbildner durchaus unterschiedlich verlaufen kann. Bleutge: „Wichtig ist, dass das Ergebnis stimmt.“ Und in ihrem Fall war das so. „Lässt du 

Die Maskenbildnerin Marion Bleutge von der Oper Stuttgart gab Frisörazubis an der Jörg-Zürn- Gewerbeschule Überlingen Einblicke in ihren Beruf. 
Bilder: Kleinstück
Die Azubis probierten die Tricks der Fachfrau gleich an sich selbst aus.

das bitte bis zur Fasnet. Das sieht echt echt aus“, rief eine begeisterte Mitschülerin dem vielfach  fotografierten Model zu, als das Ergebnis langsam sichtbar wurde.

Die Verwandlungskünstlerin zu beobachten, war ein besonderes Erlebnis für die künftigen Frisörinnen. Der Tag sollte ihnen auch Anregungen für eine weitere Berufsorientierung bieten. Seit 2001 ist die dreijährige Ausbildung zum Maskenbildner staatlich anerkannt und bundesweit einheitlich geregelt. Ausbildungsbetriebe sind in erster Linie die Maskenabteilung im Theater, aber auch bei Fernsehanstalten und bei Film-, Foto- und Fernsehproduzenten.

 
 
 

Holger Kleinstück, Südkurier Überlingen, 06.02.10  

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